PI vor Ort: beim Barte des Zionisten…?!

DSCF1000aBei den Wahlen zur 19. Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem, kam mit knapp 10 % der Stimmen die neue Partei Bayit Yehudi („Jüdisches Haus“) ins Parlament. Geführt von dem erfolgreichen Unternehmer Naftali Bennett, einer Art konservativ-nationalem Wunderkind, der sich auch gleich noch mit einigen weiteren, attraktiv-unkonventionellen Politikern umgab und das israelische Wunder schaffte, in seiner Partei religiöse und nicht-religiöse Zionisten zu vereinen, wurde die Partei aus dem Stand regierungsfähig. Durch geschicktes Manövrieren und loyales Zusammenhalten im Poker um die Auskleidung der Regierungsbeteiligung wurden er und seine neue Partei wichtige Mitglieder in der Regierung Netanjahu.

(Eine PI-Reportage mit Photos aus Israel von Mr. Merkava)

Außer gelegentlichen verzerrenden Hetzartikeln findet man hierzu in der deutschen Mainstreampresse allerdings wenig: ein guter Grund, sich vor Ort doch besser einmal selber umzusehen, was eine konservativ-zionistische Partei in Israel eigentlich macht.

Eine kürzlich durchgeführte Großveranstaltung in dem schicken, riesigen Kongreßzentrum Binyanei Hauma in Jerusalem unter dem Motto „One State For One Nation“ brachte alles zusammen, was im nationalen, religiösen und zionistischen Lager Rang und Namen hatte: der größte Saal des Veranstaltungszentrums war zum Bersten voll. Und anders als im rechtskonservativen Lager in Deutschland trafen sich hier keineswegs vorwiegend „zornige alte Männer“, sondern neben einigen teilweise tatsächlich betagteren Granden des Zionismus fanden sich Jugendliche – Jungen und Mädchen – noch und nöcher ein:

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Ein wichtiges Ziel war, durch massenhaften Zulauf auch dem Ministerpräsidenten Benjamin („Bibi“) Netanjahu den manchmal zu elastischen Rücken zu stärken gegenüber einem keineswegs freundlich gesinnten US-Präsidenten B. Hussein Obama und den zahlreichen „kritischen Freunden“ Israels in Europa.

Im Saal wurden nun Reden, Vorträge und Grußworte vorgetragen, die alle zum Ziel hatten, den unsäglichen Oslo-Prozeß (u.a. „Land für Frieden“) auch offiziell zu beenden. Dieser wurde damals von den eher linksorientierten Politikern Peres und Rabin ausgeheckt und gilt aus sehr guten Gründen heute als total gescheitert, da sich die sog. Palästinenser in der Tat nie als „Friedenspartner“ bewährt haben: terroristisch, vertragsbrüchig und immer doppelzüngig handelnd sind sie anscheinend friedfertig in englischer Sprache für die westliche Welt, aber offene Israelhasser unter den eigenen Leuten auf Arabisch und halten damit die ewige Flamme der Vernichtung des jüdischen Staates kräftig am Lodern:

Video (arab. Originalzitate mit hebräischen u. engl. Untertiteln):

Auf der Großveranstaltung gaben sich die in anderen Politikfeldern teilweise unterschiedlichsten Positionen des konservativen Lagers hier aber das Mikrophon gegenseitig in die Hand: z.B. ein Videogrußwort des stv. Außenministers Zeev Elkin, Rabbi Chaim Drukman, der bekannte Bürgermeister Gershon Masika aus dem Shomron (Samaria) sowie die junge Knessetabgeordnete Tzipy Hotovely machten den Beginn vor dem vollbesetzten Saal, in dem sich auch einige illustre Gäste eingefunden hatten:

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Große Begeisterung erntete zwischendurch die israelische Musikgruppe mit Aaron Razel:

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Dann sprachen in kurzer Abfolge Ultrareligiöse, Hardcore-Nationalisten, teilweise rabiate Rabbis, Gemäßigte und Säkulare, aber alle mit dem Ziel der Abschaffung des gefährlichen und nachweislich erfolglosen Oslo-Wahnsinns, so u.a.: der in der Tat eher radikale Rabbi Dov Lior, der neue weibliche Superstar der Partei Bayit Yehudi, Ayelet Shaked, die US-Außenminister Kerry die Leviten gelesen hat, der rabiate frühere Rabbi Moshe Levinger von Hebron, der aber in 2007 einen Schlaganfall erlitten hatte, Daniela Weiss, Mitorganisatorin der Veranstaltung, Siedlerführer Benny Katzover sowie die im nationalen Camp als alte und neue Superstars gefeierten Arieh Eldad und Naftali Bennett, letzterer Minister und Parteichef der erfolgreichen Bayit Yehudi Partei:

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Die Hilltop Youth und andere unbeirrbare Siedlergruppen wurden hier auch für ihren Einsatz für die zionistische Sache geehrt:

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Video „Giant Nationalist Convention in Yerushalayim“ (Original engl.):

Video der Rede von Naftali Bennett nur in original Hebräisch: „Speech of Naftali Bennett at One State to One Nation Convention„.

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Einige Meter weiter im selben Veranstaltungszentrum feierten religiöse, aber eben nicht-zionistische Israelis hingegen eine luxuriöse Hochzeit, ohne sich weiter für die politische Großveranstaltung nebenan zu interessieren:

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Die teilweise radikalen Ansätze dieser „One State For One Nation“-Veranstaltung unter einen Hut zu bringen, sowohl innenpolitisch als auch erst recht außenpolitisch, dürfte nicht ganz ohne sein: auf einer Versammlung unter Gleichgesinnten zu sprechen ist die eine Sache, das Gesagte aber in einem eher kritisch bis offen feindselig gesinnten Umfeld umzusetzen, ist noch einmal ein anderes Spielfeld.
Besonders interessant ist, daß es in Israel diese neue Partei gibt, die keineswegs nur aus alten, zornigen Zionisten-Männern besteht, sondern mit einem deutlich national-rechtskonservativem Programm auch junge, moderne Leute in Scharen anzieht:

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Da kann man als Deutscher in der Tat neidisch werden. Beim Barte des Zionisten!