Windecker Schüler in Kamerun überfallen

Seit mehr als 20 Jahren beteiligt sich das Bodelschwingh-Gymnasium Windeck-Herchen am „Partnership Work Projekt“ nahe der südlichen Grenze zu Nigeria. Gedankt wurde es dem Initiator und Organisator Wilhelm Neef (auf dem Foto vorne links bei einem Projekt im Jahr 2010) und den Schülern nicht: Der diesjährige Einsatz konnte nicht beendet werden, weil zwei Männer in der Nacht zum 17. April mit einer Kalaschnikow bewaffnet in das Schulgebäude eindrangen und die 17.000 Euro stahlen, die für das Projekt vorgesehen waren. Ob das Projekt nun weiter durchgeführt werden kann, ist fraglich. Über den politisch unkorrekten Vorfall wird die Öffentlichkeit, wenn auch mit zweiwöchiger Verspätung, immerhin informiert. Vielleicht sollte der nach Kamerun Reisende nicht so viel Geld mit sich führen, denn das könnte Begehrlichkeiten bei der armen, einheimischen Bevölkerung wecken.

Der General-Anzeiger berichtet:

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf den 17. April während einer Reise im Rahmen des Projekts Partnership Work Project (PSWP) in dem tropischen Regenwald bei Mamfe nahe der südlichen Grenze zu Nigeria. Ob das seit mehr als 20 Jahren bestehende Projekt weiter durchgeführt werden kann, sei fraglich, sagte Initiator und Organisator Wilhelm Neef dem General-Anzeiger gestern.

Er unterrichtet seit 22 Jahren Mathematik und Physik am BGH. Alle zwei Jahre fährt er mit einer Gruppe von Lehrern und Schülern der Stufen 10 und 11 nach Kamerun, um dort gemeinsam mit Partnern der Presbyterian High School Besongabang (PHS) auf dem Schulgelände zu arbeiten.

Das taten sie auch in diesem Jahr. Geplant war ein rund vierwöchiger Aufenthalt, bei dem unter anderem an einem Internatshaus, einem unterirdischen Wasserspeicher und einer Photovoltaikanlage gearbeitet wurde. Diese Projekte konnten nicht beendet werden, weil das dafür vorgesehene Geld gestohlen wurde. Dieses Mal hatten die Schüler aus Deutschland und Kamerun außerdem gemeinsam ein Musical einstudiert, das zum Abschluss der Reise aufgeführt werden sollte. Dass diese nun vorzeitig abgebrochen werden musste, bezeichnet Neef als „besonders bitter und tränenreich“.

Wie Neef berichtet, hatten die zwei Männer zunächst eine Hintertür des Hauses aufgebrochen, in dem die Mädchen übernachteten. Einer der beiden sei mit einer Kalaschnikow bewaffnet gewesen, der andere habe sich eine Machete, die ein Schüler vor Ort gekauft hatte, genommen. Die Männer nötigten eine der Schülerinnen, sie zu Neefs Zimmer zu führen. Dort wurde das gesamte Bargeld der Gruppe aufbewahrt.

Als die Täter vor seiner Tür gestanden hätten, sei er dem Bewaffneten, der sein Gewehr auf den Boden und nicht auf einen der Anwesenden gerichtet habe, zunächst entgegengetreten und habe ihn wieder aus dem Haus gedrängt, berichtet Neef. „Dann hat mir der andere, deutlich größere Mann aber mit der flachen Seite der Machete auf die Schulter geschlagen.“ Der Lehrer gab den Räubern zunächst 1,5 Millionen CFA-Franc (umgerechnet 2000 Euro).

Der größere habe ihn dann gezwungen, im Zimmer die Geldkassetten zu öffnen und das gesamte Geld herauszugeben. Durch den Verkauf eines Lieferwagens, den die Gruppe aus Deutschland hatte einschiffen lassen, war zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich viel Geld im Haus. Die Männer nahmen auch mehrere elektronische Geräte mit. Verletzt wurde niemand.

Wilhelm Neef hält es für sehr unwahrscheinlich, dass die kamerunischen Partner der Windecker etwas mit dem Überfall zu tun haben, etwa den Täter Tipps gegeben haben könnten. „Dass wir hier waren, war in der Region auch über die Schule hinaus durch Radioreklamen bekannt, außerdem sind wir in zwei Gottesdiensten vorgestellt worden“, sagte Neef.

Die Täter seien ihm vorgekommen wie Soldaten und hätten Französisch miteinander gesprochen, während die Kameruner, mit denen das Gymnasium zusammenarbeite, englischsprachig seien. Am Morgen nach dem Raub seien viele Menschen aus dem Dorf und von der Schule vorbeigekommen und hätten sich entsetzt und enttäuscht über die Tat gezeigt.
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Lehrer Neef folgt sodann am ersten Schultag nach den Osterferien, wo Schüler, Lehrer und Eltern über den Vorfall unterrichtet wurden, der staatlich vorgeschriebenen Order, das Geschehene „sehr differenziert“ zu betrachten, um keine Ängste vor gewalttätigen, schwarzen Männern zu schüren. Abgesehen von Einschlafstörungen, die die bedrohte Schülerin nunmehr hat, habe sie seiner Einschätzung nach auch kein Trauma erlitten. „Wir dürfen über diesen einen Zwischenfall nicht die vielen positiven Erfahrungen, die wir gemacht haben, vergessen.“

Der Lehrer, der unerschütterlich an das Gute im Menschen glaubt, wird natürlich auch weiterhin unbeirrt nach Kamerun reisen. Doch ob er in Zukunft seine Schüler dorthin mitnehmen kann, ist unsicher: „Ich möchte im Bewusstsein hinfahren, dass ich alle wieder heil zurückbringe.“ Das wird ihm leider niemand garantieren können. Aber so lange er oder seine Schüler nicht entführt oder gar ermordet werden, sollte man die Dinge nicht so schwarz sehen. Schließlich wurde im vorliegenden Fall ja nur Geld gestohlen, das man beim Steuerzahler problemlos nochmal abkassieren kann.

In Goethes „Faust“ sagt Mephisto: „Ich bin der Geist, der stets das Gute will und stets das Böse schafft.“ Daraus wurde volkstümlich: „Tue nichts Gutes, dann widerfährt dir auch nichts Böses.“ Diese Ansicht teilen wir natürlich nicht, denn der Mensch soll stets edel, hilfreich und gut sein! (VB)