Die Prophezeiungen des Jakob Augstein

Was täte bloß der Vorzeigelinke Jakob Augstein, wenn es die bösen Deutschen nicht gäbe? Er wäre arbeitslos und uns bliebe sein ewig schuldbesoffenes Gebrabbel erspart. Nun fabuliert er die finstere Zukunft herbei, weil wir aus der Geschichte nichts gelernt hätten. Bravo, Jakob Augstein, nur sattelst Du das falsche Pferd.

Wer nun denkt, Augstein gemahne uns an die offensichtlichen Parallelen zwischen „Mein Kampf“ und Koran samt Hadithen mit allen damit verbundenen Folgeerscheinungen in Europa, der irrt gewaltig:

Angela Merkel wirkt auf den ersten Blick nicht gerade wie eine Inkarnation von Wilhelm Zwo. Aber der Eindruck täuscht. Wie weiland der Kaiser spielt Merkel sogar das riskanteste Spiel von allen. Niemand hat durch den Euro so viel zu gewinnen und so viel zu verlieren wie die Deutschen, und dennoch hängt der Erfolg der deutschen Politik vom Eintritt eines absolut unwahrscheinlichen Ereignisses ab: dass nämlich die Südeuropäer plötzlich alle wie die Deutschen werden.

Bravo, Jakob Augstein, die Südeuropäer werden nie wie die Deutschen werden, denn dazu sind sie zu faul, zu korrupt, zu selbstvergessen und zu sehr von sich eingenommen.

Sicher, Merkel glaubt, in der europäischen Krise im Recht zu sein. Und die Mehrheit der Deutschen teilt dieses Gefühl. Aber dieses Gefühl, recht zu haben, löst gerade die schlimmsten Verheerungen aus. Jenes berückende „Augusterlebnis“ von 1914, das die Deutschen wie im Rausch in ihr eigenes Verderben taumeln ließ, war umso schöner, als ihm das tiefe Gefühl vorausgegangen war, im Recht zu sein.

Augstein verwechselt hier Soll und Haben, wie alle Linken es gerne tun, denn wir haben nicht nur einfach das Gefühl Recht zu haben, wir SIND im Recht. Das linke Prinzip Täter=Opfer wird hier perfekt bedient, denn trotz des Rechthabens sind wir schuld an der Krise der Südeuropäer, weil wir fordern. Wie können wir auch von denen verlangen, dass sie für das viele Geld, das sie per Rettungsschirm von uns bekommen, gewisse Gegenleistungen in Form von Umdenken erbringen?

Wer will, kann düster in das kommende Jahr blicken: Wie von einer unheimlichen Mechanik wird die Geschichte in die eigene Wiederholung getrieben. Und wir ahnen, dass wir nicht in Sicherheit sind.