Einkauf im Ramadan

tescoDie kulturunsensible Engländerin Julie Cottle (43, Foto li.) hat es gewagt, im Norden Londons in einem Supermarkt der Kette „Tesco“ mitten im Ramadan mit Schinken und Wein an die Kasse zu gehen. Das war zu viel für den rechtgläubig fastenden Kassierer.

Der asiatische Mohammedaner verwies die Kundin an eine Selbstbedienungskasse, da es ihm verboten sei, diese unheiligen Dinge zu berühren. Die Kundin reagierte höchst ungehalten und verlangte nach dem Geschäftsführer. Dieser klärte die offenbar nicht ganz auf der Höhe der Zeit befindliche Britin darüber auf, dass der Kassierer das Recht habe, die Bedienung im heiligen Monat des Ramadan im vorliegenden Fall zu verweigern. Schließlich befinde sich der Angestellte im rituellen Fasten. Auch er verwies die Kundin an die Selbstbedienungskasse.

So viel Herz für die Mitarbeiter kann die unverbesserliche Engländerin gar nicht fassen. Der Dailymail sagte sie:

Ich weiß, er hat seinen Glauben – ich selbst bin Christin – aber er sollte in der Lage sein, seinen Job ordentlich zu machen. Ich bin angeekelt. Wenn er sich weigert, seinen Job zu machen, sollte er nicht hier sein. […] Er ist einfach im hinteren Teil des Ladens verschwunden. Der kommissarische Geschäftsführer meinte, ich solle an die Selbstbedienungskasse gehen. Ich war so sauer als ich nach Hause kam, dass ich bei Tesco angerufen habe, um mich zu beschweren. Alles, was sie sagten war: Das hört sich nicht okay an, aber wenn der Geschäftsführer sagt, es sei okay, dann ist es okay.

Mittlerweile hat sich die Firma Tesco bei der Kundin entschuldigt und versichert, sie habe mit dem betreffenden Mitarbeiter gesprochen. Die Firma ließ verlautbaren, sie habe keine spezielle Firmenpolitik, sondern handhabe derartige Angelegenheiten pragmatisch. Vor einem halben Jahr hieß es noch bei Tesco, man sehe keinen Sinn darin, Personal zu beschäftigen, das aus religiösen Gründen die Arbeit teilweise verweigere.

Im Fall eines nordirischen Konditors, der sich geweigert hatte, eine Torte für eine Schwulenhochzeit zu backen, überlässt man solche Entscheidungen nicht einfach der jeweiligen Firma. Bürgermeister Andrew Muir – ein bekennender Schwuler – kündigte juristische Schritte an. Er selbst sei zu dem Event eingeladen gewesen, zu dem die Torte bestellt worden sei. In seiner Begründung heißt es:

Geschäfte sollten sich nicht aussuchen können, wen sie bedienen. […] Damit Nordirland gedeihen und Gräben überwinden kann, brauchen wir eine neue Gesellschaft, in der die Unternehmen bereit sind, allen gerecht zu werden, unabhängig von religiösen Anschauungen, der politischen Meinung, Behinderung, Rasse, Alter, sexueller Orientierung, Familienstand, Geschlecht und anderen Hintergründen.

Homoehen sind in Nordirland nicht erlaubt. Trotzdem erhielt der Konditor Post von der „Gleichstellungs-Kommission“, die ihm unterstellte, er habe Kunden diskriminiert. Man wolle ggf. weitere Schritte gegen ihn einleiten. Der Konditor ist bekennender Christ, doch auf seine religiösen Gefühle wird wohl kein Mensch Rücksicht nehmen.