Die Bahn macht mobil gegen Anglizismen

DVBBahnfahrer in Deutschland haben es schwer. Nicht nur weil man, frei nach dem Motto: „Ankommen können Sie woanders“, nie so recht weiß, ob man sein Ziel auch tatsächlich erreichen und wenn ja, ob dies auch pünktlich geschehen wird. Denn es könnte ja sein, dass man schon am Fahrkartenkauf scheitert, wenn etwa der Fahrkartenautomat explodiert. Nun will die Deutsche Bahn uns zumindest so weit entgegenkommen, als dass sie mit ihren Kunden in der in Deutschland üblichen Landessprache, nämlich in Deutsch, kommuniziert.

(Von L.S.Gabriel)

Nachdem der gemeine Bahnfahrer auf der Website seines Businesspartners den Anreisebutton betätigt, sich danach mit einer Mobile-App auf die Homepage der Deutschen Bahn gebrowst, sich den Online-Fahrplan angesehen, die Guided Tour erfolgreich absolviert hat und es dem stolzen Besitzer einer Bahn-Card dann tatsächlich gelungen sein sollte, das benötigte Online-Ticket zu erwerben, ist das Elend für den, des Englischen nicht mächtigen Customer noch nicht vorbei. Das Englisch-Wörterbuch also bitte auch bei Reisen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, nur ja nicht zu aus der Hand legen. Denn sollte der Bahnkunde nun noch eine Frage haben, die ihm der Flyer der Deutschen Bahn nicht ausreichend beantwortet, ist es für ihn unerlässlich zu wissen, dass ein Counter ein Schalter ist, wo mehr oder weniger nette Costumer-Care-Mitarbeiter ihm weiterhelfen können.

Damit soll nun Schluss sein. Die Deutsche Bahn nimmt mutig den Kampf gegen Anglizismen und damit wohl auch gegen eine Vielzahl von unseligen Denglisch-Wortschöpfungen auf. Man möchte der überbordenden Verwendung englischer Begriffe einen Riegel vorschieben und hat zu diesem Zweck nun Leitlinien festgelegt, die das „Prinzip einer möglichst durchgängigen Verwendung der deutschen Sprache“ garantieren sollen.

„Wir haben unseren Mitarbeitern ein Glossar zum Thema `Anglizismen` an die Hand gegeben, mit dessen Hilfe sie ihren alltäglichen Sprachgebrauch kritisch unter die Lupe nehmen können, um eine inflationäre Verwendung englischer und scheinenglischer Begriffe zu bremsen“, sagte ein Bahn-Sprecher. „Das Glossar enthält rund 2.200 verbreitete Begriffe mit den jeweiligen deutschen Entsprechungen. (..) Wir vermeiden Begriffe wie `Highlights` für herausragende Leistungsaspekte, und `Hotlines` wurden im Zuge dieses Prozesses zu `Service-Nummern`. Bei Marken wie Call-a-Bike werde künftig erläuternd hinzugesetzt: „Das Mietrad-Angebot.“

Allerdings werde es, gerade dort wo internationales Publikum unterwegs sei, auch weiterhin englische Durchsagen geben.

Das ist natürlich auch wünschenswert. Wenn die Deutsche Bahn es nun auch noch schafft, dass alle ihre Fahrkartenautomaten die neue Fünf-Eurobanknote akzeptieren und das ohne dem Kunden um die Ohren zu fliegen. Wenn die, in Deutschland übliche MEZ auch die praktizierte Zeitrechnung für den Fahrplan wird und der nicht nur als nicht ernst zu nehmender Vorschlag gesehen werden kann. Wenn Fahrgäste nicht mehr mit einem Hitzeschlag rechnen müssen, weil sie in fünfzig Grad heißen Waggons stundenlang festgesetzt werden. Wenn die Anzahl der Waggons den Passagierzahlen so weit angepasst wird, dass man die Fahrt nicht nur „in vollen Zügen“ genießen kann, man morgens in der gemäß Fahrplan zu erwartenden Zeit am Arbeitsplatz, statt nur in 2 Minuten am Bahnhof auf der Palme ist und wenn die Mitarbeiter sich zuvorkommend, freundlich und hilfsbereit den Anliegen der Reisenden widmen, egal in welcher Sprache, dann wird die „größte Verarschung seit es Schienenverkehr gibt“ vielleicht doch noch ihrem Slogan gerecht und so etwas wie „der richtige Partner“ für uns, wenn es um stressfreies Reisen geht. Please, mind the gap!