Zentralratsvorsitzende winden sich um moslemischen Judenhass herum

Graumann-MazyekDieter Graumann (l.), Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, wirft den Islamverbänden vor, nicht genug gegen die antijüdische Hetze der letzten Wochen in Deutschland opponiert zu haben. Der überwiegende Teil der übelsten Hassparolen wurde von Moslems auf Anti-Israel-Demonstrationen skandiert. Aiman Mazyek (r.), Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, wehrt sich hingegen gegen diese Kritik.

In einem Interview mit der FAZ äußerte sich Graumann zum Schweigen der Islamverbände:

Herr Graumann, es spricht alles dafür, dass es arabischstämmige Jugendliche waren, die einen Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal-Barmen verübt haben. Hat der Antisemitismus von muslimischer Seite eine neue Dimension erreicht?

(…) Die allermeisten Muslime in Deutschland sind doch ganz sicher friedfertig und zuverlässig. Und wir suchen ihre Freundschaft. Aber es hat doch keinen Sinn, jetzt wegzuschauen und zu beschwichtigen. Denn Tatsache ist: Wir haben die letzten Wochen die schlimmsten antisemitischen Slogans auf deutschen Straßen seit der Nazizeit gehört, Parolen wie „Juden ins Gas“ oder „Juden sollen geschlachtet werden“. Diese Sätze sind größtenteils von radikalen muslimischen Menschen geschrien worden. Diese Menschen sprechen bestimmt nicht für alle oder auch nur die meisten Muslime im Land. Umso wichtiger finde ich es aber, dass Muslime zeigen sollten, dass sie sich von diesen Islamisten nicht als Geiseln nehmen lassen. (…)

An dieser Stelle könnte das Interview abgebrochen werden, denn ganz offensichtlich ist Graumann nicht bewusst, dass die Juden die erklärten Erzfeinde der Moslems sind, also kann er auch keine moslemische Empathie erwarten.

Sind es wirklich nur radikale Islamisten, die diese Parolen grölen?

Wir weisen schon seit Jahren auf Antisemitismus in muslimischen Gemeinschaften hin. Ich sage seit langem, dass auf deutschen Schulhöfen das Wort „Jude“ als Schimpfwort benutzt wird, und das überwiegend von muslimischen Jugendlichen. Die muslimischen Verbände machen zu wenig dagegen. Sie versprechen es, aber konkrete Schritte muss man mit der Lupe suchen. Es mag für die muslimischen Verbände schwieriger sein, weil sie aufgesplittert sind, weil es Rivalitäten gibt. Aber mehr Anstrengungen sind bestimmt nötig. Wir Juden setzen uns immer für Muslime ein. Vor vier Jahren hat Sarrazin sein schreckliches Buch veröffentlicht. Die erste Stimme, die sich dagegen erhob, war unsere. Ich habe gesagt, dass es falsch ist, muslimische Menschen so respektlos zu behandeln. (…) Unser Engagement darf doch keine Einbahnstraße sein. In dieser besonderen Situation habe ich mir viel mehr von den muslimischen Vertretern erhofft.
(…)

Wie intensiv ist Ihr Kontakt zu muslimischen Organisationen?

In diesen Tagen haben wir keinen Kontakt. Die Lage im Nahen Osten bringt uns auseinander. Zwangsläufig haben wir unterschiedliche Meinungen und vor allem Emotionen. Wir Juden sind hier nicht neutral, unsere Herzen sind bei den Menschen in Israel. Auf muslimischer Seite ist es wohl oft andersherum. Das müssen wir respektieren. In den letzten Wochen ist viel Vertrauen kaputt gemacht worden, das müssen wir gemeinsam wieder aufbauen.

Was müsste passieren, damit Muslime in Deutschland stärker für das Thema Holocaust sensibilisiert werden?

Es ist natürlich einfach zu sagen: mehr Erziehung, die Schulen. Natürlich soll es so sein. An Schulen wird auch viel getan. Auf der anderen Seite sieht man, dass auf muslimische Jugendliche ganz viel einprasselt. Manche Ressentiments werden durch Familien übertragen, manche über Fernsehsender. Auch hier müssen gerade die muslimischen Verbände viel öfter aktiv werden.
(…)

Haben Sie eine Erklärung, warum sich der Antisemitismus jetzt so stark zeigt?

An der Situation im Nahen Osten allein kann das nicht liegen. Wer wegen Israel zum Antisemiten wird, war doch längst einer. Es ist für radikale Islamisten jetzt eine Gelegenheit da, ihren Antisemitismus brutal auszuleben. Die Hemmschwelle ist stark gesunken. Es war letztlich der Zentralrat der Juden, der darauf hingewiesen hat. Die Politiker haben zunächst nicht darauf aufmerksam gemacht, was da auf Demonstrationen gebrüllt wurde, die Medien haben kaum berichtet. Am Ende müssen wir uns doch selbst immer melden und Dinge anstoßen. Warum eigentlich?

Sehr einfach Herr Graumann, weil die Moslemlobby in Deutschland übermächtig geworden ist und damit auch ihre intolerante Hasskultur gegen alles Jüdische, die sie direkt aus dem Koran beziehen. Wollen Sie den neuen Judenhass bekämpfen, müssen Sie den Islam bekämpfen.

