imageAls Sieben- und Achtjähriger trug ich das blaue Halstuch der Jungen Pioniere der DDR. Nicht, weil meine Mutter von der kommunistischen Jugendbewegung überzeugt war, sondern weil ich die Haferschleimsuppe bekommen sollte, die es für die Jungen Pioniere umsonst gab.

(Von Martin W.)

Ich war acht Jahre alt, als meine Mutter mit mir von Vorpommern nach Ost-Berlin flüchtete. Die Zugänge nach Ost-Berlin waren streng bewacht, denn innerhalb Berlins galt Freizügigkeit gemäß dem Viermächteabkommen. Ich war siebenfach angezogen und im Reisegepäck hatte meine Mutter unklugerweise u.a. Silberbesteck und Bettzeug dabei. Die Grenzkontrolleure rochen den Braten und wollten uns zurückweisen. Wieder und wieder verneinte meine Mutter eine Fluchtabsicht und erklärte nur, wir wollten nach dem Besuch unserer Verwandtschaft im Westen wieder zurückkehren. Schließlich fragten die Beamten mich. Wohlweislich hatte meine Mutter mich gebrieft und im Brustton der Überzeugung erklärte ich den Kontrolleuren, daß wir zum Ferienende von meiner Oma im Westen zurückkehren und ich wieder die Schule besuchen und bei den Jungen Pionieren mitmachen werde. Sie glaubten mir und ließen uns passieren.

Von Ost-Berlin war es nur noch eine gewöhnliche U-Bahnfahrt bis ins Aufnahmelager Marienfelde. Die ersten Nächte auf verlausten und verwanzten – mit echten Wanzen – Strohmatten dicht an dicht in ausgebombten Fabrikhallen, deren Gitterglasdächer noch immer große Löcher durch einstige Bomben aufwiesen, waren eine Tortur. Auch später jagten wir vor dem Zubettgehen regelmäßig erst mal Flöhe, was das Zeug hielt, wurden aber nie des Ungeziefers Herr. Bald hatte ich auch noch die Krätze an den Händen und das Kratzen und Blutigschinden der eigenen Haut war mir zur Gewohnheit geworden. Vier Wochen lang durchliefen wir alle möglichen Prüfämter, bis wir die Erlaubnis zur Übersiedlung in die BRD erhielten. Allerdings hätten wir liebend gern wegen unserer Verwandten die Genehmigung zum Zuzug nach Bayern erhalten, was uns jedoch wegen Überlastung des Freistaats verweigert wurde. Heute dürfen Asylanten aus anderen Erdteilen bei ihrer Ankunft z. B. in Italien nicht nur bestimmen, daß sie nach D wollen, sondern auch innerhalb D sollen sie dank des Kompromisses mit Grün/Linken das Recht zur Freizügigkeit bereits nach drei Monaten erhalten. Wir hingegen waren Deutsche und hatten nicht im Entferntesten gewagt, von solch einer Großzügigkeit auch nur zu träumen.

Mit Pan Am, der damals nach Eigenwerbung erfahrensten Fluggesellschaft der Welt, inzwischen pleite, ging es nach Frankfurt/Main und gleich weiter in ein Aufnahmelager an der Dreisam in Freiburg/Breisgau. Nach gut drei Wochen wurden wir weitergeschubst in ein Lager in Donaueschingen. Natürlich verpaßte ich die Schule und verlor insgesamt dann ein halbes Schuljahr. Schließlich wurden wir zwangseingewiesen in einen weiß gekalkten ehemaligen Kuhstall in einer Bläke, wo es nichts gab: keine Telefonzelle, kein Tante-Emma-Laden, keine Bushaltestelle, nur ein paar Bauernhöfe. Obwohl wir Deutsche waren, haben die Bauern uns abgelehnt und zurückgewiesen. Sie verkauften uns nicht einmal ihre Milch. Kein Aufschrei ging durch die Welt, wie es heute der Fall wäre, wenn auch nur ein einziges Geschäft die Warenabgabe an einen Ausländer verweigerte! Entsprechend lebten wir weitgehend aus dem Wald, d.h. von Beeren, Pilzen, Kräutern und Brennesseln. In der Zwergschule war der Lehrer mir böse, weil ich Fiesling dank meiner aus der SBZ mitgebrachten Schulkenntnisse seine Schüler in den Schatten stellte und ihn blamierte. Das hätte ich besser nicht tun sollen. Er rächte sich: „Eure Eltern müssen für den Rotzlöffel die Schulbücher bezahlen!“ Das sollte ein deutscher Lehrer heute mal zu Türken- oder Araberschülern zu sagen wagen! Er würde wohl auf der Stelle von den besorgten Eltern gelyncht.

In der Folge bin ich schon mit 12 Jahren immer wieder allein mit dem Interzonenzug über den Eisernen Vorhang gefahren, um meinen Vater in Thüringen zu besuchen. Gelegentlich nahm er mich auf seinen genehmigten Berlinreisen mit und ich sah West- und Ost-Berlin vor der Mauer, obwohl ich eigentlich DDR-Besucher war. Dabei war ich als Republikflüchtling immer wieder gefährdet und die Vopos waren verschiedene Male versucht mich festzusetzen. Ich konnte sie aber jedes Mal überzeugen, daß ich mit meinen vormals acht Jahren zu jung war, um eigenverantwortlich der DDR ade gesagt zu haben. Dabei hatte ich noch nicht einmal einen Ausweis! Damals erhielten BRD-Jugendliche nämlich erst ab 14 einen Personalausweis. Infolgedessen reiste ich stets mangels eines besseren Papiers immer nur mit meinem Taufschein umher, damit ich überhaupt etwas vorzeigen konnte. Ich wurde regelmäßig an den Grenzen beargwöhnt, hatte aber natürlich die von meinem Vater stets besorgte Aufenthaltsgenehmigung, so daß auch die strengsten Vopos mich schließlich laufen ließen; jedoch nicht ohne mich streng zu ermahnen, daß ich mich beim nächsten Mal ausweisen müsse. Ich überhörte es, bis ich 14 war und endlich einen Auseis erhielt.

Ich war am 13.8.1961, einem Sonntag, in Weimar. Auf dem Weg in die Kirche sahen wir Panzer stehen, die Straßen waren leergefegt, die Atmosphäre war eisig. Die Mauer in Berlin wuchs von Tag zu Tag. 28 lange Jahre spalteten Mauer und Eiserner Vorhang die Welt in einander feindseligen Kapitalismus und Kommunismus.

