Linke, Salafisten und der Hass auf Deutschland

Linke Gegen-Demo -Am Samstag demonstrierte Pro NRW in Mönchengladbach-Rheydt vor einer Moschee, in der Salafisten Unterschlupf gefunden haben. Ein demokratisches und friedliches Zeichen gegen den radikalen Islam – möchte man meinen. Aber die von den Jusos und der „Linkspartei“ organisierte Gegen-Demo sorgte für ein großes Polizei-Aufgebot, offenbarte mehr Hass auf Deutschland als demokratische Kultur und warf erneut Fragen über das Verhältnis von Linken und Salafisten auf.

(Von Peter H., Mönchengladbach)

Werfen wir einen kurzen Blick zurück: 2010 hatte Muhammed Ciftcis salafistische Koran-Schule in Braunschweig mit dem Verfolgungsdruck des niedersächsischen Verfassungsschutzes zu kämpfen – Niedersachsen war damals noch CDU-regiert. Also entschloss sich der von den Sicherheitsbehörden als gefährlich eingestufte Ciftci zum Umzug in das SPD-regierte Nordrhein-Westfalen, neuer Standort seiner „Schule“ sollte Mönchengladbach-Eicken sein. Und nachdem sich auch noch Pierre Vogel den Salafisten in Eicken angeschlossen hatte, machten sich diese immer aggressiver dort breit und versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Aber mutige Bürger wehrten sich, im August gab es die ersten Anti-Salafisten-Proteste in ganz Deutschland: zuerst organisierten die Bürger für Mönchengladbach (BfMG) Demos und Unterschriften-Sammlungen, im Spätherbst gründete sich die Interessengemeinschaft gegen Salafismus (IgS) und unterstützte die Proteste mit wöchentlichen Mahnwachen. Die Mönchengladbacher Jusos hielten sich bei alledem zurück, Proteste gegen den radikalen und gewalttätigen Islam waren ihre Sache nicht. Die „Linkspartei“ entblödete sich nicht, den Salafisten einen „Solidaritätsbesuch“ abzustatten.

Im Sommer 2011 war alles wieder vorbei; Ciftci musste sich nach Braunschweig zurückziehen, seine Koran-Schule wurde später vom niedersächsischen Innenministerium verboten. Pierre Vogel wurde nie wieder in Mönchengladbach gesehen. Weniger bedeutsame Salafisten fanden in Moschee-Gemeinden im benachbarten Rheydt Unterschlupf, unter anderem in der „Ar-rahman“-Moschee in der Mittelstraße. Als die Journalistin Gabi Peters Anfang 2012 recherchierte, dass sich in dieser Moschee Salafisten treffen, reagierte die Moschee-Gemeinde mit wenig glaubwürdigen Ausflüchten. Da das Thema aber nicht mehr auf öffentliches Interesse stieß, die BfMG ihre Proteste zwischenzeitlich beendet und die IgS sich nach internen Streitigkeiten aufgelöst hatte, nahm niemand daran Anstoß. Danach gerieten die Salafisten in der „Ar-rahman“-Moschee in Vergessenheit. So weit, so schlecht.

Pro NRW führt die Anti-Salafisten-Proteste fort

Linke Demo Pro NRW MGHeute wird die Tradition der Mönchengladbacher Anti-Salafisten-Proteste nur noch von Pro NRW fortgeführt. So auch am vergangenen Samstag, als unter dem Motto „Salafisten bekämpfen – Freiheit verteidigen“ und angeführt von den stellvertretenden Parteivorsitzenden Jörg Uckermann und Dominik Roeseler vor der „Ar-rahman“-Moschee demonstriert wurde. Ob es der Akzeptanz einer politischen Veranstaltung dient, wenn man diese mit 100 Litern Freibier in einer Kneipe beginnt, dürfte durchaus diskussionswürdig sein. Aber nachdem die ca. 50 Pro NRW-Anhänger unter massivem Polizeischutz von der Bahnhofsstraße zur Moschee zogen und dort ihre Deutschland-Flaggen entrollten, wandelte sich die Veranstaltung schnell zur ernsthaften politischen Kundgebung (Foto links): Uckermann, Roeseler und andere hochrangige Pro-Mitglieder hielten ihre Reden, in denen immer wieder vor der Bedrohung durch den radikalen Islam gewarnt wurde. Welche „Gefährlichkeit“ von der Pro-Veranstaltung ausging, konnte man am deutlichsten daran erkennen, dass sich kein einziger der mehr als 60 anwesenden Polizisten die Mühe gemacht hat, die Moschee zu beschützen.

