Organisierte Kriminalität hat in Deutschland (k)einen Namen

Überraschend ausführlich berichtet Per Hinrichs in der WELT über den Rachemord an Tahir Özbek. Die Details des Artikels sollten eigentlich jeden in Deutschland aufhorchen lassen. Was nicht überrascht, ist die politisch korrekte Einordnung des Artikels: Dort ist von kriminellen Rockern die Rede und von starken Parallelen zu mafiösen Strukturen. Selbstredend handelt es sich um einen Hells-Angels-Rachemord – was auch sonst. Wer den Artikel jedoch von Anfang bis Ende liest, findet keinen deutschen Protagonisten in diesem üblen Spiel. Türken, Araber und Perser, wie wir sie kennen.

Der Mord und die Begleitumstände stellen einen Plot dar, wie Deutschland insgesamt in zehn bis 20 Jahren zwischen muslimischem Fundamentalismus, Nationalismus und organisierter Kriminalität zerrieben wird.

Wer meint, dass z.B. eine Aufstockung der Gelder für Polizei und Justiz noch eine Wende herbeiführen könnte, erhält im Artikel die passende Antwort:

Am 24. Mai wollte der Berliner Senat die „Hells Angels Berlin City“ verbieten, doch Kadir P. und seine Leute erhielten einen Tipp und lösten sich von selbst auf. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass die Verbotsverfügung wohl vorher an die Gruppe verraten wurde, wie sie in der Anklage schreibt.

Solche „leaks“ in den Behörden beobachtet der Berliner LKA-Mann Böhl mit großer Sorge. „Es gibt Hinweise darauf, dass Polizisten mit türkisch-arabischem Hintergrund Gefälligkeiten für Familienmitglieder geleistet haben, indem sie etwa Beweismittel zurückgehalten oder Informationen weitergegeben haben“, sagt er.

Das wird auch von Seiten der Justiz ergänzt:

Der Berliner Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra, der für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität zuständig ist, zeichnete jüngst bei einem Vortrag vor Kriminalbeamten eine düstere Vision: „Die organisierte Kriminalität ist dabei, die öffentliche Verwaltung, die Polizei und über Anwälte auch die Medien zu infiltrieren.“

Was der Berliner Oberstaatsanwalt nicht ausspricht oder gar nicht zu denken wagt, ist die Tatsache, dass Verwaltung und Polizei nicht infiltriert werden, sondern dass es eine aktive Einladung für sog. Migranten im öffentlichen Dienst gibt, weil man sich davon wohl verspricht, dass diese Migranten bei Problemen helfen könnten, die wir ohne sie nicht hätten. Aber es wird eben alles noch viel schlimmer, wenn gutgläubige oder dogmatische Diletanten versuchen, ihre Fehler der Vergangenheit zu vertuschen.

Einen Hauch von NSU bekommt der Fall dann von der empörten Familie des Mordopfers, die angeblich aus Angst jede Zusammenarbeit mit Justiz und Polizei ablehnt. Schuld am Tod ihres ehrenwerten Familienmitglieds sind natürlich nicht seine Landsleute von den Hells-Angels, sondern die deutsche Polizei, die ihn angeblich als Köder benutzt und nicht ausreichend gewarnt hat. Wer dieser Apokalypse bundesdeutscher Wirklichkeit bis hier gefolgt ist, wird nur noch hoffen, dass die Vorwürfe der Familie auch wirklich zutreffend sind.