Nur ein Jahr später war der Siedepunkt des Kalten Krieges mit der Kuba-Krise erreicht. Der Torpedoschütze eines sowjetischen U-Boots, das die Raketentransporte in der Karibik beschützen sollte, hatte den Befehl seines Kommandanten, sofort einen oder mehrere Torpedos abzufeuern, wenn er beim Auftauchen durch US-Kriegsschiffe entdeckt würde. Er hatte sich geweigert und nach meinem Dafürhalten maßgeblichen Anteil, daß es nicht zu WK III gekommen ist.

Meine weiteren regelmäßigen Ferienbesuche in die DDR blieben spannend: Mal sollte ich Zahngoldplättchen der DEGUSSA für die Schwiegermutter meines Vaters mitbringen. Zielsicher entdeckte der Grenzkontrolleur in Gerstungen die Plättchen unter dem Boden meiner Reisetasche. Die Gold- und Devisenbewirtschaftung der DDR wankte. Ich mußte raus aus dem Zug und mich bis auf die Unterhose ausziehen, das Zahngold abgeben und eine peinliche Befragung über mich ergehen lassen, vulgo Inquisition. Ich sah dies als Chance zur Erkundung, was sie wohl nicht durchsuchen würden: Sie öffneten sogar die Butterbrote, schraubten aber die Kugelschreiber nicht auf und blickten nicht zwischen die Einbände und Rücken meiner Schulbücher. Hier habe ich in der Folgezeit bei meinen weiteren Interzonenreisen Hunderte von Briefmarken versteckt und herüber geschleust, u.a. die sogenannten sündhaft teuren Sperrmarken.

Ende der 60er-Jahre kamen die ersten Quarzuhren auf. Die Uhrenfabrik Glashütte in der DDR hatte, um Weltniveau zu zeigen, auch eine hergestellt. Mein Vater schenkte mir eine der ersten. Wie sollte ich sie rüber in den Westen schaffen? Ich warf die Verpackung weg und zog die Armbanduhr an, was mir am unauffälligsten erschien. Ich mußte meinen Koffer aus dem oberen Gepäckfach holen und die Uhr an meinem Handgelenk blitzte auf. Wieder mußte ich den Zug verlassen, durfte aber die Uhr behalten bzw. mußte sie an meinen Vater zurückschicken. Noch an Ort und Stelle schmiedete ich einen Plan, den ich beim nächsten Mal erfolgreich ausführte: Ich bestieg so früh wie möglich einen noch weitgehend leeren Wagon, ging in ein leeres Abteil, wickelte die Uhr in ein Tempo ein, näßte es ein, versenkte es im Klappaschenbecher unter dem Fenster und verschwand in einen anderen Wagon. In Bebra angekommen betrat ich das nun vollbesetzte Abteil und nahm unter den erstaunten Glubschaugen der Fahrgäste den untersten Inhalt des Aschers an mich. Endlich hatte meine Uhr den Eisernen Vorhang überwunden und ich war stolzer Besitzer einer der damals noch heiß begehrten Quarzuhren.

Ich war mir bewußt, daß ich mir als Kind und Jugendlicher auf meinen vielleicht insgesamt ca. 30 DDR-Reisen so einiges herausnehmen konnte. Vorbedingung für den Erhalt künftiger Aufenthaltsgenehmigungen war bei jedem Besuch für jeden Wessi, daß man der Einladung des „Clubs der Intelligenz“ Folge leistete und etwa zwei Stunden lang die Indoktrination der Systemköpfe von Nationaler Front, SED, FDGB, NAW, LDPD u. ä. bei echtem Bohnenkaffee mit Sahne, damals eine Rarität für jeden DDR-Bürger, über sich ergehen ließ. Ich erlaubte mir dumme Fragen, warum sie z.B. alle das Gleiche sagen, obwohl sie doch sechs verschiedene Köpfe sind. Oder beim Hinausgehen fragte ich einen der verkappten Stasis auf der Treppe in Richtung Marktplatz in Weimar: In der BRD kann ich laut sagen „Ich scheiße auf Adenauer“ und niemanden wird es interessieren. Warum kann ich hier nicht sagen – und jetzt ganz laut! -:“Ich scheiße auf Ulbricht.“ Selbstverständlich wurde mir sofort allerhöchste Aufmerksamkeit zuteil.

Nach dem Abitur studierte ich BWL und mußte Betriebspraktika nachweisen. Ich bewarb mich wohl als erster Wessi-Student überhaupt bei den Wartburg-Werken in Eisenach. Es dauerte gut ein halbes Jahr, bis die Stasi ihre Prüfarbeit abgeschlossen hatte, und ich erhielt, man höre und staune, eine Zusage. Für mich war sie zu spät gekommen, denn ich hatte bereits bei einer Firma in Paris unterschrieben.

Den Fall der Mauer erlebte ich vor 25 Jahren bei mir zu Hause spätabends vor dem Fernseher. Mein Herz machte Luftsprünge und am liebsten wäre ich sofort die 700 km nach Berlin gebraust, um teilzuhaben an diesem großartigen weltgeschichtlichen Ereignis. Und um jeden zu umarmen. Die Freudentränen kullerten. Aber am nächsten Tag, einem Freitag, rief die Arbeit wie eh und je.

Dafür hatte ich im Februar 1990 mein persönliches orgiastisches Erlebnis: Die Grenzkontrollen bei Ludwigslust waren weggefallen, aber das Dutzend Kfz-Furten, Paßlaufbänder und Kontrollhäuschen mitsamt den Wachttürmen standen alle noch. Statt wie früher dort nicht enden wollende entwürdigende Stunden der Demütigung zu ertragen, konnte man sich jetzt eine der freien Fahrspuren aussuchen. Ich bretterte mit über 100 km/h zwischen den fahlen kleinen Häuschen durch, rechts und links war vielleicht gerade mal 20 cm Platz zum Bordstein. Das Hochgefühl war unbeschreiblich und bleibt mir unvergessen.

Zuvor aber war ich noch fleißig gewesen: Ich hatte mir aus dem Betonwall an den Grenzanlagen einen etwa 1 kg schweren großen Betonbrocken ausgebrochen. Auf diese Errungenschaft aus Original-Stasi-Beton, jedenfalls dürfte die Stasi gut aufgepaßt und mitgewirkt haben, bin ich heute noch stolz.

