1800 deutsche Dschihadisten kämpfen für IS

imageNicht nur die Salafistenszene hierzulande wächst rasant, auch die Zahl der in Syrien und dem Irak mordenden Dschihadisten aus Deutschland ist deutlich höher als von Ministerien und Sicherheitsbehörden bislang eingeräumt wurde. Der Abteilungsleiter Internationaler Extremismus und Terrorismus des baden-württembergischen Verfassungsschutzes, Heribert L. Müller, spricht Klartext.

Müller wies darauf hin, dass bei den derzeitig bekannten Zahlen den Sicherheitsbehörden unbekannte Dschihadisten und Radikale ausgeklammert würden. „Bei einer konservativen und vorsichtigen Schätzung würde ich den Faktor vier bei den offiziellen Zahlen ansetzen“, so Müller. Konkret heißt das: 1800 Dschihadisten statt der bislang 450 offiziell bekannt gewordenen Personen aus Deutschland, die im Irak und in Syrien mordend Angst und Schrecken verbreiten. Auch die Zahl gewaltbereiter Salafisten, allein in Baden-Württemberg, ist von 550 auf 2200 zu korrigieren (zum Vergrößern aufs Bild klicken).

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Dschihadisten sind kein Unterschichtenproblem

Eine aktuelle Untersuchung deutscher Sicherheitsbehörden zu Dschihadisten brachte eine weitere Erkenntnis zu Tage, die gerade linken Kreisen nicht schmecken dürfte. So ist es eben nicht die soziale Stellung in der Gesellschaft, die junge Menschen zu Dschihadisten werden lässt. Elf Prozent der „Heiligen Krieger“ sind Studenten, 24 Prozent verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung. 26 Prozent sind Schüler.

Lies-Verteilaktion Durchlauferhitzer auf dem Weg in den Dschihad

Müller, der vor dem Internationalen Ausschuss der Stadt Stuttgart sprach, berichtete in seinem Vortrag über die Gründe warum sich Jugendliche radikalisieren. Bei einigen habe es gerade einmal neun Monate gedauert, bis sie aus dem Kinderzimmer aus- und in ihren Heiligen Krieg zogen. Etliche Mitglieder des Internationalen Ausschusses Stuttgarts rücken unruhig auf ihren Stühlen hin und her. Einige schütteln verwundert den Kopf: Müller ist an diesem Abend nicht unterwegs, um zu beruhigen. Müller rüttelt auf, so die Stuttgarter Nachrichten.

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Auch die „Lies!“ genannte Koran-Aktion ist für junge Männer der Beginn einer Entwicklung, die auf den Schlachtfeldern Syriens endet. Den „Einstieg in den Dschihad“ nennt Müller das, ein Durchlauferhitzer. Weiter nennt Müller Beispiele der Radikalisierung über YouTube.

Die Rückkehrer sind in drei Gruppen einzuteilen. Die Desillusionierten. Die Traumatisierten und die Radikalisierten mit Kampferfahrung, die zudem an Waffen ausgebildet wurden. Wobei die letztere nicht nur die gefährlichste, sondern auch die größte Gruppe der Rückkehrer darstellt.