Versailler Diktat 3: Auslieferung des Kaisers

wilhelm-victoriaDer erste Weltkrieg war kein Kampf der Demokratie gegen die Autokratie… Der Weltkrieg war ein Kampf um die Weltmachtstellung des Deutschen Reiches… (Veit Valentin, jüdischer Historiker, 1933 aus Deutschland vertrieben). Wir wissen heute wieder, daß Berlin am wenigsten schuld am Ausbruch des Krieges hatte. Die Alliierten wollten Deutschland von der Weltkarte weghaben. Aber das Versailler Schanddiktat von 1919 ließ keinen demütigenden Aspekt aus und wollte den Kaiser vor einem Sondergericht am liebsten zum Tode verurteilt sehen. Siegerjustiz:

Artikel 227.

Die alliierten und assoziierten Mächte stellen Wilhelm II. von Hohenzollern, vormaligen Kaiser von Deutschland, wegen schwerer Verletzung des internationalen Sittengesetzes und der Heiligkeit der Verträge unter öffentliche Anklage.
Ein besonderer Gerichtshof wird eingerichtet, um über den Angeklagten unter Wahrung der wesentlichen Bürgschaften des Rechts auf Verteidigung zu Gericht zu sitzen. Der Gerichtshof besteht aus fünf Richtern, von denen je einer von folgenden fünf Mächten, namentlich den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan, ernannt wird.
Der Gerichtshof urteilt auf der Grundlage der erhabensten Grundsätze der internationalen Politik; Richtschnur ist für ihn, den feierlichen Verpflichtungen und internationalen Verbindlichkeiten ebenso wie dem internationalen Sittengesetze Achtung zu verschaffen. [Hahaha!] Es steht ihm zu, die Strafe zu bestimmen, deren Verhängung er für angemessen erachtet.
Die alliierten und assoziierten Mächte werden an die Regierung der Niederlande das Ersuchen richten, den vormaligen Kaiser zum Zwecke seiner Aburteilung auszuliefern.

Schon 1919/20 wurde an die niederländische Regierung tatsächlich das Ersuchen gestellt, den Kaiser auszuliefern. Die niederländische Königin lehnte, wohl mit klammheimlicher Komplizenschaft der Briten, ab, und Kaiser Wilhelm erhielt danach lebenslanges Asyl in Holland. Aber der Kaiser allein genügte natürlich nicht:

Artikel 228.

Die deutsche Regierung räumt den alliierten und assoziierten Mächten die Befugnis ein, die wegen eines Verstoßes gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges angeklagten Personen vor ihre Militärgerichte zu ziehen. Werden sie schuldig befunden, so finden die gesetzlichen Strafen auf sie Anwendung. Diese Bestimmung greift ohne Rücksicht auf ein etwaiges Verfahren oder eine etwaige Verfolgung vor einem Gerichte Deutschlands oder seiner Verbündeten Platz.
Die deutsche Regierung hat den alliierten und assoziierten Mächten oder derjenigen Macht von ihnen, die einen entsprechenden Antrag stellt, alle Personen auszuliefern, die ihr auf Grund der Anklage, sich gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges vergangen zu haben, sei es namentlich, sei es nach ihrem Dienstgrade oder nach der ihnen von den deutschen Behörden übertragenen Dienststellung oder sonstigen Verwendung bezeichnet werden.

Auch hier wurde 1920 eine Liste mit 895 „Kriegsverbrechern“ aus ursprünglich 20.000 an uns überreicht, die ausgeliefert werden sollten. Es war der erste Paragraph des Versailler Diktats, der nicht ausgeführt wurde. Die Berliner Regierung ignorierte das Ersuchen. Auf der Liste waren Hindenburg, Tirpitz, Bethmann-Hollweg, Mackensen, Falkenhayn, Ludendorff und die Söhne des Kaisers zum Beispiel. Keine Regierung hätte eine Auslieferung ans Ausland wagen können.

Auf weiteres, vor allem französisches Drängen sagte Berlin zu, Prozesse hier zu führen, und es kamen 12 Fälle – alles niedere Ränge – ans Reichsgericht in Leipzig. Die meisten wurden freigesprochen, und die paar Verurteilten ließ man schnell laufen. Alles versandete, hatte aber einen Einfluß auf Nürnberg 25 Jahre später! Natürlich gab es weder nach dem Ersten noch nach dem Zweiten Weltkrieg auch nur einen einzigen allierten Kriegsverbrecher. Dort waren alle brav gewesen!

Hier die vorangegangenen Paragraphen:

» Versailler Diktat 1: Schafböcke und Zuchthengste
» Versailler Diktat 2: Übergabe der Überseekabel

(Das Foto oben zeigt den Kriegsverbrecher Wilhelm 1862 auf dem Schoß seiner Großmutter, der englischen Königin Victoria. Die Reihe wird fortgesetzt)