Soziologen, linke Spinner und andere „Experten“

kemper„Durchs Abi gerasselt. Meine Magisterarbeit in Soziologie habe ich über studierende Arbeiterkinder geschrieben, und meine Doktorarbeit schreibe ich zum Thema Klassismus“ – so lautet die Selbstbeschreibung des Soziologen und Wikipedia-„Autors“ Andreas Kemper (50, Foto). Auf dessen Doktorarbeit die Welt übrigens bis heute wartet. Aber nachdem Kemper in einem Antifa-nahen Verlag ein Buch veröffentlicht hat, in dem er vor der Alternative für Deutschland (AfD) warnt, hat ihn unsere Qualitäts-Presse flugs zum „Experten“ ernannt.

(Von Peter H., Mönchengladbach)

„Rechte Euro-Rebellion“ heißt Kempers Buch, das als Band 9 der „Reihe Antifaschistische Politik“ in einem Verlag erschienen ist, der sich bei seinem Internet-Auftritt in auffälliger Weise der Sprache der Antifa bedient. Und für 12 Euro 80 kann man das Buch kaufen. Oder auch nicht, denn bei Kempers Botschaft, die AfD sei angeblich mit der pöhsen US-Amerikanischen Tea-Party zu vergleichen und es gäbe dort „antidemokratische und homophobe Tendenzen“, ist man gut beraten, sich zuerst zu überlegen, ob man 12 Euro 80 nicht vielleicht sinnvoller investieren möchte? Eine große Pizza mit einem Getränk dürfte ein wohligeres Sättigungsgefühl hervorrufen als das Buch eines Soziologen, für den ohnehin alles gefährlich ist, was nicht links ist. Auch ein Kino-Besuch oder der Kauf einer DVD käme für 12 Euro 80 in Frage. Das Risiko, dass der ausgewählte Film einen geringeren geistigen Nährwert als Kempers Thesen hat, dürfte sehr gering sein. Dem Autor jedenfalls sei es bitte nachgesehen, dass er sich damit, was Wikipedia- oder Antifa-nahe Autoren über die AfD oder die Tea-Party so von sich geben, nicht beschäftigen, schon gar nicht Geld dafür ausgeben möchte.

FOCUS und SPIEGEL sehen das jedoch anders, gewähren Kemper sofort Interviews (hier und hier), der FOCUS (v)erklärt ihn gar zum „Experten“. Vermutlich deswegen, weil für linke Redakteure jede Absage an etwas, das nicht links ist, bereits eine Form der Qualifikation darstellt. Somit ist jeder, der „Rechts“ gefährlich findet, auch automatisch ein Experte. Lächerlich, aber wahr. Wir dürfen gespannt sein, wen man uns als nächsten „Experten“ vorstellen wird. Demnächst in der deutschen Qualitäts-Presse.