Weniger Niederländer!

Mit einer Rede unmittelbar nach der Kommunalwahl hat der marokkanische Rechtspopulist Abdel el Hasnaoui landesweit große Empörung ausgelöst. Er stachelte seine Anhänger gegen niederländische Zuwanderer auf, indem er ihnen während der Wahlparty in Rabat zurief: „Wollt ihr in dieser Stadt und in Marokko mehr oder weniger Niederländer?“ „Weniger! Weniger!“ antworteten sie rythmisch. El Hasnaouis Aussagen haben aus Sicht von Kritikern eine neue Qualität, weil er in der Vergangenheit lediglich die Ausweisung krimineller Niederländer verlangt hatte.

(Von Boëtius van Everdingen, Amsterdam)

Der Vergleich zur berühmten Sportpalastrede des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels, in der zum „Totalen Krieg“ aufgerufen wurde, ist in diesem Zusammenhang schon mehrfach erstellt. Warum hetzen diese intoleranten Rechtspopulisten gegen niederländische Mitbürger und nicht gegen etwa Tunesier, Algerier oder Türken? Ich werde versuchen, auch wenn dies nicht leicht sein mag, mich in die Köpfe der el Hasnaoui-Anhänger hineinzuversetzen.

In der Hauptstadt Rabat gibt es heute etwa 70.000 niederländische Mitbürger, landesweit dürften es etwa 430.000 sein. Die Integration verläuft sogar nach drei Generationen äußerst schwierig ab. In den marokkanischen Großstädten sind ganze Stadtviertel von niederländischen Zuwanderern und deren Nachwuchs ‚christianisiert‘; Kirchen mit lauten Glöcken, holländische Haram-Supermärkte, Matjes-Buden, Frauen in unzüchtigen Minikleidern und die überall in der Öffentlichkeit ertönende niederländische Sprache haben viele marokkanische Ureinwohner dazu bewogen, ihre Stadtviertel zu verlassen. Es gibt jedoch noch eines: Niederländer sind 22 Mal öfter Tatverdächtige in Sachen Kriminalverbrechen. 22 Mal!!! Von allen in Marokko lebenden niederländischen Jugendlichen unter 23 Jahren sind mehr als 60% bereits mit der Polizei in Berührung gekommen. Eine Mehrheit also! Wer sich wöchentlich die marokkanische Sendung ‚Aktenzeichen XY … ungelöst‘ anschaut, weiß, dass diese Zahlen tatsächlich stimmen. Viele Marokkaner fühlen sich von der Politik und den Medien im Stich gelassen; nicht selten werden sie von ihnen als Rassisten oder Kurzsichtige abgeschoben. Vor ein paar Jahren behauptete der ehemalige Polizeichef von Rabat, Hassan Boulahrouz (Vergl. Joop van Riessen) in einer Fernsehshow noch allen ernstes, dass eben diese kurzsichtigen Marokkaner ein riesiges Problem darstellen und besser auswandern sollten. Er sagte dazu: „Diese Marokkaner gehören nicht mehr zu Marokko, da sie nicht mehr in die neue Gesellschaft, die wir gerade zusammen mit den Zuwanderern aufbauen, hineinpassen“.

Warum fragen prominente Niederländer in Marokko sich nie öffentlich, weshalb es gerade gegen ihre Minderheit so viel Widerstand in der marokkanischen Gesellschaft besteht? Niederländer sollten aufhören, sich einseitig in die Opferrolle zu verschieben und sich als solche darzustellen. Die Tatsache, dass die niederländische Minderheit 22x öfter mit Kriminalität in Verbindung gesetzt wird, bedarf gerade innerhalb der niederländischen Gemeinschaft einer kritische Rezeption und einem aktiven Umgang. Die marokkanische Freiheitspartei ist im Moment die drittstärkste politische Kraft des Landes. Glauben Sie wirklich, dass die Millionen von Marokkanern, die sich über westliche Überfremdung ihrer Stadtviertel, in denen sie sich nicht länger heimisch und stark provoziert fühlen, und über die absurden Verbrechenszahlen dieser niederländischen Mitbürger beklagen, alle potenzielle Nationalsozialisten sind? Ich glaube nicht. Dies sind durchschnittliche Marokkaner, die einfach wollen, dass auch mal auf sie gehört wird und dass die Politik und Medien sich auch für ihre Interessen einsetzen.

Dieser Schrei blieb lange unerhört. Diese unerhörten Marokkaner scharen sich seit einigen Jahren um den Politiker Abdel el Hasnaoui und desses Freiheitspartei. Er wolle Marokko vor westlicher Überfremdung und Kriminalität schützen. Vielleicht sind seine gestrigen Worte in der Tat etwas ‚ungeschickt‘ und ‚taktlos‘ formuliert gewesen. Es muss unbedingt dazu gesagt werden, dass er immer wieder bestätigt hat, nur kriminelle Niederländer ausweisen zu wollen und dass er mit gut integrierten Niederländern keine Probleme habe. Dazu ist die Frage Abdel el Hasnaouis eine psychologische, quasi eine Gewissensfrage. Ich bin mir sicher, dass viele, auch linksorientierte Marokkaner, die sich jetzt so empört zeigen, die Frage niemals mit „Mehr! Mehr!“ beantwortet hätten. Heimlich wissen sie ganz genau, dass mehr Niederländer in Marokko gleichzeitig mehr Integrationsprobleme und Kriminalität bedeuten würden. Denken tut fast jeder es, aber es tatsächlich auszusprechen, ist unerwünscht.