Experte: „Aus Syrien kommen nur christliche Flüchtlinge, Salafisten werden aussortiert!“

Als PI-Leser wissen wir von der schwindenden Bedeutung des Christentums im Nahen Osten. In diesem Zusammenhang lud der Theologische Gesprächskreis für Bundesbedienstete zusammen mit dem Katholischen Bildungswerk Bonn am 18. November 2013 zu einem Vortrag. Thema: „Die Lage der Christen im Vorderen Orient, vor allem in Syrien“. Referent war Professor Dr. Harald Suermann (Foto), ursprünglich im Ruhrgebiet beheimatet und unter anderem Direktor des Internationalen Katholischen Missionswerks in Aachen sowie außerplanmäßiger Professor an der Bonner Universität. Knapp 40 meist ältere Gäste füllten den Konferenzsaal, ausnahmslos Personen, die wie autochthone Deutsche aussahen.

(Von Werner P. und Verena B., Bonn)

Nach kurzer Vorstellung des Christentums aus islamischer Sicht (wir gelten als Schriftbesitzer und haben damit die Möglichkeit, im Dhimmistatus als Bürger zweiter Klasse zu überleben; Frauen sind untergeordnet; Apostasie hat gesellschaftliche Ächtung mit eventueller Todesstrafe zur Folge) wurden harte Zahlen genannt: Im Jahr 1900 betrug die Anzahl der Christen an der Gesamtbevölkerung ca. 20 Prozent. Heute sind es nur noch fünf bis sechs Prozent. Was ist da passiert? Und wie sollen wir darauf reagieren?

Verschiedene Prozesse haben hier zusammengewirkt. In der Türkei kam es im Jahr 1923 zum Bevölkerungsaustausch mit den Griechen, 50 Prozent der irakischen Christen haben nach dem Tod Saddam Husseins das Land verlassen, und derzeit sind viele Christen in Syrien auf der Flucht. Vor allem aber bekommen die Christen im Durchschnitt weniger Kinder als die Mohammedaner. Der Geburtendschihad funktioniert also auch dort. Derzeit gibt es ca. 13 Millionen Christen im Vorderen Orient, wobei die ägyptischen Kopten den Löwenanteil ausmachen (ca. acht Millionen, es könnten aber auch nur vier oder – unwahrscheinlich – sogar zwölf Millionen sein). Hunderttausende von Christen sind aus der UdSSR nach Israel eingewandert. Und während einige von ihnen ihre christliche Identität verheimlichten, um nicht eventuell ausgewiesen zu werden, dürfen die ca. zwei Millionen Christen (etwa von den Philippinen), die in Saudi-Arabien arbeiten, nur im Geheimen beten.

Zur Lage in Ägypten: Die Situation ist offen. Noch ist nicht klar, inwieweit die Scharia, die das Fundament der Verfassung bilden soll, das Land dominieren wird. Offenbar dürfen auch Christen (und die Salafisten!) Einfluss auf die Ausarbeitung der neuen Verfassung ausüben. Nur die Muslimbrüder stehen aus eigenem Entschluss abseits.

Zur Lage im Irak: Vertreibungen von Christen als auch von Sunniten und Schiiten sind aus einzelnen Regionen erfolgt. Entführungen waren an der Tagesordnung, insbesondere von Christen, die als relativ wohlhabend gelten und manchmal viel Lösegeld zahlen konnten, wobei den Christen die Klan-Struktur fehlt, um mit Gegenentführungen und Austausch der gekidnappten Personen die Kosten gering zu halten. Inzwischen soll das Zusammenleben erträglicher geworden sein, wobei aber kleinere Attentate noch immer an der Tagesordnung sind.

Zur Lage in Syrien: Der Ausgang des Krieges ist offen. Die meisten Christen favorisieren Assad. Die islamistischen Gruppen wollen an Friedensverhandlungen nicht teilnehmen. Die „gemäßigten“ fordern die Abdankung Assads vor Beginn der Verhandlungen.

