Espelkamp: Charmeoffensive bei Erdogan-Demo

Es ist schon bemerkenswert – oder soll man es dreist nennen? – wie die Anhänger des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan hier in Deutschland dessen Politik durch öffentliche Demonstrationen unterstützen und so in den seit Wochen tobenden Machtkampf in der Türkei eingreifen. Erdogan träumt von der Scharia als staatlichem Gesetz, hebt schrittweise die Trennung von Staat und Religion (Laizismus) in der Türkei auf und will an die Tradition des groß-osmanischen Reiches anknüpfen, das 400 Jahre Südosteuropa bis vor die Tore Wiens unterjochte. Seine Gegner wollen den Laizismus aufrechterhalten oder gar eine säkularisierte Türkei mit demokratischen Grundrechten.

(Von Eberhard Kleina)

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Am 7. Juli fand in Düsseldorf eine Großdemonstration pro Erdogan statt, über die PI mehrfach berichtete. Bereits tags zuvor gab es eine kleine Demonstration in der ostwestfälischen Kleinstadt Espelkamp. Stehen uns weitere Veranstaltungen dieser Art ins Haus? Wie würde die türkische Regierung reagieren, kämen deutsche Urlauber auf die Idee, von der Türkei aus durch öffentliche Kundgebungen in die deutsche Innenpolitik einzugreifen?

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Initiatoren in Espelkamp waren drei türkische Privatleute. Ursprünglich wollte man durch die Innenstadt ziehen, die Stadtverwaltung schaffte es jedoch, die ungeliebte Demonstration auf den Wilhelm-Kern-Platz in der Innenstadt zu beschränken. Um Kritik vorzubeugen, versuchte man rote Blumen an Zuschauer zu verteilen, wohl der Versuch einer Charmeoffensive. Die deutschen Einwohner nahmen die Veranstaltung aber so gut wie nicht zur Kenntnis. Von den zahlreichen Passanten und Autofahrern blieb während der ganzen Zeit fast niemand stehen oder stieg aus. Wozu auch? Erdogans Anhänger waren unter sich. Deutsche waren offenbar auch nicht erwünscht. Denn die zahlreichen Plakate waren bis auf wenige Ausnahmen in türkisch, vom Tonband wurden über Lautsprecher Ausschnitte aus Erdogans Reden auf türkisch abgespielt. Es gab einmal eine kurze Zusammenfassung auf deutsch, die kam akustisch aber schlecht an. Wenige nur interessierten sich für die deutsche Übersetzung auf einem Flugblatt.

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Hier konnte man nachlesen, dass die Türkei gegenwärtig die besten Tage ihrer Geschichte erlebt, dass die Gegner Erdogans aber die Zukunft des Landes bedrohen, Polizisten mit Steinen bewerfen, randalieren, alles niederschlagen und Hab und Gut unschuldiger Menschen verbrennen. „Bleibe standhaft“, ruft man Erdogan zu, „beuge dich nicht, die in Deutschland lebenden Türken stehen dir bei.“ Erdogans 5. Kolonne, innertürkische Konflikte werden hier ausgetragen.

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Der Kundgebungsplatz war neben den Plakaten geprägt von Erdogans Großporträt auf einer Leinwand und zahlreichen türkischen Flaggen, unübersehbar auch die große Zahl von Frauen mit Kopftüchern in verschiedenen Variationen und Farben. Neben den Redebeiträgen Erdogans erklang aus den Lautsprechern laute orientalische Musik, es gab auch eine Tanzvorführung. Erdogans Anhänger pflegten ihr Wir-Gefühl.

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Die Veranstalter sprachen von 300 Teilnehmern, in Wirklichkeit waren es höchstens 150 bis 170, wie Augenzeugen und auch die Polizei berichteten. Man setzt gern bei solchen Gelegenheiten eine hohe Teilnehmerzahl an, auch in Düsseldorf, schließlich sollen Erdogans Gegner sehen, welche Macht hinter ihm steht. Wenn man aber jeweils die Hälfte abrechnet, hat man in etwa die wirkliche Zahl.

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Die befürchteten Gegendemonstranten blieben in Espelkamp aus, nur vier Personen hielten ein Spruchband hoch: „Türkei und EU: Ja, bitte. – Erdoganistan und EU: Nein, danke.“ Die DITIB in Espelkamp hielt sich nach eigenen Worten zurück und wollte sich neutral gegenüber dieser Veranstaltung verhalten. Die Neutralität endete aber schon am nächsten Tag, als man mit einem Bus zu der großen Pro-Erdogan-Demonstration nach Düsseldorf aufbrach, ein Beispiel islamischer Taqiya (Verschleierung). Schließlich ist gerade die DITIB der verlängerte Arm Erdogans in Deutschland. Waren etwa auch die drei privaten Veranstalter Mitglieder der DITIB?

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Sechs Polizisten in Uniform waren die ganze Zeit über in Espelkamp zugegen, auch das Ordnungsamt und eine ganze Anzahl von Sicherheitsbeamten in Zivil. Sie brauchten nicht einzugreifen, zum Glück blieb alles friedlich. Diese Demonstration hätten Erdogans Anhänger auch in einer gemieteten Festhalle abhalten können. So hätten sie die Kosten wenigstens allein getragen. Jetzt kommt der deutsche Steuerzahler dafür auf, in Espelkamp und in Düsseldorf auch.

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(Fotocredit: Rainer Fäth)