Die Vereinigung beider Deutschlands rückte näher. Ich diskutierte sie auch mit meinen türkischen Kunden und es schmerzte mich, von ihnen Aussagen hören zu müssen wie: „Was interessiert mich die Wiedervereinigung! Da müssen wir nur mehr Steuern zahlen.“ Oder: „Du wirst sehen, die kommen dann alle zu uns. Das verkraften wir nicht.“ Eine allgemeine Vereinigungsphobie war deutlich zu spüren. Na ja, so viele Ossis sind dann doch nicht zu uns gekommen. Dafür seither aber umso mehr Türken, Afghanis, Irakis, Syrer, Polen, Kurden und Rumänen. Etwas mehr Dankbarkeit und Zustimmung, daß der Kalte Krieg friedlich und ohne Blutvergießen zu Ende ging, hätte ich mir als Gesamtdeutscher schon von unseren ausländischen Mitbürgern gewünscht.

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49 KOMMENTARE

  1. Vielen, vielen Dank an Martin W. für diesen schönen Bericht.
    Auch ich bin ein ehemaliges „DDR“ Kind, allerdings aus Erfurt/Thüringen.

  2. Schöne Geschichte, lieber Martin. Auch ich komme aus Vorpommern. Mir hat es immer gut in der DDR gefallen. War lange bei der Armee. LSK Luftstreitkräfte. Durfte die schönsten russischen Flieger bis nach Mosambik und an die chinesische Grenze fliegen. Humanitäre Missionen. Ein tolles
    Abenteuer. Seit 1991 bin ich Landwirt und habe viele Rindviecher usw. Alles super.

    Viele Grüße vom Einödlandwirt aus Vorpommern

  3. Ich bin kurz nach dem Mauerfall mit dem Zug von Lübeck über Rostock nach Rügen gefahren. Ich weiß noch, dass ich stundenlang im Fenster hing und mich über die schönen backsteinroten Bahnhofsgebäude freute – und ganz allgemein: Auf einer Zeitreise in die deutsche Vorkriegszeit zu sein.

  4. Was war eigentlich so schlimm daran, dass man die DDR nicht verlassen durfte? Ich meine, es gibt doch wirklich Schlimmeres … Hab ich nie ganz verstanden.

  5. Ja, Martin W., sie wollten die DMark und nach wenigen Jahren war sie weg, sie wollten Freiheit und nach wenigen Jahren finden Sie DDR 2.0 vor.

    Kohl hat eigentlich damals nichts gemacht, er hat das, das ihm vor die Füsse fiel, nie genutzt.
    Er hätte sich vom Würgegriff der USA befreien können, er hätte Ostdeutschland zurückholen können, er hätte sich zu seinem Strickjackenfreund Michail etwas mehr nur bekennen müssen und die Welt sähe anders aus.

    Hat der CIA bereits damals gesagt: Ich weiß, wo dein Haus wohnt?

    HoGeSa ! Anders gehts nicht mehr, denn unter dem Schutz von Hooligans trauen sich Normalos aus dem Haus und gehen mit, denn sonst werden sie von Linken zusammengeschlagen und die Polizei muss zuschauen.

    Die Zustände im Land werden unerträglich.

    Wo bleibt HoGeSa ?

    Wir brauchen Euch !!

  6. @ #8 SPIEGEL-Leser (09. Nov 2014 22:25)

    Was war eigentlich so schlimm daran, dass man die DDR nicht verlassen durfte?
    ——————————————-
    Eine Maschinengewehrsalve in den Rücken, das war das schlimmste,

  7. DIE WELT bejubelt Linksextremisten als tapfere Gegendemonstranten gegen RECHTS.

    Klar im Video zu sehen sind die rote Fahne mit Hammer und Sicher, lautstark werden Parolen gebrüllt, wie Deutschland ist scheiße! Aber der linksangehauchte Reporter, der eher aussieht als würde er für das linke Drecksblatt die TAZ schreiben, verkauft diese Leute als Gegendemonstranten gegen den braunen Mob und lobt seine “Antifas”.

    http://www.welt.de/videos/article134169011/Berlin-stellt-sich-dem-Hooligan-Aufmarsch-entgegen.html

  8. OFF TOPIC

    Mutti, der Mann mit dem Koks war da.

    Der Stalinismus-Weck(er)-Ruf zur Re-Dä-Dä-Rä-isierung.

    Vorsicht, Konstantin Kokser will in den Bundestag über die Biermann-Ausbürgerungsliste. Und auch noch singen!

    Hatte jetzt der Wecker einfach zu viel Nasen gezogen, oder die Nasen zogen sich zu viel Wecker rein, oder sind die beiden gerade aufgrund des jeweils anderen so krankhaft hochnäsig und persönlichkeitslöchrig?

    Das Loch in seiner politischen Bildung ist eben noch riesiger als das in seiner Scheidewand. Und schlimmer als seine Sucht dürften seine sonstigen Verwahrlosungideologien sein.

    “Liebe Freunde,
    Wolf Biermann wird in den Bundestag eingeladen um zu singen.
    Er beschimpft die Linke als Drachenbrut, so ausführlich, dass ihn Bundestagspräsident Lammert mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung ermahnen muss. Biermann meint, er lasse sich das Reden nicht verbieten und entgegnete an die Adresse der Linken: “Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch.”
    Mal sehen, wann ich jetzt in den Bundestag eingeladen werde, um meine Lieder zu singen. Und wie die Streicher, Stricher und Streichler der Bankenmacht das ertragen.
    Es wäre Ihnen zu gönnen.”

    Hier nachzulesen:
    https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=972800222737343&id=111564412194266&fref=nf

    Kokser, die über Stricher sticheln, das ist ja wie wenn Wiener Wixer wacker Wahres wähnen wollen, woimmer Wahnwelten wüten, wüstlingsinnerlich.

  9. Mein Opa war in der SA und glaubte bis zuletzt an den Endsieg. Erst als die Russen, bildlich gesprochen, in den Vorgarten schossen, vergrub Opa seine Habseligkeiten und machte sich mit Frau und Kindern von Stargard (bei Stettin) auf die Flucht.
    Es war kein einfacher Weg bis sie schließlich in Stade ankamen. Eines der Kinder, meine Mutter, erzählte immer wieder bis ins hohe Alter, wie sie in Stade empfangen wurden. Ein Polizist (möglicherweise war es auch ein anderer Offizieller) fragte seinen Kollegen, was sie mit all den angekommenen Flüchtlingen machen sollten. Der antwortete: „Am besten in die Elbe schmeißen“.

