Wirbel um Pro Köln-Teilnahme an CSD-Parade

Davon wurde nicht nur Kölns warme Szene kalt erwischt: Die Ratsfraktion der Bürgerbewegung PRO KÖLN wird am 7. Juli an der diesjährigen CSD-Parade in Köln, der größten in ganz Deutschland, mit einem eigenen Mottowagen teilnehmen. „Proud to be Kölsch – gegen die Diskriminierung sexueller und politischer Minderheiten in Köln“ lautet das Motto der PRO-KÖLN-Mandatsträger. Ergänzt mit dem Hinweis des Koordinators Michael Gabel (PRO-Funktionär und Mitglied der Stadtarbeitsgemeinschaft für Schwulen und Lesben): Man wolle sich für die Sicherheitsinteressen Homosexueller im öffentlichen Raum einsetzen – die leider immer wieder von islamistischen Fanatikern bedroht würden. Der Aufschrei bei den parteipolitisch gebundenen Homolobbyisten ist enorm, ebenso bei den etablierten Kölner Medien.

Das Boulevardblatt Express aus dem DuMont-Konzern empört sich reißerisch:

Behörden eingeschaltet – Rechtsextreme wollen beim CSD mitlaufen

Mohammed-Karikaturen, Anti-Islam-Kongresse, Kampf gegen die Moschee: „pro Köln“ ist sich nie für eine Provokation zu schade. Jetzt kommt eine neue hinzu: Die rechtsextreme Organisation hat sich für die große CSD-Parade am 7. Juli angemeldet.

„Wir müssen leider den Eingang der Anmeldung bestätigen“, erklärt Jörg Kalitowitsch (45) als einer der Organisatoren der Parade gegenüber EXPRESS … Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Rechtsextremen bei der Parade mitfahren und von ihrem Wagen aus lauthals ausländer-, islamfeindliche oder rassistische Parolen krakeelen und Transparente zeigen – und Gegendemonstranten auf den Plan rufen.

Für die Parade angemeldet wurde „pro Köln“ von Michael Gabel, der für diese im Kulturausschuss sitzt. In der Begründung heißt es, die Rechtsextremen setzten sich „für die Sicherheitsinteressen von Schwulen und Lesben im öffentlichen Raum ein – die leider immer wieder auch von muslimischen Jugendlichen und islamistischen Fanatikern bedroht werden.“ Es ist also klar, in welche Richtung „pro Köln“ bei der CSD-Parade gehen will.

Das Problem: Nach dem Versammlungsrecht kann man niemandem die Teilnahme an einer Demonstration verbieten.

Und auch der „seriöse“ Kölner Stadt-Anzeiger verbreitet unter der Überschrift „Pro Köln fährt CSD in die Parade“ obskure Verschwörungstheorien:

Man könnte sich vor diesem Hintergrund nun zu der Spekulation hinreißen lassen, dass hinter der Teilnahme der Pro Köln-Funktionäre die perfide Strategie stecke, eine Kölner CSD-Parade gänzlich zu verhindern. Dass die Stadt den bunten Zug durch die Stadt verbietet, weil Spannungen programmiert sind zwischen dem traditionell linken Lager der schwullesbischen Bewegung und der rechtsgerichteten ProKöln-Initiative, hält Zugleiter Kalitowitsch aber für unwahrscheinlich. Um eine Eskalation am 7. Juli auf dem CSD zu verhindern, stehen nun Gespräche mit der Polizei an. Einen Termin dafür gibt es bisher noch nicht.

Unaufgeregt erläutert dagegen die PRO-KÖLN-Fraktionsvorsitzende Judith Wolter auf der Homepage der Bürgerbewegung den Grund für die Wagenanmeldung durch ihre Fraktion: “Wir teilen die politische Forderung nach mehr Toleranz gegenüber Minderheiten, die in dem Motto der Parade 2013 deutlich wird: WIR SIND. SO ODER SO! Es muss in Köln Platz sein für alle friedlichen und rechtschaffenen Bürger, auch wenn sie z.B. einer sexuellen oder politischen Minderheit angehören. Denn obwohl es im Jahr 2013 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass es kein Verbrechen ist, homosexuell zu sein oder einer unbequemen Oppositionspartei wie PRO KÖLN anzugehören, denken leider nicht alle Menschen so. PRO KÖLN wird am 7. Juli einen Beitrag dazu leisten, dass sich das ändert”, so die 34jährige Mutter und Fachanwältin für Familienrecht.

» Queer: „Pro Köln“ beim CSD?