„Babo“: Jahres-Jugendwort der Blödgeneration

Jurymitglieder, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der deutschen Sprachkultur beschäftigen, haben den Kanak-Spitzenknaller „Babo“ an die diesjährige Spitze der Top-Fünf-Begriffe gewählt, wie der Langenscheidt-Verlag gestern bekannt gab. Im Internet hatten Jugendliche ihre Vorschläge eingereicht, am Ende entschied die Jury. „Babo“ bedeutet so viel wie Boss oder Anführer. Der Ausdruck erinnert an den türkischen Baba (Vater) und wird vor allem in kurdischen Gebieten der Türkei benutzt. Hierzulande bekannt gemacht hat den Begriff der deutsch-kurdische Rapper „Haftbefehl“ (Foto) aus Offenbach – mit seinem Lied „Chabos wissen, wer der Babo ist“ (Jungs wissen, wer der Boss ist).

(Von Verena B., Bonn)

Hinter Babo landeten „fame“ für toll oder berühmt, „gediegen“, was lässig oder cool meint, „in your face“, was so viel heißt wie „Dir hab‘ ich’s gegeben“ und „Hakuna Matata“, was gleichbedeutend ist mit „kein Problem“ oder „alles klar“.

Von der Wahl hält Jugendforscher Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München nicht viel. „Wenn Spaßformulierungen herausgehoben werden, als ob sie das Sprach- und Denkniveau der Jugend heute wären, verzerrt dies das Bild über die Jugend von heute“, sagte Gaiser. „Wir haben aber eine gut ausgebildete, weltoffene, sprachkompetente Jugend in Deutschland.“ Wenn „unter solchen komischen Labels“ der Eindruck erweckt werde, dass dies die Kommunikationsformen und die Themen seien, finde er das nicht angemessen. Auf diese Weise werde das Bild der Jugend ins Negative gezogen.

Mit der alljährlichen Wahl wirbt der Verlag auch für sein Lexikon „100 % Jugendsprache“. „Mit solchen Spielereien Aufmerksamkeit für Verlagsprodukte zu erzielen und Leserschaften zu binden, ist ein geschickter Marketing-Gag“, sagte Gaiser. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bezeichnete die Wahl hingegen als eine schöne Idee. Der Leiter der GfdS-Sprachberatung, Lutz Kuntzsch, sagte aber auch: „Das Ganze ist ein Sprachspiel. Ich würde daraus nicht ableiten, dass die Jugend tatsächlich so spricht.“ Dass das Wort nun in die Allgemeinsprache aufgenommen wird, glaubt er nicht.

Im Koreanischen bedeutet das Wort Babo übrigens etwas ganz anderes, nämlich nicht Vater oder Boss, sondern Dummkopf oder Narr. Und dass die Koreaner sehr viel schlauer sind als die Türken, dürfte allseits bekannt sein…