    Das sollte heute mal jemand zu den Einwanderern sagen. Dann wäre die Hölle los.

  10. Also immer wenn ich Berichte von Vertriebenen, Umsiedlern u.ä. höre, frage ich mich: Waren wir Westdeutschen wirklich so grässlich? Oder ist das selektive Wahrnehmung auf seiten der Zuwanderer?

  11. Karlsruhe: Demo gegen Christenverfolgung

    Kein Bericht? Sind nicht mal 500 Leute zusammen-gekommen, wo 10.000 bis 20.000 hätten Flagge zeigen müssen?
    Wo das pietistische Stuttgart doch so nahe ist.

    Stattgefunden hat es ja. Von den wenigen die da waren, waren es bestimmt noch mehrheitlich syrische und irakische Betroffene, vielleicht sogar ein paar Muslime, die das auch nicht wollen.

    Der deutsche bekennende Christ regelt es halt mit dem Gebet vom hinterm bequemen Wurstebrottisch.

    Wenn andere dann aber den Job erledigt haben werden diese aber behaupten es sei ihr „gerechtes Gebet“ gewesen.
    Das ist schändlich!

    Also wenn er wiederkommt, dieser „Einzige“, können wir den dann easy kreuzigen? Es wird eh keiner von denen auftauchen.
    Unglaublich!
    Vielleicht verhindert es dann ja die HoGeSa, dieses Kreuzigen? Doch, ich denke er hätte Chancen,
    … denn die würden möglicherweise den Laden vorher aufmischen. HoGeSa bloß nicht fromm werden, es könnte euch noch so brauchen wie ihr seid!

  12. Was war eigentlich so schlimm daran, dass man die DDR nicht verlassen durfte? Ich meine, es gibt doch wirklich Schlimmeres …

    Naja, Kollege SPIEGEL-Leser, so ganz unrecht haben Sie nicht.

    Wie sah das Leben eines typischen DDR-Bürgers aus?

    Wenn man DDR-Geborener war: Kinderkrippe, Kindergarten, 10 Jahre Schule, Lehre, Fahne, Beruf.

    Als Kind Jungpionier, blaues Halstuch. Dann Thälmann-Pionier, rotes Halstuch. Jugendweihe. Ab dann Freie Deutsche Jugend, Blauhemd. Regelmäßige politische Beschäftigung, regelmäßige vor-militärische Veranstaltungen.
    1. Mai: Kampfdemonstration der Werktätigen, marschieren Pflicht. 7. Oktober: dito. 8. Mai: Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die ruhmreiche Rote Armee.
    Klassenfahrt 8. Klasse: KZ Buchenwald oder Sachsenhausen.
    In den Ferien Betriebsferienlager in Thüringen, Geländespiele, Manöver Schneeflocke.
    Reguläre Unterrichtsfächer: Einführung in die Sozialistische Produktion, Unterrichtstag in der Ptoduktion.

    In der Lehre: bereite dich darauf vor, Kandidat der Partei zu werden! Hast du dich schon für drei Jahre oder länger verpflichtet? Werde Berufssoldat!

    Armee gehörte zum Alltagsbild. Keine Woche, in der nicht irgendwelche NVA- oder CA-Kolonnen öffentliche Straßen frequentierten, keine Woche ohne Fluglärm unserer oder der sowjetischen MiG’s und Su’s. Immer dabei: der Überschallknall.

    Okay, 18 Monate oder drei Jahre Fahne – den guten Willen gezeigt und einen Beitrag zum Frieden geleistet.

    Danach in die Produktion, Schichtarbeit. Frühschicht Beginn 05:40 Uhr, Feierabend 13:40 Uhr. Kantinenverpflegung: der Hunger treibts rein. Nachtschicht. Spätschicht.

    Sonntag: Kneipe. Skat, Bockwurst, Bier. Oder Fernsehen, DDR1 und DDR2.
    19:30 Uhr bis 20:00 Uhr Aktuelle Kamera. Jeden Tag das: Der Staatsratsvorsitzende der Deutschen Demokratischen Republik und Generalsekretär des Zentralkommitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands sowie Mitglied des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Genosse Erich Honecker, empfing heute den Generalsekretär der Sozialistischen Partei Hinterdensiebenbergens und Ministerpräsidenten der Demokratischen Volksjamahirija Hinterdensiebenbergens, Genossen Au’ch-Ni’ch Besser, zu einem Freundschaftsbesuch … Jeden Tag! Bis zum Erbrechen.

    Im Westen jeden Tag nur Streiks, Drogentote, Militärmanöver, Milliarden Arbeitslose. Fernsehen,
    Rundfunk, Tageszeitungen, alles das Gleiche.

    Endlich Urlaub! Harz, Ostsee. FDGB-Ferienheim, wenn man Glück hatte. Glück heisst: Vitamin B. Bei ganz viel Glück sogar einen organisierten Auslandsurlaub. CSSR, Ungarn, Bulgarien. Sowjetunion! KUBA!!! Polen ging nicht mehr – Grenze dicht.

    Versorgungslage? Brot, vier Pfund: 1,04 Mark der DDR. Brötchen: 5 Pfennig das Stück. Fleisch, Wurst: beim Fleischer, Preise weiss ich nicht mehr. Bier, Hochprozentiger: relativ günstig. Klamotten: muss man dazukommen. Unterm Ladentisch. Das meiste andere übrigens auch. Neues Auto: Wartezeit 10 Jahre. Miete: um die 40 Mark für ’ne Ein-Zimmer-Wohnung. Mit Kachelofen, also Kohle. Lüften besser nicht, je nach Windrichtung Chemiegestank, Kohlenstaub oder Tagebaudreck.

    Also eigentlich alles ganz okay soweit, für ’nen gelernten DDR-Bürger, der es nicht besser kannte.

    … wenn da nicht Oma und Opa von einem Westbesuch heimkamen. Die konnten erzählen, dass die Bilder aus dem Westfernsehen tatsächlich wahr sind. Die vollen Geschäfte, die gut gekleideten Menschen, die tollen Autos und Strassen, und überhaupt.

    Nein, die fehlende Reisefreiheit hat der gelernte DDR-Bürger als relativ zweitrangig empfunden, das war wirklich nicht das Schlimmste. Obwohl sie nicht unwichtig war. Das Schlimmste war dieses Gefühl des Betrogenwerdens, das Erkennen in einem durch und durch verlogenen System leben zu müssen, ohne Hoffnung auf Änderung.

