Bonn: Empörung über Flüchtlingsunterbringung

BonnFlüchtlingeDer Bonner Stadtrat begrüßt bekanntlich die Aufnahme von möglichst vielen syrischen Flüchtlingen in der reichen, kurz vor dem Nothaushalt stehenden, bunten und toleranten Bundesstadt Bonn (PI berichtete). Sie sollten eigentlich schon im vergangen Jahr kommen, aber noch ist nicht geklärt, wohin mit ihnen. Die Stadt sucht fieberhaft nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten. Denn bis Ende 2014 werden, zusätzlich zu den bereits in Bonn lebenden rund 450 Flüchtlingen aus 30 Nationen, in den städtischen Notunterkünften und in privaten Wohnungen und Hotels insgesamt rund 800 Übergangsplätze gesucht.

(Von Verena B., Bonn)

Übergangsplätze? Anmerkung am Rande: Ulrich Kelber, MdB aus Bonn und seit Dezember 2013 Parlamentarischer Staatssekretär, verlieh auf einer Veranstaltung am 17. September 2013 in Bonn seiner Überzeugung Ausdruck, dass die syrischen Flüchtlinge – auch wenn die Sicherheit in Syrien wieder gewährleistet sein sollte – dauerhaft in Bonn bleiben werden! Deshalb müsse man für ihre Eingliederung Sorge tragen, da sie als künftige Fachkräfte unverzichtbar seien.

Schon im Mai stehen also die ersten Flüchtlinge dieses Jahres erwartungsvoll vor den Toren Bonns. Alle Bürger begrüßen herzlich ihre Aufnahme, selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass die Unterkünfte in anderen Stadtteilen als dem ihren liegen. Das sagen natürlich nicht alle Bürger mit lauter Stimme, einige aber doch.

Um Kapazitäten für 420 Personen zu schaffen, will die Stadt ab 1. Mai zwei Bürohäuser in der Rochusstraße 65 in Duisdorf und der Reuterstraße 122 in Kessenich anmieten und zu Übergangswohnheimen umbauen. Die Mietzeit soll für beide Objekte zehn Jahre betragen. Das Anmieten der beiden Bürohäuser kostet die Stadt pro Jahr 1,5 Millionen Euro, inklusive Betriebskosten, Energie, Instandhaltung und Zinsen. Pro Flüchtlingsplatz wären das 3.600 Euro. Darin eingeschlossen sind noch keine Personalkosten für Betreuer und Sozialarbeiter (und die Behandlung eventuell hier unbekannter Krankheiten und Seuchen). Würde man weitere 80 Plätze in Wohncontainern an der Gerhart-Hauptmann-Straße schaffen, schlüge das mit weiteren zwei Millionen Euro zu Buche. Für 112 Personen sind derzeit in Hotels Zimmer angemietet, was im vorigen Jahr laut Stadt 183.000 Euro kostete. Für die ersten vier Monate 2014 wird bereits mit Hotelkosten von 413.000 Euro gerechnet. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten bieten nach wie vor die Gallwitz-Kaserne in Duisdorf und die Ermekeilkaserne in der Südstadt, wo viele gute, linke Menschen und Politiker wohnen.

Der Garten von Volker Dick und seiner Familie grenzt an das Grundstück der Rochusstraße 65. Hier arbeitet er gerne oder legt sich auf die grüne Wiese. Jetzt aber hat Dick Angst, dass es mit dieser Feierabendidylle bald vorbei sein könnte, wenn dort 225 Flüchtlinge über seinen Gartenzaun schauen. Seine Nachbarin Gabriele Hahn und er wollen gegen diese Pläne vorgehen. „Wenn die Baugenehmigung kommt, klage ich“, sagt Dick.

Die beiden Anwohner meinen, dass ein Flüchtlingsheim dieser Größe nicht in das Wohngebiet passt. Und auch wenn es nicht viele gebe, die ihr Anliegen offen unterstützen, von mehreren Seiten sei ihnen finanzielle Unterstützung zugesagt worden, wenn sie klagen. Die gesamte Nachbarschaft sei sehr sozial eingestellt, und „wenn die Flüchtlingsgruppe kleiner wäre, vielleicht bis zu 50 Personen, dann hätte auch keiner was dagegen, die könnten wir integrieren“, meint Gabriele Hahn. „Aber 225 Flüchtlinge direkt jenseits des Zauns, Menschen, die zusammengepfercht werden und ihrem Ärger draußen Luft machen werden, das geht nicht“, meint Hahn.

Die Stadtoberen prüfen und prüfen und kommen gehörig ins Schwitzen, denn darüber hinaus fehlen in der Stadt Bonn nach aktuellen Schätzungen rund 5.000 Mietwohnungen für sozial schwache Nichtflüchtlinge.

33.800 Bonner leben bereits jetzt an der Armutsgrenze. Hierzu zählen Hartz-IV-Empfänger, Transferhilfe-Empfänger, Empfänger von Grundsicherung im Alter sowie Asylbewerber. Die Zahl der Betroffenen steigt. Verbände schlagen Alarm!

Lauschen wir Beethovens Neunter und vergessen unser Sorgen, der Herr wird es schon alles irgendwie richten!