TV-Kritik „Anne Will“: Muslime in der Opferrolle

Der Terror-Anschlag in Boston, jetzt der bestialische Mord zweier britischer Muslime an dem 25jährigen Lee Rigby und eine Terror-Warnung für Deutschland – sogenannte „Einzeltäter“ im Namen Allahs werden in Europa immer aktiver. Grund genug für die ARD, uns gestern Abend eine Diskussionsrunde bei Anne Will mit dem Titel „Allahs Krieger im Westen – wie gefährlich sind radikale Muslime?“ Natürlich zur „besten Sendezeit“ um 22 Uhr 45. Heraus kamen 75 schwer erträgliche Minuten, in denen sich Anne Will um kritische Moderation bemühte, Necla Kelek wichtige Fragen stellte und ein SPD-Politiker zusammen mit einer vollverschleierten Muslima dafür gesorgt hat, dass eine Sendung, die es nur wegen islamischer Terror-Attentate gegeben hat, doch wieder mit der Opfer-Rolle der Muslime endete.

(Von Peter H., Mönchengladbach)

Aber stellen wir erst einmal die Gäste vor: Nora Illi, selbstgetaufte Katholikin, die später zum Islam konvertierte, heute als Frauenbeauftragte des „Islamischen Zentralrats Schweiz“ (IZRS) fungiert und sich den deutschen Fernsehzuschauern erneut vollverschleiert präsentierte. Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister. Thomas Oppermann, SPD-Innenpolitiker. Necla Kelek, Publizistin und einzige Islam-Kritikerin in der Runde. Asiem El Difraoui, sogenannter „Islam-Experte“.

Die anfängliche Marschrichtung der Debatte war klar: Salafisten sind gefährlich, Muslime friedlich. Insbesondere der bayerische Innenminister Herrmann hatte es sich mit dieser Formel sofort bequem gemacht. In die gleiche Kerbe schlug Asiem El Difraoui, der den Jihadismus als „irregeleitete Sekte im Islam“ bezeichnete.

Erwartungsgemäß blieb es Necla Kelek vorbehalten, unbequeme Fragen zu stellen und unbequeme Punkte anzusprechen. Beispielsweise warum sich Muslime so von der westlichen Welt abgrenzen? Warum sich Muslime von den Terror-Anschlägen im Namen Allahs nicht wirklich distanzieren? Und welche Ideologie hinter allem stecke? Aber spätestens als Illi und Oppermann stur behaupteten, sogenannte „Ehrenmorde“ hätten nichts mit dem Islam zu tun und die von Necla Kelek präzise genannte Koran-Stelle gleich zweimal „überhörten“, war offensichtlich, dass sich eine einzige Islam-Kritikerin gegen so viel geballte Faktenresistenz nicht wird durchsetzen können.

Die vollvermummte Nora Illi, die zumindest aufgrund ihrer Stimmlage als Frau zu erkennen war, präsentierte sich als Meisterin der Taqiyya: Fragen nach dem Islam wich sie stereotyp aus, stattdessen verwies sie immer wieder darauf, dass man in Deutschland wie auch in der Schweiz in westlichen Demokratien lebe, mit entsprechenden Gesetzen, die auch beachtet werden müssen. Davon, dass der Islam auch eine politische Ideologie ist und als solche eine Gesetzgebung (Scharia) hat, die sich mit westlichen Gesetzen kaum verträgt, wollte ausgerechnet die Konvertitin Illi nichts wissen. Stattdessen tat sie so, als ob ihr Glaube wie auch ihr Hijab Ausdruck von Individualität wären, die es doch bitteschön anzuerkennen gilt – wo doch die Muslime im Gegenzug westliche Gesetze anerkennen. So, als ob wir in einer bunten, pluralistischen Gesellschaft leben würden, in der der eine halt Punk, der andere Muslim und der nächste Goldfisch-Anbeter sei, sich aber alle respektieren und die Gesetze beachten würden. Wahrlich rührend, in Anbetracht der ideologischen Grundlagen muslimischer Gewalt wie auch machthungriger Islam-Verbände nur leider ohne jeglichen Realitätsbezug.

Grotesk wurde es dank Illi gleich mehrfach, aber der Höhepunkt ihrer skurrilen Aussagen bestand darin, dass es doch gerade der Islam sei, der festlege, dass man keine andere Menschen ohne Erlaubnis einer anerkannten Institution töten dürfe. Niemand in der Runde kam auf die Idee, sie darauf hinzuweisen, dass sich islamische Attentäter üblicherweise auf den Propheten Mohammed berufen und dieser im Islam nicht nur irgendeine anerkannte Institution darstellt – sondern die höchste.

Mit geradezu rührender, aber auch erschreckender Naivität präsentierte sich Thomas Oppermann: wie jeder SPD-Politiker plädierte auch er in Sachen Salafisten für sogenannte „Aussteigerprogramme“, bei denen er sich allen Ernstes Hilfe und Unterstützung der Imame erhofft. Die Abgrenzung der Muslime von westlichen Werten begründete er mit der vermeintlichen „Ausgrenzung“ der Muslime. Und er beklagte, dass in Deutschland mehr Muslime durch „islamophobe, rechtsradikale und fremdenfeindliche“ Täter zu Tode gekommen seien als Nicht-Muslime durch Muslime. Damit war klar, worauf der SPD-Politiker hinauswollte: man müsse Muslimen nur den „Platz in der Mitte der Gesellschaft“ überlassen und schon sind alle friedlich und finden westliche Werte auch ganz toll. Eine bemerkenswerte Ignoranz gegenüber der Geschichte und Ideologie des Islams, aber eine Steilvorlage für Nora Illi, die sofort einhakte und dafür plädierte, Arbeitgeber mögen doch mehr Frauen im Hijab einstellen.

Aber wenn ein Innen- und damit Sicherheitspolitiker wie Oppermann eine Debatte darüber, was gegen islamische Gewalt zu tun sei, mit einem Plädoyer für mehr Muslime bei Polizei und Verfassungsschutz zu beenden versucht, dann kann man einer solchen Naivität nicht einmal mehr Unterhaltungswert abgewinnen. Dann gefriert einem nur noch das Blut in den Adern.

Video:

(Videobearbeitung theAnti2007)