Kauder ruft zu Talkshow-Boykott gegen AfD auf

Seit der Europawahl überbietet sich unsere etablierte Politiker-Kaste darin, „klare Kante“ gegen die AfD zu zeigen. Die Hysterie erinnert etwas an die McCarthy-Ära der 50er Jahre, als jeder Bürger in den USA misstrauisch beäugt wurde, ob er nicht Kommunist sei. Nun ist an diese Stelle „Kommunist“ die Bezeichnung „rechts“ getreten, frei übersetzt etwa „ganz, ganz böse“ oder „Nazi“.

(Von rotgold)

Eine Begründung, warum die AfD in der extremistischen Ecke verortet wird, gibt es nicht. Einmal abgesehen von dem Blödsinn von Claudia Roth, dass die AfD böse sei, weil sie wie die NPD (und Kanzlerin Merkel: „Die EU ist keine Sozialunion“) Deutschland nicht als Weltsozialamt sieht. Wer so plump argumentiert, sollte sich selbst erstmal kritisch hinterfragen. Siehe auch: Die Grünen und die Nazis – eine Liebesgeschichte.

Den Vogel in der Hatz gegen die AfD schoss aber Unions-Fraktionschef Volker Kauder ab. In einem WELT-Interview sagte er heute:

Die Welt: Welchen Umgang mit der AfD empfehlen Sie?

Kauder: Ich war Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, als Mitte der Neunzigerjahre die Republikaner in den Landtag eingezogen sind. Ich habe damals großen Wert darauf gelegt, sie in keiner Weise aufzuwerten. Als Union haben wir den Bürgern unsere Politik vermittelt und uns nicht mit den Republikanern abgegeben. Es war ein langer Weg, aber nach zwei Legislaturperioden waren die Republikaner wieder aus dem Landtag verschwunden. Diese Strategie empfehle ich auch im Umgang mit der AfD.

Die Welt: Als Sie diese Erfahrung machten, gab es noch nicht so viele Talkshows. Man wird Sie einladen, mit AfD-Politikern zu diskutieren …

Kauder: Mit denen möchte ich nicht in Talkshows sitzen.

Die Welt: Erste Unionspolitiker schließen Bündnisse mit der AfD nicht mehr aus …

Kauder: Wir haben im Präsidium der CDU Deutschlands gesagt: Es gibt keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD – aus guten Gründen. Wir empfehlen unseren Landes-, Kreis- und Ortsverbänden, das genauso zu halten.

Die Welt: Sachsens Ministerpräsident Tillich fühlt sich bei der Rhetorik der AfD an die rechtsextremistische NPD erinnert. Würden Sie das auch so sagen?

Kauder: Die NPD sagt: „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“ Und die AfD formuliert auf einem Wahlplakat: „Wir sind nicht das Weltsozialamt.“ Es gibt schon Hinweise, dass größere Teile der AfD sehr weit rechts verortet sind. Dazu gehört auch, dass Journalisten aus Veranstaltungen geworfen werden, was in einer Demokratie unerträglich ist. […]

Und nun? Man möchte sich fremdschämen angesichts eines solch inhaltsleeren Phrasendreschers, der andere ohne Begründung diffamiert, aber nicht den Schneid hat, dies inhaltlich zu begründen. Sein „klares Wort“ besteht darin, nichts mehr zu sagen. Und die Begründung? Seine „Hinweise“, dass die AfD „sehr weit“ rechts verortet sei, sind nicht mehr wert als die Aussage einer mittelalterlichen Inquisition, man habe gehört, es gebe da Häretiker, vom Teufel besessen, Feinde des reinen Glaubens. Inhaltlich: Null.

Dass Kauder seine Unfähigkeit zu argumentieren jetzt als moralisch begründete Absicht hinstellt, hat natürlich seinen Grund: Kauder hat von der Pleite von Claudia Roth gelernt, die bei Plasberg derart zusammenhanglos schwadronierte, dass der Moderator die notwendige Verständlichkeit anmahnen musste. Und da ist es nicht nur einfacher und bequemer, den Moralapostel heraushängen zu lassen und nichts mehr zu sagen, sondern geradezu unumgänglich.

» volker.kauder@bundestag.de