    Kommt das HEUTE irgendjemand vielleicht bekannt vor?

  13. #8 SPIEGEL-Leser (09. Nov 2014 22:25)
    Was war eigentlich so schlimm daran, dass man die DDR nicht verlassen durfte? Ich meine, es gibt doch wirklich Schlimmeres … Hab ich nie ganz verstanden.
    …….
    @big f.j.s

    Danke für den schönen Bericht.

    Das tolle Leben hatte aber nur jemand der alles ohne murren mitmachte.
    Ging man zur Christenlehre und nicht zu den staatlichen Veranstaltungen, war nichts mit Klassenfahrten, Förderung im Sportverein, Abitur, Studium usw. Verweigerung des Wehrdienstens brachte jahrelanges Gräberschaufeln mit Schikanen wo es nur ging.
    ( Erfahrungsbericht eines Kollegen)
    Warum sollte man die DDR verlassen wollen?

    Ist wie im Islam. Der Islam bedeutet Frieden…. für den der sich unterwirft und kritiklos mitmacht.

    Das ist bitte nicht als Kritik an die DDR Bürger zu verstehen die das beste aus der Situation gemacht haben. Ich wäre genauso gewesen.
    Was aber nervt ist das verklären der Vergangenheit

  14. Starkes Schabowski-interview im Tagesspiegel, unbedingt lesen:

    Mauerfall-Jubiläum

    Günter Schabowski: „Wir wollten uns mit dem Westen arrangieren“
    (…)
    Sie sind der Einzige aus der ehemaligen SED-Führungsriege, der so einen radikalen Bruch vollzogen hat. Warum sind es nicht mehr?
    Das kann ich nicht beantworten. Ich habe die DDR auch als Experiment betrachtet. Und das habe ich bis zum Exzess ausgekostet. Wir hatten die Zeit und die Möglichkeiten, dieses sozialistische Experiment einzugehen. Und nicht nur wir. Man kann sagen: Von der Oder bis nach Kamtschatka, dieses ungeheure Gebiet mit all seinen – auch materiellen – Möglichkeiten war der Ansatz für eine sozialistische Gesellschaft. Und sie ist von Kamtschatka bis an die Oder gescheitert. 80 Jahre hat der Kommunismus existiert und herausgekommen ist die Pleite, die wir erlebt haben. Schauen wir doch auf den Schund nicht nur bei uns, sondern auch in der Sowjetunion. Ich kenne die Sowjetunion mit all ihren Unzulänglichkeiten aus eigener Erfahrung und Anschauung gut. Da frage ich mich: Warum soll ich mich damit noch weiter beschäftigen? Aus dem Scheitern muss man doch Konsequenzen ziehen, dem muss man sich stellen. Ich habe mich gestellt.

    http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/mauerfall-jubilaeum-guenter-schabowski-wir-wollten-uns-mit-dem-westen-arrangieren/1629732.html

  15. dank an martin w. und auch #17 –
    den schnoddrig-abgebruehten „Big F.J.S.“
    fuer eure aufschlussreichen schilderungen.

    ich kenne die aus erzaehlungen meiner ahnen.
    bin anfang der 60er nord-wessi geworden, aber muetterlicherseits von haldensleben-bb ueber bromberg-pol bis shitomir/ukr vor 1900
    auch mit deutschen im osten europas verwandt.
    vadderns sind aus holland/altes Land/Hamburg.

    insgesamt eine unerschuetterliche mischung,
    die von naturgewalten und politik nichts geschenkt bekam und durch ihrer eigenen kopf und haende einsatz einen nicht unerheblichen
    wohlstand auch an nachwuchs erschuf.

    und dabei nicht wurzeln und werte vergass,
    sondern behutsam an uns kinder weitergab.
    die vorkriegs-sandkistenfreunde meiner eltern aehneln sich charakterlich alle sehr stark –

    vor dieser generation habe ich hochachtung.

  16. veranstaltungshinweis bochum dienstag

    „Unter den Referenten: Christine Lüders, Avi Primor, Armin Laschet, Walter Klitz (Naumann Stiftung in Jerusalem) und Volker Beck. Ebenso erwartet werden: Reinhold Robbe, Matthias Kopp und Richard C. Schneider.“

    http://www.herausforderungzukunft.de/

    KANN man hin, MUSS man aber nicht,
    denn der ausgang ist eh vorhersehbar.

  17. SUPER ! ! !

    RUSSLAND BRINGT EIN MEDIENSCHLACHTSCHIFF GEGEN UNSERE LÜGENPRESSE IN STELLUNG !

    Unbedingt draufschauen, das ist der Beginn der Befreiung vom medialen
    KULTURBOLSCHEWISMUS !

    http://www.rtdeutsch.com

    Sie schreiben auf der Seite tatsächlich, dass sie all das bringen was unsere Mainstreammedien uns verschweigen.
    Das wird lustig werden.

  18. # 9 rasmus

    Keine Bange !

    Nur noch 5 Tage bis HANNOVER !

    Mal sehen, was heute wieder in Dresden los ist !

    Die Sache ist ins Rollen gekommen und bricht sich Bahn .

    AHU – AHU – AHU ! ! !

  19. #8 Spiegelleser

    Diese Frage stelle ich mir auch oft. Meine Mutter und Großmutter sind beide im Osten geboren und kamen mit meinem Westdeutschen Opa nach Baden-Württemberg damals. Als Kind war ich sehr oft in der DDR, wo der Rest der Familie meiner Oma heute noch lebt. Diese Familie wollte nie weg aus ihrer Heimat, sie sind auch nach dem Mauerfall nicht einmal ausgereist. Zu DDR- Zeiten hatten sie ein Telefon,ein Auto und sichere Arbeitsplätze, eine spottbillige Wohnung und zogen ihre Kinder in Sicherheit und ohne Drogenprobleme groß.Probleme mit der Stasi hatten sie nie. Die einzigen Ausländer die ich auf meinen Besuchen als Kind damals gesehen habe, waren ein paar Asiaten, die zum Arbeiten dorthin kamen und irgendwann wieder gingen. Meine ExDDR- Verwandten machen noch heute ausschließlich Urlaub in den neuen Bundesländern und wollen nicht ins Ausland, denn „bei uns in Deutschland ists viel schöner“. Soviel zu meinen persönlichen Erfahrungen…

  20. #28 sportjunkie
    Die HAZ macht Stimmung über Bande:

    „Geplanter Hooligan-Aufmarsch
    Händler zweifeln nicht an Demo-Verbot

    Hannovers City-Kaufleute sehen der drohenden Hooligan-Demonstration in der Innenstadt mittlerweile gelassen entgegen. Sie glauben fest an ein Verbot des Aufmarsches am 15. November.“
    Weiterlesen gegen €.

