Amtseinführung von Kölner Erzbischof Woelki: „Welt“ überschlägt sich in Gutmenschentum

meisner_woelkiSobald bundesdeutsche Massenmedien über die katholische Kirche berichten, ist äußerste Vorsicht angebracht. Jeder Kleriker, der sich der überlieferten Lehre verpflichtet fühlt, muss damit rechnen, medial zum Aussätzigen erklärt zu werden, doch jeder „Aufbrecher“ und „Reformer“ im linkslinken Ungeist der Zeit wird einseitig bejubelt. Wie man nun sehen kann, mischt auch die vermeintlich konservative „Welt“ in diesem schmutzigen Geschäft mit.

Rainer Maria Kardinal Woelki (Foto r. mit seinem Amtsvorgänger Kardinal Meisner) irritierte die Öffentlichkeit bereits am 12. Juli, einen Tag nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Köln, indem verschiedene Medien ihn dahingehend wiedergaben, die Gläubigen der Kirche sollten ihre Fähigkeiten als „lebendige Steine“ einbringen. So etwas weckt Assoziationen mit der Vorstellung der Freimaurer vom Logenmitglied als „rauhen Stein“. Ein höchster kirchlicher Würdenträger wie Woelki sollte sich dessen eigentlich bewusst sein. Zwar findet die Freimaurerei im Kirchenrecht von 1983 keine explizite Erwähnung mehr, jedoch stellte vor 31 Jahren Papst Benedikt XVI. als damaliger Kardinal Ratzinger, der der Glaubenskongregation vorstand, unmissverständlich fest, dass eine Mitgliedschaft in ihr nach wie vor vom Lehramt als schwer sündhaft bewertet wird. So weit, so verwirrend.

Eine regelrechte Krönung im Sinne feuchter sozialistischer Träume ist nun der „Welt“-Artikel „Wenn eine Frau im Dom die Kirchen-Reform ausruft“, in dem Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) zu einer Art Ikone des Gutmenschentums verklärt wird. Die 57-Jährige, die stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen ist, gehört als Mitglied dem Zentralkomitees deutscher Katholiken an, das Ansichten vertritt, die dem Häretiker-Club „Wir sind Kirche“ nicht unähnlich sind. Löhrmann wünscht sich vom neuen Erzbischof von Köln „Offenheit“ zu den Themen Frauen in der Kirche, Zersetzung der sakramentalen Ehe einschließlich des Gutheißens praktizierter Homosexualität und „Dialog“ mit anderen Religionen – ein Schelm, wer hierbei an den „friedliebenden“ Islam denkt.

In plumpster Art und Weise meint Autor Christop Driessen sich als Gesellschaftsarchitekt betätigten zu müssen. Die kumpelhafte Art Woelkis, die den „Pomp des Amts“ überwinde, wird in höchsten Tönen gelobt. Eine Unachtsamkeit in der Liturgie sei liebenswürdig menschlich. Klatschen und Gelächter im wichtigsten Gotteshaus des Erzbistums Köln gehörten einfach dazu. Abweichungen von der kirchlichen Morallehre seien ein Gebot der Stunde. Reinster Subjektivismus einiger Zeitgeistiger versus unverrückbarer Grundfesten der katholischen Lehre.

Das Muster, das hinter derartiger Ausuferung politischer Korrektheit steht, ist sehr einfältig: Kardinal Woelki wird als angeblich moderne Alternative zu seinem erzbischöflichen Amtsvorgänger Joachim Kardinal Meisner aufgebauscht. Ähnliches ist man seit dem März 2013 mit Papst Franziskus in Rom gewohnt. Der Pontifex Maximus aus Argentinien wird medial in Opposition gesetzt zum intellektuellen und recht traditionsverbundenen Benedikt XVI. Guter Bischof, böser Bischof, für alle, die noch nicht den „richtigen Durchblick“ haben.

Sollte Woelki den Lobhudeleien eines Driessen und der restlichen Medien-Mafia auf den Leim gehen, so hätte dies verheerende Auswirkungen. Die Kirche wäre dann nichts anderes als der religiös verbrämte Arm der Sozialisten und Semisozialisten von SPD, Grünen oder SED-Fortsetzungspartei. Es wäre ein Gang in die Selbstabschaffung. Parallelen zur Evangelischen Kirche in Deutschland wären nicht zufällig.

Der staatliche Einzug der Kirchensteuer und weitere Leistungen aus Steuermitteln für die deutschen Bistümer sind angesichts der erschreckenden Lage auf den Prüfstand zu stellen. Denn der Zustand, gegenüber einem Staat, in dem schon in Teilbereichen der organisierte Wahnsinn vorherrschend ist, Loyalität zeigen zu müssen, ist unhaltbar. Eine ausschließlich private Spendenfinanzierung wäre ein Segen in puncto Unabhängigkeit der Kirche gegenüber den weltlichen Staatswesen, die sich nicht selten der Meute ideologisch auf Linie befindlicher Massenmedien bedienen.