Kaiser Wilhelm-Denkmal bei Tel Aviv

Hört man erstmals davon, mag man es für den Wunschtraum eines Phantasten halten. Dennoch ist es unbezweifelbare – und glücklich stimmende – Realität: Seit dem 2. Mai 2012 existiert ein Reiterdenkmal für Kaiser Wilhelm II. in Eretz Israel.

(Von Semper Talis)

Es befindet sich südöstlich von Tel Aviv vor dem Eingang der 1870 von dem gebürtigen Straßburger Charles Netter gegründeten ersten jüdischen Landwirtschafts- und Gartenbauschule im Heiligen Land, die bis heute den Namen „Mikveh Israel“ trägt. An deren Schultor, das sich zur Straße von Jaffa nach Jerusalem hin öffnet, wurde das deutsche Staatsoberhaupt 1898 von Theodor Herzl begrüßt und kurz in die Grundzüge seiner Planungen eines jüdischen Nationalstaates in der angestammten Heimat des Volkes Israel eingeführt. Da der Kaiser den Vortrag Herzls nicht nur wohlwollend aufnahm, sondern auch versprach, sich für die Realisierung der Planungen beim osmanischen Sultan einzusetzen, zählt diese Begegnung für viele Israelis zu den wichtigsten Momenten in der Geschichte des modernen Zionismus. So sieht es jedenfalls der israelische Regierungssekretär Zwi Hauser, der die treibende Kraft hinter dem Denkmalsprojekt war.

Die – modern aufgefasste – lebensgroße Skulptur zeigt den Moment der Begrüßung, in dem der Monarch sein Pferd gerade zum Halten gebracht hat und sich dem entgegengehenden Herzl zuwendet, der seinerseits – den gerade abgenommenen Tropenhelm in der Hand – dem Kaiser das Willkommen entbietet.

Angesichts dieser offensichtlichen Wertschätzung, die der Person Wilhelms II. in Israel entgegengebracht wird und die sich auch auf die vom ihm initiierten diversen Bauprojekte (z.B. Erlöserkirche, Dormitio-Abtei und Auguste-Viktoria-Hospital in Jerusalem, Weihnachtskirche in Bethlehem) erstreckt, könnte man fast meinen, dahinter stünde eine gewisse Wehmut hinsichtlich der durch den 1. Weltkrieg abgeschnittenen Entwicklung hin zu einer Gründung des Staates Israel unter tatkräftiger Mithilfe des Deutschen Kaiserreiches. Mit diesem starken Bündnispartner an seiner Seite hätte Israel möglicherweise bereits wesentlich eher gegründet und in einem stabileren Umfeld leben können, als es die britische Mandatsmacht und die UNO dann 1948 bereitstellen konnten.

Über diese Hypothese kann man sicherlich trefflich streiten, nur man verstehe mich hier bitte nicht falsch: Selbstverständlich wären die Mohammedaner in den umgebenden Gebieten ebenso wenig bereit gewesen ein derartiges „frühes“ Israel zu akzeptieren, wie sie das heutige Israel nicht tolerieren können. Ich bin aber überzeugt, daß die „Wilhelmstraße“ und der deutsche Generalstab, Mittel und Wege gefunden hätten, die Sicherheit Israels nachhaltiger zu sichern, als es bisher die Amerikaner konnten. Unter einem deutschen Schutzschirm hätten die Israelis vermutlich noch wesentlich mehr in die – ohnehin schon staunenswerte – zivile Entwicklung ihres Landes investieren können und wären weit weniger Mittel im militärischen Bereich gebunden gewesen.

Wie immer man diese Vermutungen beurteilen mag, eins steht jedenfalls fest: Das Denkmal für Kaiser Wilhelm II. ist ein weiterer Beleg dafür, daß Israel eindeutig zu uns gehört, daß wir für Israel einzustehen haben. Denn dieses kleine tapfere Land ist nicht nur unsere „vorderste Verteidigungslinie“ im Kampf gegen den expansionistischen Islam (eine Tatsache, für die wir Europäer den Israelis niemals genug danken können), sondern teilt eben auch kulturell und mentalitätsmäßig so Vieles mit uns.

Deshalb ist es – gerade auch hinsichtlich der abscheulichen antisemitischen Proteste dieser Tage – ein absolutes „Muss“, an der Seite Israels zu stehen. Kaiser Wilhelm II. – dessen bin ich mir absolut sicher – würde heute in „unwandelbarer Treue“ an der Seite des jüdischen Staates stehen.