Gauck: „Fürchtet Euch nicht!“

gauck_weihnachtenHeute Abend kann jeder, der es sich antun möchte wieder Zeuge werden, dass Deutschland zwar einen Bundespräsidenten hat, nur eben keinen für den Deutschland im Vordergrund steht. Wie dem Vorabdruck seiner Rede zu entnehmen ist, macht Joachim Gauck sich ausgiebig Gedanken über „Flüchtlinge“ und jene offenbar angstgestörten Deutschen, die das Land lieber vor der Flut der Eindringlinge „abschotten“ als es ausliefern wollen und ruft dem noch denkenden Teil der Bevölkerung deshalb zu: „Fürchtet Euch nicht!“. JETZT mit Video der Weihnachtsansprache!

(Von L.S.Gabriel)

Der Bundespräsident freut sich darüber, dass „wir uns in diesen festlichen Tagen gegenseitig beschenkten“ und beklagt das Elend der „Heimatlosen und Vertriebenen“. Für ein „friedvolles Miteinander“ bräuchten man die „Achtung voreinander und das Achtgeben aufeinander“, meint er. Um uns gleich darauf hinzuweisen, dass „dieses Gebot auch alle Religionen kennen“ würden. Es sei „ein deutliches Zeichen für die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft, dass es so viel Bereitschaft gäbe, Flüchtlinge aufzunehmen“.

Teile des Volkes sind also angstgestört; man fragt sich nur woran man leiden muss, um einem derartigen Realitätsverlust anheimzufallen?

Rund 1,6 Millionen Kinder in Deutschland werden wohl kaum Geschenke unter dem Weihnachtsbaum vorgefunden haben. Etwa eine halbe Million alte Menschen, werden ihr Weihnachtsessen aus einer Mülltonne fischen müssen. Aber Deutschland soll sich lieber um junge kraftstrotzende Afrikaner kümmern, die täglich die Mittelmeerküsten Europas fluten.

Der Seitenhieb auf Pegida und die Menschen, die sich eben darüber Gedanken machen wird umso dreister, als Gauck es dann auch noch hinbekommt eine Brücke von den weltweit Ermordeten und Gefolterten zu der „Friedlichkeit aller Religionen“ zu spannen. Hier wird ebenfalls ganz einfach mal übersehen, dass das in der Mehrzahl von Moslems verfolgte Christen sind und dass gerade die eine vernichtet geringe Zahl der in Deutschland Ankommenden stellen.

Kein Friede ist selbstverständlich. Jeder Frieden, ja, auch der, den wir bei uns glücklich und in Freiheit erleben, ist kostbar. [..] Die Botschaft „Fürchtet euch nicht!“ dürfen wir auch als Aufforderung verstehen, unseren Werten, unseren Kräften und übrigens auch unserer Demokratie zu vertrauen,

formuliert Joachim Gauck.

Ja, genau das ist Pegida: Eine Bewegung, die auf Demokratie baut und sich erhebt, um unsere Werte und unsere Freiheit zu bewahren und zu verteidigen. Nicht aus vom Bundespräsidenten unterstellten „angstgeweiteten Augen“, sondern aus Liebe zu diesem Land und Sorge um seine Bürger.

Hier der die ganze Rede im Wortlaut:

„Guten Abend aus dem Schloss Bellevue. Ich wünsche Ihnen allen, wo immer Sie jetzt zuschauen, ein frohes Weihnachtsfest!

In diesen festlichen Tagen beschenken wir uns gegenseitig. Durch gute Wünsche und Besuche zeigen wir: Wir gehören zusammen. Als Familie, als Freunde, als Nachbarn. Wir brauchen diese Bindungen. Denn Glück und Erfüllung erfahren wir, wenn wir anderen zukommen lassen, was wir selber für uns erhoffen: Aufmerksamkeit, Nähe und Zuwendung.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir stehen am Ende eines Jahres, das uns viel Grund zur Freude bietet: Deutschland hat mehr Arbeit als je zuvor, es ist im Ausland beliebt wie nie, und Fußball-Weltmeister sind wir auch.

