Hitler-MussoliniDie Lage der Südtiroler unter dem Faschisten Ettore Tolomei blieb – wie im letzten Kapitel beschrieben – schlimm. Österreich bemühte sich, ab und zu politisch zu helfen, das Land war aber zu schwach, um bei Mussolini nennenswerte Erleichterungen zu erreichen. Umso mehr fiel den Südtirolern der Aufstieg der zweiten faschistischen Macht in Europa auf: Deutschland unter Hitler. Hier war eine Partei und ein Diktator, der viel von deutschem Volkstum redete. Konnte es nicht sein, daß vielleicht er eine Änderung der Grenzen befürwortete? Speziell beim Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich 1938 stieg die Hoffnung, von Italien loszukommen, steil nach oben.

In der Tat hatte es in der NSDAP immer wieder Stimmen gegeben, welche Südtirol bei Österreich oder Deutschland sahen. Hitler hatte aber aus unerklärlichen Gründen für Südtirol von Anfang an nie etwas übrig, und er lehnte ein diesbezügliches Engagement immer ab. Mussolini auf der anderen Seite war jahrelang ein Freund der Franzosen und Engländer gewesen. Erst ab 1936 wendete er sich Deutschland zu. Hitler hatte im Gegenzug die Gültigkeit der italienischen Grenze am Brenner nie bezweifelt. Und keine zwei Monate nach dem Anschluß Österreichs besuchte Hitler am 3. Mai 1938 Italien und bestätigte die Grenzen noch einmal feierlich. Eine Enttäuschung für Südtirol! Dafür rückte aber ein anderer Gedanke wieder nach vorn: die Umsiedlung der deutschen Südtiroler ins Reich. Am 23. Juni 1939 (endgültige Übereinkunft am 21.10.1939) einigten sich Italien und das Dritte Reich, die Südtirolfrage ein für allemal zu lösen, indem die Einwohner optieren konnten, ob sie nach Deutschland auswandern oder in Italien bleiben mochten. Bis zum Jahresende mußte man sich entscheiden; der Zweite Weltkrieg verlängerte dann aber die Fristen.

Diese schlimme „Option“, zwischen zwei faschistischen Staaten wählen zu müssen, führte zu viel bösem Blut und einer ganz tiefen Zerrissenheit im Land bis hinein in einzelne Familien und ist bis auf den heutigen Tag teilweise nicht vernarbt. Die „Optanten“, also die „Geher“, unterstützt vom Völkischen Kampfring Südtirol (VKS), wollten nicht länger italianisiert und drangsaliert werden, sondern deutsch bleiben, wobei auch Nazipropaganda verwendet wurde. Es gab zudem Gerüchte, daß die „Dableiber“ nach Süditalien zwangsumgesiedelt würden. Im Reich war Arbeit garantiert, in Italien Arbeitslosigkeit wahrscheinlich.

Die Nazis hatten auch Pläne, die Südtiroler geschlossen auf der Krim oder sonstwo im Osten anzusiedeln, so daß sie unter sich gewesen wären, was die Gegner wiederum als Hirngespinste abtaten. Südtirols katholisch-konservative Politiker wie etwa Michael Gamper, sprachen sich jedenfalls gegen die Option aus, rieten zum Bleiben und redeten davon, daß auch die “Dableiber” Deutsche sein könnten. Die meisten Einwohner trauten aber den Italienern nicht über den Weg. So wählten schließlich in der Provinz Bozen 85% von 250.000 Menschen die Auswanderung nach Deutschland. Die Zahl der Optanten war so hoch, daß die italienischen Faschisten eine Entvölkerung der Alpentäler befürchteten und bremsen wollten. Nachdem sie aber deshalb Werbung fürs Dableiben betrieben, wählten gleich noch mehr mißtrauische Südtiroler die Abreise. Hauptgrund der Geher dürften die Erfahrungen der letzten 20 Jahre gewesen sein.

optanten-südtirolWie erwähnt platzte diese große Umsiedlungsaktion mitten in den Zweiten Weltkrieg, wodurch alles durcheinander und ins Stocken geriet. Insgesamt sind nur um die 70.000 Menschen abgewandert, wovon gleich die Hälfte in Nordtirol, andere sonstwo auf  österreichischem Gebiet (Ostmark) Halt machten. Die Männer mußten natürlich für Deutschland in den Krieg.

Als Mussolini 1943 gestürzt wurde, kam die Operation ganz zum Erliegen. Die Deutschen besetzten Südtirol und behielten es unter Verwaltung, auch nachdem sie Mussolini wieder in den Sattel gehievt hatten und die Republik von Salò am nahen Gardasee gegründet worden war. Einige der oben erwähnten konservativ-katholischen Politiker (Andreas-Hofer-Bund), die für Dableiben gestimmt hatten, wurden verfolgt und sogar ins KZ gesteckt.