Zur Lage im „wilden Kurdistan“: Hier geht es den Christen am besten. Wie unter Saddam und Assad dürfen sie im Nordirak Kirchen bauen. Es gibt sogar christliche Zeitungen. Auch in Syrien unterstützen Christen die Kurden im Osten des Landes. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Kurden in der Vergangenheit auch erbitterte Feinde der Christen waren. Es ist also nicht ausgemacht, wie lange die Verbindung hält.

Das große Problem: Die Angst. Ausnahmsweise mal nicht die der Deutschen! Die sitzt den Christen im Nahen Osten angesichts der schnell wechselnden politischen Rahmenbedingungen knüppeldick im Nacken. Viele hocken auf gepackten Koffern. Sollen wir sie wirklich nach Europa lassen? Oder sollten sie nicht besser dableiben, um den vollständigen Untergang des Christentums in seinen ältesten Verbreitungsgebieten zu verhindern? Dann brauchen sie aber unsere Hilfe. Wobei Suermann betonte, dass die Katholische Kirche versucht, allen zu helfen, ganz unabhängig von der Religion.

5000 bedrängte Syrer sollen in Deutschland Asyl finden. Aber was sind das für Flüchtlinge? Christen? Mohammedaner? Alewiten? Könnte es sich bei den einreisenden Mohammedanern nicht eventuell um trojanische Pferde der salafistischen Szene handeln? Diese sie aktuell brennend interessierende Frage stellte die PI-Reporterin dem verdutzten Professor. „Die werden aussortiert“, war die knappe Antwort. Mehr war dem Flüchtlingsexperten dazu nicht zu entlocken.

Und das war nicht der einzige Versuch, Probleme zu verharmlosen. „Zwing keinen zum Glauben“, zitierte Suermann aus dem Koran (2:257). Das Zitat ist zwar richtig, es handelt sich aber um einen vielfach abrogierten Vers, was der Professor nicht wahrhaben wollte. „Das hängt von Interpretationen ab“. Dass der Bevölkerungsaustausch zwischen Türken und Griechen vor allem auf Kosten der Griechen ging (die den Kampf einige Jahre nach dem 1. Weltkrieg verloren), wurde nicht erwähnt. Die Rechtlosigkeit des Dhimmistatus und der daraus resultierende Missbrauch (etwa bei Gerichtsverhandlungen, wo Aussagen von Christen nicht zählen), wurde nicht angesprochen. Die Furcht von sich fälschlicherweise als Juden ausgebenden russischen Christen in Israel, bei Aufdeckung eventuell des Landes verwiesen zu werden, wurde mit den rigiden Religionsvorschriften in Saudi-Arabien auf eine Stufe gestellt, und die immer weiter fortschreitende Islamisierung des Nahen Ostens wurde allein mit der Niederlage 1967 im Sechstagekrieg erklärt (die Araber waren nicht fromm genug – deshalb haben sie verloren und mussten frommer werden). In Wirklichkeit dürfte es sich hier aber um einen viel fundamentaleren Prozess handeln – nämlich um das langsame Erwachen aus einer durch westliche Überlegenheit zeitweilig entstandenen Lähmung zurück zu dem nach der Hedschra 1000 Jahre lang währenden Normalzustand, in dem die totale Vernichtung des Westens auf der islamischen Agenda stand und eine durchaus nicht unrealistisch wirkende Perspektive darstellte.

Grundsätzlicher Eindruck: Die Katholische Kirche ist der Evangelischen weit voraus. Dhimmiartige Anbiederung an den Islam ist nicht die Sache von Professor Suermann. Trotzdem: Der Eindruck bleibt, dass auch hier ein vermehrtes Lesen von PI-Artikeln dringend nötig ist, um die Katholische Kirche ein wenig näher an die islamische Realität heranzuführen. Entsprechende PI-Visitenkarten wurden zu diesem Zweck verteilt, ebenso Sabatina-Flyer, die gerne in Empfang genommen wurden. Professor Suermann wußte nicht, wer Sabatina James ist. Gut, dass die arme Sabatina das nicht weiß – und peinlich für den Herrn Professor!

Nach Beendigung der Veranstaltung machten sich einige Teilnehmer vor der Türe lautstark Luft. Aus naheliegenden Gründen möchten wir an dieser Stelle nicht näher auf die Kommentare eingehen…