Zugleich aber blicken wir zurück auf ein Jahr voller Friedlosigkeit, auf Kriege, Bürgerkriege, Terror und Mord, sogar unter Berufung auf die Religion. Fast täglich hören wir von getöteten Menschen. Das Elend der unzähligen Heimatlosen und Vertriebenen steht uns vor Augen. Wenn wir dann die weihnachtliche Botschaft hören: „Friede auf Erden!“, so klingt sie in diesem Jahr besonders dringlich. Denn wir spüren: Kein Friede ist selbstverständlich. Jeder Frieden, ja, auch der, den wir bei uns glücklich und in Freiheit erleben, ist kostbar.

Unser Land ist heute ein Land des Friedens. Deshalb: Wo wir dazu beitragen können, dass Frieden erhalten oder gestiftet, dass Leid gelindert und eine bessere Zukunft gebaut werden kann, sollten wir alles tun, was in unserer Macht steht. Unsere Kultur, unsere Demokratie steht gegen Unfrieden, Hass und todbringende Gewalt.

Große Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen

Eine menschliche Gesellschaft braucht die tägliche Achtung voreinander und das tägliche Achtgeben aufeinander. Nur so schafft sie ein friedvolles Miteinander. Dieses Gebot kennen auch alle Religionen, es verbindet und verpflichtet uns alle. Ein deutliches Zeichen für die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft sehe ich darin, dass es mittlerweile so viel Bereitschaft gibt, Flüchtlinge aufzunehmen.

Vor wenigen Tagen habe ich einen Verein in Magdeburg besucht, der sich um minderjährige Flüchtlinge kümmert, die ohne Familie in Deutschland gestrandet sind. Dass wir mitfühlend reagieren auf die Not um uns herum, dass die Allermeisten von uns nicht denen folgen, die Deutschland abschotten wollen, das ist für mich eine wahrhaft ermutigende Erfahrung dieses Jahres.

„Fürchtet euch nicht“

Ermutigung: Das ist die zweite weihnachtliche Botschaft. Auch sie erklang einst auf den Feldern von Bethlehem und sie lautet: „Fürchtet euch nicht!“ Der Gott, der der Welt in der Gestalt eines kleinen Kindes erschienen ist, will jede Furcht von uns nehmen.

„Fürchtet euch nicht!“: Das möchte ich in diesem Jahr allen zurufen, die sich durch die Entwicklung in der Welt beunruhigt fühlen, die besorgt sind, dass wir auf etliche Fragen noch keine Antworten kennen. Ängste ernst zu nehmen, heißt nicht, ihnen zu folgen. Mit angstgeweiteten Augen werden wir Lösungswege nur schwer erkennen, wir werden eher klein und mutlos. Die Botschaft „Fürchtet euch nicht!“ dürfen wir auch als Aufforderung verstehen, unseren Werten, unseren Kräften und übrigens auch unserer Demokratie zu vertrauen. Und wir haben es doch schon erfahren: Wer sich den Herausforderungen stellt, findet auch Lösungen.

Gerade jetzt, 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution, erinnern wir daran, dass sich die Verhältnisse zum Besseren wenden lassen. Wir wissen: Ängste werden uns immer begleiten. Aber wir wissen auch: Das zu leben, was wir das Humane nennen, ist tatsächlich unsere große Menschenmöglichkeit. Dies erfahren wir immer wieder.

Dank an alle, die die Welt besser machen

Ich denke an die vielen, die sich auch heute in der Nachbarschaft, im Krankenhaus oder im Heim um Mitmenschen kümmern. Ich denke auch an Menschen, die in den Ebola-Gebieten Afrikas tätig sind. An die vielen Entwicklungshelferinnen, an Soldaten, an Ärztinnen – an alle, die aus dieser Welt und aus unserem Land einen besseren Ort machen. Wir alle können einen Beitrag leisten, damit der Wärmestrom lebendig bleibt, ohne den die Welt kalt und friedlos wäre: Indem wir uns engagieren, wenn unsere Mitmenschen Hilfe brauchen. Indem wir Bedrohten Frieden und Verfolgten Schutz bieten. Dazu kann uns die weihnachtliche Botschaft Mut zusprechen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein fröhliches, gesegnetes Weihnachtsfest.