  21. # 29 Marie – Belen

    Was kümmerst die Eiche wenn sich ein Schwein dran scheuert……..

    Verbot hin oder her,
    demonstrieren ist trotzdem nicht schwer……

    Und die Parallelen zum DDR Ende sind echt auffallend.
    Im Herbst vor 25 Jahren feierte sie ihr 40 jährigem Bestehen.
    Kurz darauf war sie Geschichte !
    ( Mit Ausnahme ihrer Stasistrukturen )

    Und gestern feierte man 25 Jahre Mauerfall!
    Wo das wohl hinführt, hihihi…..

  22. #27 sportjunkie

    SUPER ! ! !

    RUSSLAND BRINGT EIN MEDIENSCHLACHTSCHIFF GEGEN UNSERE LÜGENPRESSE IN STELLUNG !

    Na, dann schauen wir doch gleich mal rein:

    „Anti-Salafisten Demo“: 44 Polizeibeamte nach rechtsextremem Aufmarsch verletzt 

    (Kommentare sind ausgeschaltet.)

    Es war nicht der größte rechtspopulistische Aufmarsch in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, aber möglicherweise einer der gewalttätigsten.

    Ah jetzt ja…

  23. Ein sehr schöner Bericht und mit Herz geschrieben.

    Gerne erinnere ich mich an den patriotischen Moment als Schabowski im Fernseher die Reisefreiheit bekanntgab.

    Mein Vater wusste gar nicht wo er hinweinen sollte, er konnte es nicht fassen und sprang auf und ab. Was ich zuerst aus dem Wohnzimmer hörte war ein lautes und ungläubiges NEIN?? Auch er überlegte von Hannover nach Berlin zu fahren, nun, wir waren dann ein paar Tage später dort.

    Was ist nur inzwischen aus Land und Leuten geworden? Wie auch Herr Nobile vor kurzem hier im Forum schrieb denkt man inzwischen sogar daran seine Koffer zu packen und das nicht, weil eine Mauer gefallen ist.

    Wir haben Mauern eingerissen, wir Deutsche sind aufgestanden und haben historisches geleistet.

    Und heute? Ist das überschwemmen unserer Heimat mit Menschen aller Herren Ländern eine historische Leistung? Ist sie Zweifels ohne, aber vielleicht auch die letzte historische Leistung.

  24. #17 The Big F.J.S. (10. Nov 2014 00:48)

    Das Schlimmste war dieses Gefühl des Betrogenwerdens, das Erkennen in einem durch und durch verlogenen System leben zu müssen, ohne Hoffnung auf Änderung.

    Komisch.

    Warum habe ich gerade an Deutschland im Jahr 2014 gedacht???

  25. # 32 starost

    Verdammt, wenn man sich an jeden Stohhalm klammert merkt man manchmal zu spät, dass man in Stacheldraht gepackt hat.

    Danke für den Hinweis

  26. # 33 Hannover 0815

    Mit der Grenzöffnung wurde auch speziell sozialisierten politischen Kräften der Zugang zum westlichen Politikbetrieb ermöglicht. Siehe aktuell Herrn Gauck und Frau Merkel. Der Linksruck bei den sog. Konservativen ist unübersehbar.
    Eine raffinierte Strategie. Die Leute aus dem Beitrittsgebiet übernehmen die Macht. Und ermöglichen nebenbei die sog. Freizügigkeit und die Asylschwemme.

    Gruß vom Einödlandwirt aus Vorpommern

  27. in dem ding ist einiges falsch. die aufnahmelager waren nur verwanzt und voller flöhe wenn ostpommern etc. ihre haustiere mitgebracht hatten. kinderausweise gab es auch schon seit den 50-ziger jahren. brauchte man zusätzlich zur einreisebewilligung des jeweiligen rat des kreises. die zonenschüler waren damals mitnichten leistungsstärker, da ein großteil ihrer vorgesehenen lehrer schon im westen waren. zumindest bis 1961. und, und, und. geschrieben wahrscheinlich von einem nostalgischen jungpionier. so wie es die zonenjule ja auch ist …

  28. #36 Vorpommernlandwirt

    Hallo Einödlandwirt,

    ja da haben Sie absolut Recht, unter der Ära Kohl konnte sich die Ostwachtel auf die Übernahme einschwören.

    Und Gauck passt auch absolut ins Spiel.

    Nur da Sie die „Konservativität“ ansprechen, die war damals noch gegeben, zumindest geheuchelt. Heute dürfen diese Leute offen sagen was sie wollen und werden nicht mehr abgestraft von den Wählern (jedenfalls bis dato nicht).

    Ich hoffe indes das der Untergang unserer schönen Kultur und unseres Vaterlandes nicht das letzte Historische sein wird. . .

  29. Als ich im Frühsommer 1983 als Jugendlicher versuchte ungesetzlich nach West-Berlin zu flüchten,§213,was misslang, musste ich mich im Berliner Tränenpalast,vor den GREPOS(Grenzpolizei) nackt ausziehen.Dann bekam ich Gummistockhiebe,und brüllten mich an,wie ich so etwas wagen könnte.Nach dieser bis heute nicht vergessenden Erniedrigung kam ich in die UHA Keibelstrasse.Dort war es sehr kalt und fürchterlich grau,noch grauer als es in der DDR so wieso schon war.Selbst das, auf dem Bett liegen war Tags über verboten.Die Beamtem die dort arbeiteten waren wie Zombies.Unansprechbar,und fast alle mit sächsischen Dialekt.Als die Mauer fiel,war mir nicht wohl dabei.

  30. Auch ohne 25 Jahre Jubiläum schaue ich mir oft auf Youtube die Maueröffnungsdokus an. Ich weiss nicht, wie oft ich den Schabowki und den Mann von BILD „ab wann gilt das?“ schon hab sprechen hören. Wat ham wa jeheult an jenem Freitag abend, 10. November. Wir kannten in der DDR niemanden persönlich, doch ich kann mich an kein Ereignis erinnern, das mich dauerhaft so stark mitgenommen hat. Schade, ich würde etwas Vergleichbares gerne noch mal erleben.