Der Zentralrat der Moslems hingegen wehrt sich – ebenfalls in der FAZ – gegen den Vorwurf Graumanns, nicht genug gegen Antisemitismus zu tun.

Herr Mazyek, der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, übt scharfe Kritik an muslimischen Verbänden. Sie täten zu wenig gegen Antisemitismus. Hat er Recht?

Die jetzige Situation verlangt eine Unterscheidung zwischen einem legitimen Protest gegen die israelische Kriegspolitik und dem Versuch, über den Nahostkonflikt Antisemitismus zu verbreiten. Wir verurteilen Antisemitismus. (…)

An dieser folgen die üblichen hohlen Phrasen vom freien Palästina.


Hat der Zentralrat der Muslime mal Rundbriefe an die Gemeinden geschrieben? Oder wie sieht die Kommunikation aus?

Über Gemeindebriefe, steten schriftlichen und telefonischen Kontakten zu unseren Gemeindevorstehern und über unsere Öffentlichkeitsarbeit. In den Freitagsgebeten und im Austausch gerade auch mit den Jugendlichen müssen und wollen wir uns auch im Hinblick der Demonstrationen mit dem Thema proaktiv auseinandersetzen. Konkret heißt das: friedlicher Protest und Aufruf zur sofortigen Ende des Krieges und Nein zum Antisemitismus. Bei allem Schrecken des Krieges ist es für uns ein hoffnungsvolles Zeichen, dass dies überwiegend klappt. Wir sind uns dabei der Verantwortung als Deutsche bewusst.

Sie haben gesagt, dass sich Antisemiten außerhalb Ihrer Gemeinden bewegen. Damit waren Sie der einzige namhafte Verbandsvertreter, der sich so deutlich zu dem Thema geäußert hat.

Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime hat zum Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen und sich dann ähnlich geäußert.

Aber niemand tat es so unmissverständlich wie Sie. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Es gibt im Koordinationsrat keinen Dissens darüber, ob man das Thema angeht, sondern lediglich in der Frage, wie man das tut, gibt es unterschiedliche Akzente. Denn gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit ist aus religiösen Gründen schändlich. Der Islam bejaht Vielfalt und ist strukturell antirassistisch. Das müssen wir noch stärker in die muslimische Community hineintragen. Deswegen schäme ich mich, wenn muslimische Extremisten das Gegenteil davon machen, und es schmerzt mich ebenso, dass sie damit gegen die Grundsätze des Islam verstoßen. Ebenso dürfte es der jüdischen Gemeinde ergehen, wenn Radikale zur Vernichtung von Gaza aufrufen oder „Tod den Arabern“ rufen.

(…)

Es gab Muslime, die auf Demonstrationen antisemitischen Parolen gerufen haben. Wie groß schätzen Sie das Problem des Antisemitismus in der muslimischen Gemeinschaft ein?

Man muss sich genau ansehen, inwiefern diese Leute überhaupt in der muslimischen Community verhaftet sind. Ich glaube, wir machen es uns zu einfach, wenn wir jetzt einen muslimischen Antisemitismus kreieren. Fakt ist, dass der Antisemitismus in der muslimischen Welt ein importierter politischer Antisemitismus ist, und der ungelöste Nahostkonflikt ist ein Katalysator. Die muslimische Welt hat jahrhundertelang stets mit Juden sehr gut zusammen gelebt und mit ihnen harmoniert. Muslime haben immer wieder Juden Asyl gewährt, die Pogromen in Europa ausgesetzt waren. Das können Sie an vielen Geschichten in der Türkei, im Nahen Osten und heute noch in Marokko festmachen. Unsere Religion nimmt eine dem Judentum wie auch dem Christentum zugewandte Haltung ein. Das kann auch kein Extremist verändern. Dennoch müssen wir uns selbstkritisch fragen, warum insbesondere Jugendliche hier so etwas machen. Deshalb fand ich Wolfgang Schäubles Aufruf richtig, mehr Aufklärung über die Hintergründe und Gefahren des Antisemitismus gerade in diesen Gruppen zu leisten. Das müssen wir aber gesamtgesellschaftlich angehen. Die muslimischen Verbände müssen ihren Teil erledigen, und sie dürfen dabei nicht allein gelassen werden. Letztendlich wollen wir doch in friedlicher Nachbarschaft und ohne Hass leben. An den Taten, die dafür nötig sind, werden wir uns alle – Juden, Christen und Muslime – messen lassen müssen. Das Einstehen für Menschenrechte ist dabei unteilbar. Dem Hass dürfen wir uns nicht hingeben, das sehe ich als eine der wichtigsten Prüfungen für Juden und Muslime in Deutschland an.

Es gibt aus Ihrer Sicht also keinen muslimischen Antisemitismus?

Semantisch wie inhaltlich steht das im Widerspruch, denn der Islam ist in seiner Geisteshaltung antirassistisch. Aber antisemitische Muslime, ja leider, die gibt es vereinzelt.

Taqiyya in Reinkultur, aber Lesen bildet bekanntlich. So nehme man den Koran zur Hand und belehre sich eines Besseren, – nein, eines Schlechteren.