Ansonsten geriet Südtirol in den letzten Kriegsjahren von 1943 bis 1945 wegen der wichtigen Verkehrswege bald ins Visier der alliierten Bomber. Und die deutsche Seite zwang nun die männliche deutschsprachige Bevölkerung der Dagebliebenen ebenfalls in die Wehrmacht und Polizeiregimenter, die der SS angegliedert waren. Das Verhältnis zwischen Italienern und Deutschen in Südtirol blieb aber in diesen zwei letzten Kriegsjahren durchaus erträglich. Es bildeten sich sogar Widerstandsgruppen gegen die Naziherrschaft im Land. Von irgendwelchen Massakern oder Racheakten auf Südtiroler Boden vor und nach Kriegsende, von welcher Seite auch immer, liest man nichts. Nach dem Krieg kehrten über 20.000 der “Optanten” wieder zurück nach Südtirol, das aber nach wie vor zu Italien gehörte.

Bozen im KriegDas Foto zeigt Bozen im Krieg.

Bisherige Beiträge:

» Geschichte Südtirols 1 – Prolog
» Geschichte Südtirols 2 – Andreas Hofer
» Geschichte Südtirols 3 – Der Erste Weltkrieg, Kriegserklärung Italiens
» Geschichte Südtirols 4 – Gebirgskrieg 1915-1918 >
» Geschichte Südtirols 5 – faschistische Italianisierung durch Ettore Tolomei

(Der nächste Teil beginnt mit der Zeit nach 1945!)

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20 KOMMENTARE

  1. An PI,
    die vielen bewegten Animationen und die dadurch gestarteten PlugIn-Container bremsen meinen Rechner und die Startseite voellig aus.
    Bitte aendern.

  2. In Südtirol sind zu viele Südländer aus dem Süden angesiedelt worden!

    Darunter litt die Kultur Südtirols doch ganz erheblich! 😉

  3. Vollkommen richtig, die deutschen Südtiroler sind zum Opfer der Interessen des Deutschen Reiches unter der NS-Herrschaft und des faschistischen Italiens geworden. Dieses Kapitel zeigt sehr gut, wie Hitler das „Volkstum“ als Mittel für seine politischen Absichten mißbrauchte.

  4. #2 BSweig (01. Dez 2013 15:13)

    An PI,
    die vielen bewegten Animationen und die dadurch gestarteten PlugIn-Container bremsen meinen Rechner und die Startseite voellig aus.

    JavaScript DEAKTIVIEREN (in jedem Browser anders – meistens in den Einstellungen).
    Dann verschwindet dieser (und auch anderer) Schrott (viele Viren kommen auch mittels JavaScript.)

    Allerdings kann man dann keine Videos anschauen – dafür muss man JavaScript wieder aktivieren und die Seite neu laden.

  5. Italien hatte sich nach dem ersten Weltkrieg Südtirol als Kriegsbeute einverleibt, wogegen es verständlicherweise Widerstand gab.

    Dabei wurden von den Tirolern Bomben eingesetzt, die nun einmal gefährlich sind und eben auch Menschen töten können.

    Bombenterror macht nur Sinn, wenn er potenziell gefährlich ist.

    Wenn sich niemand fürchtet, hat man als Terrorist versagt.

    Wer solche Aktionen befürwortet, sollte auch zu ihnen stehen und sich nicht feige aus der Verantwortung stehlen:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2013/07/31/rechte-plappern-linke-lugen-nach/

    Terror zu predigen, aber nachher nicht zu den Folgen zu stehen, ist sonst eher eine linke italienische Spezialität.

  6. Wer als Leser an seine Saudoofe Zeitung (SZ) denkt, weiß: Er kriegt Ideologie satt. Was kriegt er, wenn er sie aufschlägt? Richtig: Ideologie. Aber vom Feinsten! So phantasieren diese Idioten dort, die sich „Redakteure“ nennen: „Eine Stadt wehrt sich“, und pusten ihre bettnässenden Antifa-Wunschträume ins Unendliche auf, behaupten gar frech, die „Stadt Innsbruck“ hätte denselben Gehirntotalschaden wie man selber:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/burschenschaftstreffen-in-innsbruck-eine-stadt-wehrt-sich-1.1832135

  7. Wenn jetzt die PI Leute welche die Islamisierung aufhalten wollten mit Kriegsrechtfertigungen kommen dann haben wir schon verloren.
    Das versteht doch kein Mensch der nicht tiefe Ahnung von der Materie hat.
    Wir kriegen den Stempel Nazi endgültig ab und das war es!!!
    Derzeit würde ich solche Themen unbedingt weglassen die stören nur.

  8. #10 James Cook   (01. Dez 2013 18:35)  
    Wenn jetzt die PI Leute welche die Islamisierung aufhalten wollten mit Kriegsrechtfertigungen kommen dann haben wir schon verloren.
    Das versteht doch kein Mensch der nicht tiefe Ahnung von der Materie hat.
    Wir kriegen den Stempel Nazi endgültig ab und das war es!!!
    Derzeit würde ich solche Themen unbedingt weglassen die stören nur.

    Ich finde die Serie über Südtirol sehr interessant – und den Stempel Nazi haben wir doch sowieso!