„Halt’s Maul, du Wichser“

Ganz anders sah es jedoch bei den Linken aus, denn obwohl deren Gegen-Demo offiziell bereits am Rheydter Bahnhof aufgelöst wurde, fanden sich nur unweit der Pro-Demo ca. 30 Linke ein, die von einer geschlossenen Polizei-Kette bewacht werden mussten (Foto oben). Die zahllosen Flaggen der „Falken“ und der „Linkspartei“ vom Bahnhofsvorplatz waren plötzlich nicht mehr zu sehen; nachdem sich herumgesprochen hatte, dass auch ein WDR-Kameramann vor Ort war, wollte wohl niemand, dass die Fernsehzuschauer ein Meer von roten Flaggen zu sehen bekommen. Und der Versuch, die Redner von Pro NRW mit Gesängen wie „Ihr habt den Krieg verloren!“ oder „Ohne Freibier wärt ihr nur zu dritt!“ zu übertönen, scheiterte mangels Verstärker kläglich. Was der Aggressivität der Linken jedoch keinerlei Abbruch tat; jeder neue Redner von Pro NRW wurde mit „Halt’s Maul, du Wichser“ oder anderen wenig druckreifen Beleidigungen begrüßt, immer wieder wurden Polizisten beschimpft, die das aber mit stoischer Ruhe über sich ergingen ließen. Punker grölten vom „Saufen gegen Nazis“, vereinzelt waren auch Parolen wie „Tod Deutschland!“ und „Nieder mit Deutschland!“ zu hören. Dass die Deutschland-Flaggen der Pro NRW-Kundgebung enormen Hass ausgelöst hatten, war unübersehbar. Einen kurzen Moment unfreiwilliger Komik gab es, als eine junge Linke während des Bekenntnisses eines Pro-Redners zum Grundgesetz laut schrie „Wozu dann die Polizei?“ – der naheliegende Gedanke, dass das nicht gerade geringe Polizei-Aufgebot nur ihr und ihren Gesinnungsgenossen geschuldet war, lag offenbar außerhalb ihres Denkvermögens. Salafisten waren zu diesem Zeitpunkt nur vereinzelt hinter den Fenstern der Moschee zu erkennen.

Wirklich bizarr wurde es, als der letzte Redner von Pro NRW die linken Gegendemonstranten daran erinnerte, dass sie froh sein können, in einem Rechtsstaat zu leben und die Pro-Veranstaltung kurz darauf mit der deutschen Nationalhymne beendet wurde: auf Seiten der „Anti“-Faschisten erhob sich ein gellendes Pfeifkonzert, einige Linke hielten sich demonstrativ die Ohren zu, eine junge Blondine schrie aus Leibeskräften „Haut ab! Haut ab!“ und eine gut gekleidete Araberin zeigte beidseitig den „Stinkefinger“. Plötzlich trauten sich auch die ersten Männer aus der Moschee hervor, einige davon waren an ihrer traditionellen Kleidung eindeutig als orthodoxe Muslime (und somit Salafisten) zu erkennen. Eine junge Muslima im Schador, die die ganze Zeit bei den Linken stand, löste sich wieder von diesen und ging mit ihrer Mutter schnell in die Moschee. Während die junge Frau von den Männern im Vorhof der Moschee in Empfang genommen wurde, drehte sich ihre Mutter kurz um und fotografierte jeden, der diese Szene beobachtete. Was natürlich kein Beweis dafür ist, dass es bei dieser Gegen-Demo eine Zusammenarbeit zwischen Linken und Salafisten gegeben hat. Aber mit Sicherheit einer dafür, dass sich Linke und Salafisten in Mönchengladbach nicht gerade mit Ablehnung begegnen. Der Hass auf Deutschland verbindet offensichtlich.