Klonovsky: Ist EUdSSR freier als Russland?

In Russland kann man auf unabsehbare Zeit und unbeschränkt sowohl Glühbirnen als auch Mentholzigaretten kaufen; der Staat knöpft einem nicht die Hälfte des Einkommens ab, um damit unter anderem eine sogenannte Energiewende autokratisch durchzusetzen, Windräder in vordem reizende Landschaften zu pflanzen oder anpassungsunwillige Zuwanderer zu alimentieren (in Russland ist der Begriff Ausländer positiv besetzt, weil man dort nur hineinlässt, wer seine Rechnungen bezahlen kann); das Regime presst einem ferner weder TV-Zwangsgebühren noch eine exorbitante Mineralölsteuer ab; niemand bekommt dortzulande vom Staat Geld dafür, dass er den Geschlechtsunterschied für ein soziales Konstrukt und Homosexuellen-Partnerschaften für normale Familien erklärt;

Putin nimmt seine Landsleute auch nicht bis in die Enkelgeneration als Geiseln, indem er sie für politische Flausen in Gestalt von multilateralen Milliardenumschichtungs-Programmen zur Alimentierung fremder Volkswirtschaften finanziell haften lässt; man kann in Russland sowohl äußern, dass Stalin der größte Verbrecher als auch der größte Staatsmann aller Zeiten war, ohne dass sich Presse und Staatsanwaltschaft auf einen stürzen; wenn in Russland eine Gruppe Jugendlicher einem braven Bürger den Schädel eintritt, bekommen die Typen nicht Bewährung und einen Sozialhelfer, sondern landen, wo sie hingehören: im Straflager.

Dort sitzen bekanntlich auch die Nuttchen von „Pussy riot“, was man für eine überzogene Strafe halten darf, aber die jahrelangen Haftstrafen für den Holocaust-Leugner Horst Mahler darf man auch für überzogen halten, und doch protestiert keiner, dass jemand für ein Gesinnungsdelikt härter belangt wird als die türkischen Totschläger vom Berliner Alexanderplatz zusammengenommen. Ferner darf man sich ausmalen, was passierte, wenn drei knalldeutsche Mädels in einer Moschee, einer Synagoge oder an der zentralen Kultstätte der bundesrepublikanischen Zivilreligion, dem Berliner Holocaust-Mahnmal, einen ähnlichen Hexensabbat veranstalteten, da dergleichen bekanntlich ja nur in christlichen Gotteshäusern unter Kunst- und Meinungsfreiheit fällt. Wobei in einer Moschee unsere muslimischen Mitbürger schon selber rasch für Ordnung sorgen würden.

(Immer klasse, die Artikel von Michael Klonovsky!)