  31. #15 brueckenbauer

    „Also immer wenn ich Berichte von Vertriebenen, Umsiedlern u.ä. höre, frage ich mich: Waren wir Westdeutschen wirklich so grässlich? Oder ist das selektive Wahrnehmung auf seiten der Zuwanderer?“

    Auf beide Fragen: Nein!

    Ich bin Mischlingskind, mütterlicherseits Flüchtlinge, väterlicherseits westdeutsche Eingeborene. Natürlich guckten die Westdeutschen, die auch ausgebombt und ausgeblutet waren, voller Misstrauen auf die Flüchtlingsscharen. Aber längst nicht alle von ihnen waren herzlos und selbstsüchtig, einige schon.

    Aber bei allem Misstrauen und bei aller Ablehnung, die meiner Mutter und ihren Eltern tatsächlich begegnet sind, haben sie auch gute, hilfsbereite Menschen getroffen, die ihnen über die schweren Hungerjahre hin geholfen haben.

  32. #8 SPIEGEL-Leser (09. Nov 2014 22:25)

    Was war eigentlich so schlimm daran, dass man die DDR nicht verlassen durfte? Ich meine, es gibt doch wirklich Schlimmeres … Hab ich nie ganz verstanden.

    —————————

    Wer in Freiheit geboren und aufgewachsen ist, empfindet dies als Normalzustand und kann sich etwas anderes gar nicht vorstellen.
    Lesen Sie nochmal den sehr guten Beitrag von „#17 The Big F.J.S. (10. Nov 2014 00:48)“ er beschreibt sehr anschaulich die Lebenswirklichkeit in der DDR.

  33. OT?

    Es war einmal – ein Eisberg. Und zwar ein ganz besonderer! Denn – er war nicht weiß in seiner Farbe, sondern rot.

    Neugierig machten sich viele Menschen mit einem Forschungsschiff auf die Reise, um dieses rote besondere Naturereignis zu untersuchen.

    Das Wetter war herrlich. Wie geschaffen für große Entdeckungen! Die Abendsonne setzte die glatte See und die noch ferne rote Eisbergspitze in ein gleißendes, atemberaubendes und unbeschreiblich schönes Licht. Bei dieser ruhigen See gleitete das Forschungsschiff nur so dahin – beinahe schwebend – wie nach einem großen Sieg. Die Schiffsfahne wehte stolz im Fahrtwind. Volle Kraft voraus!

    Fasziniert beobachtete man den Eisberg durchs Okular. Selbst der Kapitän war von diesem Ereignis wie gebannt – regelrecht gefesselt.

    .
    .
    .

    *****!!!!! RRRRUMMS !!!!!***** Was war DAS ??? …

    Plötzlich fuhr es jedem Passagier bis ins Mark: Der Eisberg! Gerammt? Schiffbruch! Oh nein …! Natürlich … !!

    Vor lauter Neugier und Euphorie vergaß man, dass vorher auch Andere schon mit solch einem roten Eisberg kollidiert waren und mehrmals Schiffbruch erlitten hatten…

    Und abermals hofften und flehten alle Menschen an Bord. Und … wenn sie nicht gestorben sind, leben die dann heute wirklich noch … ?

    ***

    Dieser Tage ist in Deutschland auf beinahe allen TV-Sendern eine seltsam überspitzte Euphorie über die 89er Ereignisse zu bemerken. Diese ist beinahe schon bizarr.

    Der einfache Bürger soll damit offenbar derart eingenebelt werden, sodass dieser möglichst nicht bemerken möge, dass einen die sozialistische Vergangenheit schon längst wieder eingeholt hat – europaweit nun schon zum zweiten mal und deutschlandweit nun schon zum dritten male.

    Einmal mehr verunsichert es mich, dass die SED in Deutschland bereits wieder in einer Weise salonfähig ist, dass sie potentiell kurz davor steht, den ersten Ministerpräsidenten der nach 89er BRD zu stellen.

    Ramelow in Thüringen ist nur das winzige Köpfchen jenes schillernden, aber eigentlich bedrohlich roten Eisberges, welcher gerade – trotz Mauerfall-Feier – schon wieder zu faszinieren scheint …

    Ferner ist es sehr irritierend, in welch antisemitischer Weise es die BRD-Massenmedien unterließen, über den 9. November 1933 zu warnen. Ich entdeckte gestern nur jeweils ein einziges mal in den jeweiligen Abendnachrichten eine kurze Meldung dazu. Die hohen Herren da in Deutschland sind doch sonst auch nicht so zimperlich, gegen unbescholtene Staatsbürger ihres Landes die NAZI-Keule zu schwingen – mit eben gerade jenem 33er Datum als willkommene Abschussrampe.

    Nun, wer sich weigert, aus der älteren und auch aus der jüngeren Geschichte zu lernen, ist dazu verurteilt diese wiederum schmerzlichst zu durchleben.

    PS:
    Vielen Dank übrigens, Herr W., für Ihren Erlebnisbericht im Artikel. Dieser inspirierte mich zu oben niedergeschriebener Kurzgeschichte …

  34. #17 The Big F.J.S. (10. Nov 2014 00:48)

    nein, die fehlende Reisefreiheit hat der gelernte DDR-Bürger als relativ zweitrangig empfunden, das war wirklich nicht das Schlimmste. Obwohl sie nicht unwichtig war. Das Schlimmste war dieses Gefühl des Betrogenwerdens, das Erkennen in einem durch und durch verlogenen System leben zu müssen, ohne Hoffnung auf Änderung.

    ——————————–

    Sie haben recht, die Reisefreiheit war nicht entscheidend, der DDR- Bürger hatte sich eh damit abgefunden, lebenslang eingesperrt zu bleiben.
    Aber es wuchs der Zorn über vergeudete Lebensjahre, die muffige Enge, das Einheitsgrau, den Dreck, den Zerfall, den Mangel überall, die Bevormundung und Bespitzelung, die Überlegung, was man wo sagen darf, das Eingesperrtsein in dieser Hoffnungslosigkeit. Die Reaktion darauf war der Rückzug ins Private, in den Kleingarten, in die Datsche. Der vielgerühmte Zusammenhalt der Ostdeutschen war in Wirklichkeit ein Zweckbündnis: besorgst du mir den Trabbiauspuff, kriegst du von mir einen Sack Zement. Im krassen Gegensatz dazu: SED- Parolen, Transparente, Propaganda, Sieg des Sozialismus auf Schritt und Tritt, während draußen alles zusammenkrachte.
    Kohl hat in seiner Rückschau recht: nicht die DDR- Bürger haben die Einheit herbeidemonstriert, die haben wir ausschließlich dem Ende des kalten Kriges und Gorbatschows Einsicht in die katastrophalen desaströsen wirtschaftlichen Zustände zu verdanken, die in 40 Jahren SED- Diktatur dieses Land ruiniert hatten.

