Obama an ägyptische Christen: Nicht gegen die Moslem-Bruderschaft protestieren

morsi-obama2Während sich Ägypter aller Fraktionen darauf vorbereiten, in Massen gegen die Moslem-Bruderschaft und Präsident Mursis Herrschaft am 30. Juni zu demonstrieren, ist der letztere bemüht, ihre Zahlen zu reduzieren, die laut mancher Voraussagen in die Millionen gehen und die Tahrir-Proteste, die zuvor Mubarak entmachtet hatten, übertreffen werden. Unter anderen einflußreichen Ägyptern rief Mursi vor kurzem den koptischen Papst Tawadros II. dazu auf, seine Herde, die Millionen von ägyptischen Christen, zu ermahnen, nicht an den Protesten am 30. Juni teilzunehmen.

(Von Raymond Ibrahim, FrontPage Mag / via Middle East Forum und Israpundit / s.a. vielfache Kommentare dazu i.d. Blogosphäre, z.B. Breitbart, Tea Party, Israel Matzav u.v.a. / Übersetzung: Klaus F.)

Während dies wohl zu erwarten war, ist es beunruhigender, daß auch der Botschafter der USA in Ägypten versucht, die Ägypter vom Protestieren abzuhalten — einschließlich der Kopten. In der Ausgabe vom 18. Juni von Sadi al-Balad wird berichtet, der Rechtsanwalt Ramses Naggar, der Rechtsberater der Koptischen Kirche, habe gesagt, daß Anne Patterson während ihres Treffens am 17. Juni mit Papst Tawadros „ihn bat, die Kopten dazu zu drängen, nicht teilzunehmen“ an den Demonstrationen gegen Mursi und die Bruderschaft.

Anne Patterson bei ihrem Treffen mit dem koptischen Papst Tawadros II.S-Botschafterin Anne Patterson bei ihrem Treffen mit dem koptischen Papst Tawadros II.

Der Papst informierte sie höflich darüber, daß seine spirituelle Autorität über die Kopten sich nicht über politische Angelegenheiten erstrecke.

Dessen ungeachtet verurteilen viele ägyptische Aktivisten Patterson für ihr schamloses Auftreten als Handlangerin der Moslem-Bruderschaft. Der führende Oppositions-Aktivist Shady el-Ghazali Harb sagte, Patterson zeige „unverhohlene Parteilichkeit“ zugunsten von Mursi und der Bruderschaft und fügte hinzu, ihre Bemerkungen hätten der US-Regierung „die Feindschaft des ägyptischen Volkes“ eingebracht. Koptische Aktivisten wie George Ishaq haben Patterson ganz offen gesagt, sie solle „den Mund halten und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern“. Der christliche Magnat Naguib Sawiris — dem islamische Feindseligkeiten keineswegs fremd sind — schrieb auf seinem Twitter-Kanal eine Nachricht adressiert an die Botschafterin mit dem Wortlaut: „Segnen Sie uns mit Ihrem Schweigen.“

In der Tat ist die Position der US-Botschafterin als Lakai der Bruderschaft sehr beunruhigend — und aufschlußreich — auf mehreren Ebenen. Zuerst haben die USA überall im Mittleren Osten alle und jeden unterstützt, die sich gegen ihre Führer erhoben haben — in Libyen gegen Gaddafi, in Ägypten selbst gegen den seit 30 Jahren treuen Verbündeten der USA Mubarak, und nun in Syrien gegen Assad. In all diesen Fällen haben die USA ihre Unterstützung als im Namen von Menschenrechten und Freiheit von diktatorischen Führern präsentiert.

Also warum ersucht die Obama-Regierung jetzt Christen, nicht gegen ihre Herrscher zu opponieren — in diesem Fall Islamisten — die sich tagtäglich als korrupt erwiesen haben und schlimmeres, so schlimm, daß Millionen von Ägyptern, die meisten von ihnen selbst Moslems, sie versuchen zu stürzen?

Noch schlimmer ist die Tatsache, daß die Menschenrechtsverletzungen, die Ägyptens koptische Christen unter der Moslem-Bruderschaft erleiden, noch um einiges schwerer sind als die, die der durchschnittliche Ägypter unter Mubarak erlitt — was das Recht der Kopten zu protestieren umso legitimer macht und, wenn überhaupt, umso würdiger der Unterstützung durch die USA.

Unter anderem ist unter Mursis Herrschaft die Verfolgung von Kopten praktisch legalisiert worden. Eine noch nie dagewesene Zahl von Christen — Männer, Frauen und Kinder — wurde verhaftet und erhielt oft mehr als das doppelte der maximalen Gefängnisstrafe unter der Anklage der „Blasphemie“ gegen den Islam oder seinen Propheten. Es war auch unter Mursis Regentschaft, daß ein weiterer beispielloser Skandal geschah: Die Markuskathedrale — heiligste Stätte des koptischen Christentums und Sitz von Papst Tawadros daselbst — wurde am hellichten Tag von islamischen Randalierern belagert. Als die Sicherheitskräfte erschienen, haben sie sich dem Angriff auf die Kathedrale angeschlossen. Und die gezielten Verbrechen gegen christliche Kinder — Geiselnahme zur Erpressung von Geld und/oder Entführung zwecks Zwangskonvertierung — haben ebenfalls unter Mursi ein beispielloses Ausmaß angenommen. (Für weitere Informationen über die Bedrängnis der Kopten unter Mursis Herrschaft siehe mein neues Buch „Crucified Again: Exposing Islam’s New War on Christians“ — „Wieder gekreuzigt: Der neue Krieg des Islams gegen Christen“.)

Wenn irgendjemand in Ägypten ein legitimes Menschenrechtsanliegen gegen die momentane ägyptische Regierung hat, dann sind es mit größter Sicherheit die christlichen Kopten. Und trotz alledem sind es hier die USA, in der Person von Ms. Patterson, die ihnen die Teilnahme an den geplanten Protesten versagen wollen.

In anderen Worten, und in Übereinstimmung mit der Doktrin der Obama-Regierung: Wenn Islamisten — einschließlich Vergewaltigern und Kannibalen — Dschihad führen gegen säkulare Führer, dann unterstützen die USA sie; wenn Christen gegen islamistische Herrscher protestieren, die ihnen das Leben zur Hölle machen, dann verlangt die US-Regierung von ihnen, „ihren rechtmäßigen Platz zu kennen“ und sich wie Dhimmis zu verhalten, die Bezeichnung des Islams für nichtmoslemische „Ungläubige“, die ein Leben als drittklassige „Bürger“ fristen müssen und sich niemals über ihren minderwertigen Status zu beklagen haben.