  9. #11 Mosigohome

    Alle die auf PI fleissig Kommentare schreiben sind doch sowieso schon erfasst und im digitalen Karteikasten des BND, Rubrik:“Rechts aussen“ abgelegt !

  10. Ich fand die Serie sehr interssant, vieles war mir bekannt auch aus Gesprächen mit Südtirolern, einiges neu.
    Zur Option
    Die Geschichte wäre wahrscheinlich anders gelaufen und es hätte in Europa eine weitere Front gegeben wenn in Italien ab 1924 nicht die faschistische Mussolini Diktatur geherrscht hätte sondern eine bürgerliche demokratische Regierung wie in GB, Skandinavien oder anderen Ländern Nordwesteuropas oder gar eine linke Regierung wie im Frankreich der 30er Jahre oder in Spanien bis 1937 dann hätte Hitler vieleicht seine „Liebe“ zu den Südtirolern entdecktund Nazideutschland hätte vieleicht 1938 den Brenner überrannt. Aber Hitler war fast obsessiv von anderen Dingen getrieben nämlich an der Eroberung von „Lebensraum“ im Osten natürlich nur vordergründig es ging um die Rohstoffe, die Süddtirol nicht hat!! und sein absurder Hass überall in Europa die Juden auszurotten. An das Volkstum wofür er gewählt woirden war hatte er eigentlich kein Intersses, die Menschen waren ihm immer egal.

  11. @ James Cook

    Dem Artikel kann ich keine deutsche „Kriegsrechtfertigung“ entnehmen. Oder ist für sie das Thema Südtirol generell zu „nazi“? Die Themen bestimmen immer noch wir, nicht der politische Gegner.

  12. #7 raymond a

    Du solltest nicht immer denselben Quatsch loslassen. Nach dem 1 Weltkrieg gab es in Südtirol keine Bomben!

    #10 James Cook

    Wenn du hier Kriegsrechtfertigungen liest, bist du ein Analphabet!

    Erbärmlich, was manchen hier so einfällt!

  13. Ich kenne, bzw. kannte einige Südtiroler, die durchaus freiwillig in Wehrmacht und einer anderen, heute verpönten Organisation Dienst taten. Darin unterschieden sie sich in nichts von den Österreichern, denen man während des Krieges keinerlei Unterschied zum „Reichsdeutschen“ anmerkte. Auch wenn´s nachher natürlich anders dargestellt wird. Hitler ist ja auch der berühmteste „Deutsche“ und der Deutsche Mozart der berühmteste „Österreicher“.
    Jedenfalls kann man bei anderem Kriegsverlauf davon ausgehen, dass die „Südtirolfrage“ im Sinne von „Heim ins Reich“ gelöst worden wäre.
    Einen seiner wenigen Verbündeten dadurch zu eliminieren, indem man ihm frühzeitig die unrechtmässige Kriegsbeute Südtirol entreisst, so dumm war auch Hitler nicht.
    Der eigentlich Skandal ist, dass dieses Unrecht heute noch anhält, in diesem „tollen“ Europa.

  14. Kleine Ergänzung zu „Ich kenne, bzw. kannte einige Südtiroler, die durchaus freiwillig in Wehrmacht und einer anderen, heute verpönten Organisation Dienst taten …“:

    Dies taten sie weniger aus Freude am Netionalsozialismus, sondern in der Hoffnung, bei Obsiegen ihre italienischen Quälgeister loszuwerden.

    Damit hier kein falsches Bild entsteht.

    Vivat Südtirol!

  15. @#10 James Cook

    Das Problem ist, dass man die Symptome nicht los wird, ohne die Ursachen zu bekämpfen. Darum ist es richtig, dass sich Kewil des 1914er ff „Schuldkults“ annimmt. Nur eine selbstbewusste Nation, wird sich aus dem bestehenden Euro- und Multikulti-Schlammassel wieder befreien können.

    Der Umgang der Systemparteien mit der „Freiheit“ hat auch bewiesen, dass es vom Establishment keine Dividende für Anstrengungen gibt, alles und jeden und zu jeder Zeit auf Verfassungskonformität zu überprüfen. Die Internationalsozialisten dulden einfach keine Konkurrenz an den Fresströgen der Macht…

  16. Die Nazis hatten auch Pläne, die Südtiroler geschlossen auf der Krim oder sonstwo im Osten anzusiedeln, so daß sie unter sich gewesen wären, was die Gegner wiederum als Hirngespinste abtaten.
    Die Krim war eigentlich schon beschlossen. Eine spezielle SS-Truppe wurde vorab auch in den Kaukasus geschickt, um die dortigen Bedingungen zu erkunden. Als Deckmäntelchen diente die Besteigung des Elbrus. Um in den neuen Siedlungsgebieten das angestammte Volkstum zu bewahren, wurden in Südtirol Filme über Brauchtum, Trachten etc. gedreht.
    Für den Kaukasus gab es auch Pläne zur Umsiedlung der Vorarlberger Bevölkerung, das „Ländle“ selbst sollte als Erholungsgebiet für die SS deklariert werden.

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