  35. @ #42 AtticusFinch

    Sehr richtig.

    Ich habe die vage Vermutung, das die Flüchtlinge, welche zum Ende des 2. WK ins zerbombte Deutschland kamen, mit Wenigstem zufrieden waren, dankbar erst mal für jedes winzige zerbeulte Wellblechdach über dem Kopf und für jeden Brosamen, welchen sie geteilt bekamen. Ich bezweifle, dass diese Geflüchteten oder Ausgewiesenen jemals auf die Idee solch zügiger, zügelloser und deutlicher Forderungen im Ziel-Land gekommen wären.

    Und – auch die heutigen Flüchtlinge betreffend – ich gehe noch immer optimistisch davon aus, dass jene, welche wirklich niemals hier her nach Deutschland wollten und nur deshalb hier sind, weil sie mit dem nackten Leben davon kamen, sich demütig ruhig und fast schüchtern verhalten, weil auch diese Menschen über alles Winzige froh sind, was nicht nach Krieg ausschaut …

    DAS sind jedenfalls NICHT all diese krakeelenden Asylforderer.

    Und SOLCHE Flüchtlinge kommen nach wie vor noch immer auch aus jenen Balkanländern, die mit all ihrem zunehmendem Islam nun offiziell auch schon wieder als ’sicher‘ eingestuft wurden …

    Das ursprünglich mit dem positiven und caritativen Terminus ‚Obdach dem Armen‘ belegte Wort ASYL – egal ob für einen Fremden oder einheimischen – wurde in Deutschland leider schon lange diskreditiert.

  36. #17 The Big F.J.S. (10. Nov 2014 00:48)
    19:30 Uhr bis 20:00 Uhr Aktuelle Kamera. Jeden Tag das: Der Staatsratsvorsitzende der Deutschen Demokratischen Republik und Generalsekretär des Zentralkommitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands sowie Mitglied des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Genosse Erich Honecker, empfing heute den Generalsekretär der Sozialistischen Partei Hinterdensiebenbergens und Ministerpräsidenten der Demokratischen Volksjamahirija Hinterdensiebenbergens, Genossen Au’ch-Ni’ch Besser, zu einem Freundschaftsbesuch … Jeden Tag! Bis zum Erbrechen.

    Das hieß aber etwas anders, als regelmäßiger Konsument habe ich den Wortlaut von Angelika Unterlauf noch genau im Kopf 🙂

    Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Erich Honecker hat den/die/das … (Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED) … empfangen.

    Dazu immer wieder dieselben Höchstleistungen und „freiwilligen“ Verpflichtungen:

    Unsere Werktätigen, die den Plan zu 110% übererfüllt haben, soundsoviele rekonstruierte oder neu gebaute Wohnungen im Monat (selbstverständlich ebenfalls über dem Plan), unsere Armee, die zuverlässig unsere Grenzen gegen die Aggression des BRD-Imperialismus schützt, Kampfdemonstrationen der Werktätigen für Sozialismus und Frieden, Konsultationen mit Ergebenheitserdressen der Blockparteien, Besuche sozialistischer Persönlichkeiten aus/in den „anderen sozialistischen Staaten zur weiteren Festigung“ der „unverbrüchlichen Freundschaft mit den Bruderstaaten“, dafür im Gegenzug:
    „Die Arbeitslosigkeit in der BRD ist um x Prozent gestiegen“, „Die Wohnungsnot in der BRD ist weiter gestiegen“, „In der BRD sind heute x Demonstranten bei einer Kundgebung für den Frieden/gegen den Faschismus inhaftiert/verletzt worden“…

    Regelmäßig bis zum Erbrechen wiederholte Phrasen im antifaschistisch-demokratischen ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden:

    Alles für das Volk, alles durch das Volk, alles mit dem Volk

    Arbeite mit, plane mit, regiere mit

    Der Kampf für den Frieden ist unsere vordringlichste Aufgabe

    Zu Sozialismus und Frieden gibt es keine vernünftige Alternative

    Der abenteuerliche Kurs der US-(BRD-)Imperialisten hat uns an den Rand eines Weltkrieges geführt.

    Ganz so offensichtlich ist die heutige Indoktrination nicht (das soll sie ja auch nicht sein) aber die Parallelen in der Gegenwart sind unübersehbar, nur die Phrasen wurden ausgetauscht:

    Statt „Bruderbund mit der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten“ wird die die „EU“ beschworen, statt „keine vernünftige Alternative“ heißt es nun „alternativlos“, statt „antifaschistisch-demokratischer Grundordnung“ der „demokratische Konsens“ und den „aggressivem US-Imperialismus“ hat „Putin“ als „Bedrohung des Weltfriedens“ abgelöst.

  37. @Paul_Revere

    Warum habe ich gerade an Deutschland im Jahr 2014 gedacht???

    @stephanb

    Ganz so offensichtlich ist die heutige Indoktrination nicht (das soll sie ja auch nicht sein) aber die Parallelen in der Gegenwart sind unübersehbar, nur die Phrasen wurden ausgetauscht

    Genau!

    Dabei müssten wir Deutschen doch eigentlich noch wissen, wohin Indoktrination führt. Drittes Reich. DDR. Und demnächst EUdSSR?

    Warum verdammt noch mal müssen wir um’s Verrecken schon wieder zum „Neuen Menschen“ zurechtgebogen werden?!

    Wir wollen das nicht, wir haben davon ein für allemal genug! Wir wollen einfach nur leben, mit unseren Nachbarn anständig und ohne Streit auskommen, unseren Kindern ein lebenswertes Land schenken und uns zur passenden Zeit zufrieden verabschieden.

    Und wenn Merkel, Juncker, Obama und Co. das nicht passt, dann jagen wir sie und ihre Proteges halt dorthin wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst!

    Darum:
    Auf nach Hannover.
    Auf nach Dresden.
    Auf die Strasse!

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