Arnulf Baring: Unbequeme Wahrheiten

Professor Arnulf Baring, der große konservative Publizist und Zeithistoriker, hat mit 81 Jahren seine Lebenserinnerungen (Der Unbequeme) veröffentlicht. Das Buch ist offenbar auch ein Kommentar zur und Kritik an der jüngeren deutschen Geschichte. Baring zeigt das Bild einer beschädigten Nation und mahnt die Deutschen zu mehr Selbstbewußtsein und weniger Ideologie. Für BILD, das selber wie die meisten anderen Qualitätszeitungen höchstens den Klappentext lesen kann, hat Baring die sieben wichtigsten Thesen seines Buchs zusammengefasst:

Deutschland muss die wirklich großen Probleme unserer Zeit anpacken:

• die dramatischen Folgen des Bevölkerungs-Schwunds
• die gewaltigen Probleme des Euro und hoher Schuldenberge
• eine durchdachte Energieversorgung
• die möglicherweise notwendige Rückkehr zur Wehrpflicht.“

Die Deutschen dürfen ihre Identität nicht länger allein aus den schrecklichen zwölf Jahren des Nationalsozialismus herleiten. Stattdessen sollten wir unsere Nation vor dem Hintergrund von 1200 Jahren Geschichte würdigen, die im Großen und Ganzen gelungen waren.

Zwei Millionen deutsche Frauen wurden von sowjetischen Soldaten nach dem Krieg geschändet. Sie wurden Opfer der größten Massenvergewaltigung in der Weltgeschichte und müssen endlich als Kriegsopfer anerkannt werden. Ich will als Deutscher auch über die eigenen Opfer trauern dürfen.

Die Seelenleiden des Weltkriegs sind für die Nachgeborenen nicht geringer als für die, die den Schrecken selbst erlebt haben. Die Jungen leiden nur anders. Diese Spätfolgen dürfen wir nicht länger ignorieren.

Deutschland ist heute in Europa genauso isoliert wie vor 100 Jahren – am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Von dem Wunschdenken, uns in der Europäischen Union aufzulösen, hätten wir uns längst verabschieden müssen. Außerhalb unserer Grenzen hat das kein anderes Volk je gewollt oder geglaubt.

Die Demokratie in Deutschland wird mehr und mehr ausgehöhlt! Unser Parlament ist zur Farce geworden. Nur wenn Meinungen aufeinanderprallen, kann sich der Bürger ein Urteil bilden. Doch bei uns sind Debatten unerwünscht, kontroverse Standpunkte werden bekämpft wie Verbrechen.

Der Sinn des Lebens ist es, Leben weiterzugeben! Im Rückblick auf mein Leben sind meine Kinder das größte Glück, das Wichtigste. Schade, dass Kinder in der öffentlichen Debatte nur noch als Last wahrgenommen werden.

Zitiert nach BILD, Hervorhebungen von PI. Arnulf Baring ist im Gegensatz zu anderen Publizisten ein Mann, der ernstgenommen werden muß. Ich lese gerade ein früheres Werk von ihm: Scheitert Deutschland. Erschienen 1997! Es ist geradezu prophetisch, was er darin zum Beispiel über den Euro schreibt, obwohl er von Hause aus kein Wirtschaftswissenschaftler ist. Seitenweise ist es genauso gekommen, wie er befürchtet hat. Wir empfehlen deshalb auch dieses Buch – ungelesen -, werden die Lektüre aber noch nachholen.