Was einen Gutmenschen von einem guten Menschen unterscheidet – Beispiel: Käßmann

kaessGerade habe ich über die Aufforderung Margot Käßmanns gelesen, „gewaltlos“ auf den Völkermord und die Pogrome zu reagieren, die vom „Islamischen Staat“ in diesen Tagen verübt werden. Mit diesem Text möchte ich Margot Käßmann nicht persönlich angreifen. Anders als viele selbst ernannte Qualitätsjournalisten heute gestehe ich die Meinungsfreiheit auch den Leuten mit anderer Meinung zu. Den Standpunkt von Frau K. möchte ich hier nur stellvertretend für all die vielen Zeitgenossen auseinander nehmen, die man landläufig als „Gutmenschen“ bezeichnet.

(Von Selberdenker)

Was ein Gutmensch nun genau ist, dafür gibt es keine genaue Definition, jedenfalls habe ich noch keine gefunden. Der moderne, unprofessionelle Laie fügt den Begriff zumeist einfallslos bei google in die Suchleiste und landet so unweigerlich bei Wikipedia.

Und da fängt´s schon falsch an:

Gutmensch ist sprachlich eine ironische Verkehrung des ausgedrückten Wortsinns „guter Mensch“ in sein Gegenteil.

Frau K. ist ein echter Gutmensch – Gutmenschen können zwar dem Bösen den Weg ebnen, ihm nützlich sein, Widerstand beseitigen, echte Gutmenschen sind aber nicht böse. Böse Menschen können zwar mit dem Gehabe von Gutmenschen ihre Ziele verfolgen oder die Gegenseite auszubremsen versuchen, sie sind aber im Innersten keine Gutmenschen. Dazu aber später mehr.

Bei einigen Lesern wird die Bezeichnung „böse Menschen“ ungute Gefühle ausgelöst haben. Das klingt nicht seriös, kein Mensch ist nur gut oder nur böse. Das haben wir alle gelernt, im Leben selbst erfahren und verinnerlicht, was auch nicht falsch ist – jedem eine zweite Chance – aber im klaren Rahmen.

Die bösesten Menschen der Geschichte haben geglaubt, letztlich etwas Gutes zu tun, Perverse und Sadisten einmal ausgenommen. Klar muß jetzt Hitler kommen – und er kommt auch, weil er heute die Personifizierung des Bösen ist. Hitler wollte ein reines Germania, das die Welt beherrscht, das die Welt vereinheitlicht, gleich macht, klar unterteilt in Herrenrassen und Sklavenrassen und es durfte nur existieren, was er für „gut“ hielt. Letztlich war auch das deutsche Volk nicht gut genug und musste mit ihm untergehen, glaubte er. Natürlich ist das keine moralische, sondern eine sozialdarwinistische, menschenverachtende Definition von „gut“. Trotzdem sah sich Hitler auf der Seite des „Guten“, der „guten Sache“, genau wie wahrscheinlich die meisten Kämpfer und Freunde des „Islamischen Staates“.

Die Ideologie definiert, was „gut“ und was „schlecht“ ist. Die Ideologie gab und gibt Legitimation, das Böse zu tun. Deshalb müssen wir auch über Legitimationsgeber nachdenken – und die Legitimationsgabe heraussuchen, benennen und scharf kritisieren. Der Islam darf da nicht – durch Gutmenschen oder durch herrschende Opportunisten – zur Ausnahme erklärt werden.

Was ist nun ein Gutmensch?

Ein Gutmensch ist für mich weder ein guter Mensch, noch ein böser. Ein Gutmensch ist für mich ein Mensch, der die Existenz des Bösen und die Konsequenz daraus ausblendet. Frau K. wird erwidern, schon an das Böse im Menschen zu glauben. Frau K. möchte sich aber aus Notwendigkeit herauswinden, die Konsequenz daraus zu ziehen:

Das Böse lässt vielleicht mit sich reden. Das Böse ist nicht dumm, das war es noch nie. Es wird aber nur einen Handel eingehen, aus dem es gestärkt hervorgeht. Dem Bösen kann man nur begegnen, indem man es schwächt, sofern man es nicht ignorieren kann/darf oder böse handelnde Menschen zum Guten bewegen kann. Es gibt Punkte, an denen man das Böse nur verhindern kann, indem man sich ihm stellt und kämpft.

Ein guter Christ lässt sich töten?

„Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ (Mt 5,39)

Das kann/darf nicht als Rechtfertigung dafür dienen, sich den Kopf abschlagen, sich und Andere, Frauen und Kinder widerstandslos töten zu lassen. Wenn mir jemand den Kopf abschneidet, kann ich ihm auch unmöglich noch einen zweiten hinhalten!

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mk 12,31)

Dieses Gebot sagt auch etwas über die Selbstliebe aus, was für mich auch den Lebenswillen beinhaltet.

