Bonner Bombe: Anklage erhoben

15 Monate nach dem gescheiterten Bombenattentat im Bonner Hauptbahnhof und dem versuchten Mordanschlag auf PRO-NRW-Chef Markus Beisicht erhebt die Bundesanwaltschaft jetzt Anklage gegen vier Männer aus der Islamistenszene.

Der Bonner General-Anzeiger berichtet:

Es waren wohl die Mohammed-Karikaturen der rechtspopulistischen Partei Pro NRW, die diese im Landtagswahlkampf 2012 verwendete und die die vier Männer, mutmaßlich radikale Islamisten, als derart anstößig empfanden, dass in ihnen der Entschluss reifte: Diese Provokation verlangt eine gewaltsame Reaktion. Und zwar in Gestalt von Terroranschlägen. Einer von ihnen, der 26 Jahre alte Marco G. aus Tannenbusch, schritt als Erster zur Tat, baute eine Rohrbombe und deponierte diese am 10. Dezember 2012 in einer blauen Tasche auf Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst viele Menschen zu töten, sagte gestern Harald Range.

Der Generalbundesanwalt hat Terroranklage gegen die vier Islamisten aus Nordrhein-Westfalen erhoben. Dabei geht es nicht nur um den letztlich gescheiterten Bombenanschlag, sondern auch um das versuchte Attentat auf den Vorsitzenden von Pro NRW, Markus Beisicht, im März 2013. Mit dem Mordversuch taten die vier den nächsten Schritt. Range zufolge besorgten sie sich zwei Schusswaffen, Schalldämpfer und Sprengstoff. Spätestens am 11. März entschieden sich die Angeschuldigten, den 50 Jahre alten Rechtsanwalt und Familienvater von zwei Töchtern im Alter von zehn und 14 Jahren am frühen Morgen des 13. März zu erschießen. Doch die Anschlagspläne flogen im letzten Augenblick auf, weil Ermittler das Auto von Marco G. verwanzt und mitgehört hatten, als G. und Enea B. (43) das Wohnungsumfeld von Beisicht in Leverkusen auskundschafteten. Kurz darauf griff die Polizei zu und verhaftete die beiden. Ebenfalls ins Netz der Fahnder gingen Tayfun S. (24) und Koray D. (25). Letzterer hielt sich gerade in G.s Tannenbuscher Wohnung auf.

Nicht zuletzt beeinflusst haben dürfte die vier mutmaßlichen Terroristen eine Audiobotschaft der „Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU)“ mit dem Titel „Tod der Pro NRW“. Dahinter stecken ebenfalls zwei aus Bonn stammende Islamisten, die Brüder Chouka, die sich vor einigen Jahren der IBU im Nordwesten Pakistans anschlossen. Auch bei anderen Gelegenheiten war die IBU in jüngster Zeit in Bonn aufgefallen: So galt der am 17. September auf dem Bonner Stiftsplatz festgenommene – und mittlerweile zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte – Mohammed Salim A. (21) ebenso als Helfer der IBU wie der 28-jährige Ahmed K., den die Polizei am 13. April 2012 auf dem Köln/Bonner Flughafen festgenommen hatte. Er, übrigens ein Schwager der Chouka-Brüder, muss sich seit geraumer Zeit vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten.

Vor dessen Staatsschutzsenat wird demnächst auch der Prozess gegen Marco G. und seine mutmaßlichen Mittäter eröffnet werden. Wie Harald Range am Freitag erwähnte, wurden den Düsseldorfer Richtern 350 Aktenbände vorgelegt. Dass der Generalbundesanwalt nun im Wege einer Presseerklärung zum Verfahren Stellung nahm, während der Verteidigung ebenfalls erst am Freitag die Anklageschrift zugestellt wurde, quittierten die Anwälte von Marco G. mit Kritik an der Karlsruher Behörde: „Dass die Öffentlichkeit vor meinem Mandaten Kenntnis von den Anklagepunkten erlangt, halte ich für schlechten Stil, da es einer medialen Vorverurteilung Vorschub leistet“, sagte der Bonner Strafverteidiger Peter Krieger gestern dem General-Anzeiger.

Der Generalbundesanwalt indes ist überzeugt: „Wir haben es hier mit einer inländischen terroristischen Vereinigung zu tun. Die Männer haben sich unter dem Einfluss militant-islamischer Propaganda radikalisiert“, sagte Harald Range und unterstrich die Gefahr, die von militant-religiöser Propaganda indirekt für die Öffentlichkeit ausgehe.

Sollte Marco G. schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Den weiteren Beschuldigten drohen wegen der ihnen vorgeworfenen Taten Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren.

Da sind wir mal gespannt, wie „kultursensibel“ das Urteil ausfällt…