„Dann sagte Jesus zu ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein. Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen. Ich sage euch: An mir muss sich das Schriftwort erfüllen: Er wurde zu den Verbrechern gerechnet. Denn alles, was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung. Da sagten sie: Herr, hier sind zwei Schwerter. Er erwiderte: Genug davon!“ (Lk 22,35-38

Diese Stelle findet man häufig mit der Absicht zitiert, einen Gewaltaufruf durch Jesus damit beweisen zu wollen. Hier geht es aber darum, dass Jesus vor seiner Verhaftung seinen Jüngern klar macht, dass die Zeit der weltlichen Versorgung durch ihn nun vorbei ist. Sie müssen sich nun selbst ernähren und selbst schützen. Ja, schützen, Frau K. Auch mit der Waffe, wenn es nicht mehr anders geht.

Jesus ließ sich töten, weil es als „Lamm Gottes“ seine prophezeite Bestimmung war, einen Bund mit den Menschen einzugehen. Ein Jünger zog sein Schwert, ihn zu verteidigen, verletzte einen Soldaten. Doch Jesus heilte den Soldaten und wies den Jünger zurecht, damit der Wille des Vaters geschehen konnte. (Lk 22,50-51)

Jesu Tod am Kreuz geschah theologisch zur Vergebung der Sünden. Sich und seine Familie als Christ von Mörderbanden abschlachten zu lassen, ergibt für mich keinerlei Sinn – auch nicht theologisch.

Ich habe Videos gesehen von Christen, die sich bereitwillig betend, ohne Widerstand von fanatischen Moslems, wie am Fließband die Kehle aufschneiden ließen – Boko Haram oder IS – es macht keinen Unterschied. Sie haben sich verhalten, wie Jesus bei seiner Verhaftung und bei seiner Hinrichtung, haben geglaubt, sich so verhalten zu müssen, weil sie sich moralisch überlegen fühlten – es hat ihnen nichts genutzt und es hat keinen dieser Moslems irgendwie moralisch gejuckt. Die sind überzeugt von ihrer Mission, finden ihr Handeln in Koran und Hadithen gerechtfertigt und haben gelacht über ihre röchelnden Opfer. Sicher gibt es Moslems, die anständige Menschen sind und geholfen hätten, wenn sie die Macht gehabt hätten. In diesem Moment geben aber nur Waffen die nötige Macht. In solchen Momenten zählen nur Leute die handeln und nicht die Leute, die reden, theoretisieren und moralisieren!

Der „barmherzige Samariter“ (Lk 10,25-37), der Nächste (für die im Angesicht des qualvollen Todes wartenden Hinrichtungskandidaten), wäre in diesem, und auch nur in diesem speziellen Fall nicht Frau Käßmann, sondern – wenn überhaupt – der bewaffnete Peschmergakämpfer, der dem unerträglichen Horror mit gezielten Schüssen ein Ende macht. Und abermals wäre der „Schriftgelehrte“ theoretisierend vorbeigegangen, während der „Nächste“ dieser Menschen sogar selbst Moslem war, aus welchen Gründen auch immer er geholfen hat. Viele dieser Kurden handeln nicht aus reiner Nächstenliebe, wie es der „barmherzige Samariter“ tat. Aber sie bekämpfen in dem Moment das Böse mit den Mitteln, mit denen es in diesem Moment bekämpft werden muß. Wer diesen Realismus nicht aufbringt, lässt tatsächlich Menschen im Stich.

„Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ (Mt 5,39)

Das kann nicht als Rechtfertigung dienen, sich den Kopf abschlagen, sich und Andere widerstandslos töten zu lassen.

„Aktion Aufschrei“

Käßmann:

„Es muss auch ein Nein zu Waffenlieferungen erlaubt sein. Dass diese Antwort heute lächerlich gemacht wird, ist ein Problem“

1. Wenn es nicht „erlaubt“ wäre, würden wir es hier nicht lesen.
2. Dass man sich mit „Plädoyers zur Gewaltlosigkeit“ angesichts blutrünstiger, entmenschlichter Fanatiker, angesichts der enthemmten totalen Barbarei lächerlich macht, ist nur für die betreffenden Leute ein Problem.

Frau K. hält Kritik an ihrer Position für „Angriffe“ – auch auf sie persönlich – die dazu dienten, sich die „Zumutung vom Leib zu halten“, über andere Wege nachzudenken.

Kritik, so meine Meinung, dient dazu, Leuten wie der von Frau K. die Zumutungen der völlig untheoretischen Realität vor die Füße zu kippen. Auf welchem „anderen Weg“ man aus der Sache rauskommt, darüber sollen dann die nachdenken, die es bereits getan haben und sich dann für Waffenlieferungen entschieden haben?

Käßmann:

„Vielleicht müssen wir es aushalten, dass wir alle miteinander hilflos und ohnmächtig sind angesichts dieser Gewalt“, sagte Käßmann, die auch Schirmherrin der bundesweiten Kampagne „Aktion Aufschrei – stoppt den Waffenhandel!“ ist.

Falsch, Frau Käßmann, die Christen im Irak und Syrien sollen Ihre Hilflosigkeit aushalten!