Pegida wird zur Anti-Medien-Demo

probelBereits zu Anfang der gestrigen Weihnachtsdemo machte Versammlungsleiter Lutz Bachmann klar, woher der Wind in Dresden weht: Es gab erst mal drei Preise für die schmutzigsten Medien: Auf dem Siegertreppchen erwartungsgemäß der NDR wegen einem RTL-Interview-Kuckuck im Nest der Demonstranten.

(Von Wolfgang Prabel)

Die Kameraleute des Fernsehens hatten alle Logos und Firmenbeschriftungen von ihren Werkzeugen abgebaut, damit das Volk nicht sieht, welche Fälscherwerkstatt sie geschickt hat. Russia Today filmte vorsichtshalber gleich aus 300 m Entfernung. Immer mehr Plakate der Demonstranten thematisieren die Berichterstattung und die Systemmedien.

Der Theaterplatz, auf dem die Demo stattfand, grenzt an das sogenannte Italienische Dörfchen am Elbufer. Aber nicht nur das ist italienisch in Dresden. Der Italiener Beppe Grillo hatte das Konzept der maximalen Medienferne, so wie es vom Orgateam der PEGIDA angewendet wird, entwickelt. Grillo führte seinen Tsunamiwahlkampf zum italienischen Abgeordnetenhaus und Senat ausschließlich im Internet und auf den großen Plätzen des Landes. Die Presse und der Sender RAI wurden von ihm scharf angegriffen. Wohlgemerkt: Er griff das Fernsehen zuerst an, und nicht das Fernsehen ihn. Eine Abgeordnete seiner Partei, die die eitle Frechheit hatte, in einer italienischen Talk-Show aufzulaufen, wurde am folgenden Morgen aus der Partei rausgeschmissen. Zur Warnung an alle Mitglieder.

Das Dresdner Orgateam baut auf den Erfahrungen von Beppe Grillo auf. Die Salafiten werden immer noch thematisiert, zum Beispiel in einer Lesung aus dem Buch von Heinz Buschkowsky. Thematisch nimmt die Medienkritik jedoch immer mehr Raum ein. Am Schluß der Veranstaltung sagte eine junge Dame vom Orgateam unter starkem Beifall der Demonstranten, daß jeder syrische Flüchtling willkommener sei, als die Gegendemonstranten.

Die Gegendemonstranten tauchten nämlich wie immer im Schlepptau eines Kamerateams auf. Ein Schelm, der da an Zufall glaubt. Die Antifa hatte nur die Zeit ein einziges Mal „Nie wieder Deutschland“ zu rufen, als ihre Aktion in zehntausendstimmigen „Raus“-Rufen zusammenbrach. Die Antifa hat mit folgender Behauptung ja recht: Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Der Hauptfeind sind nämlich die Medien und die Antifa.

Die SPD behauptet, die Demo-Teilnehmer trügen Nadelstreifen. Um das näher zu prüfen, hatte ich mich einem Sammeltransport nach Dresden angeschlossen. Auf der Fahrt war genug Zeit, die Demonstranten kennenzulernen. Drei waren Selbständige, zwei Bundesbeamte, einer war Koch und zwei waren rüstige Rentner, die sich die Zeit als Demonstrationstouristen zerteilen. Sie hatten früher im DDR-Knast gesessen und waren nach dem Westen verkauft worden. Drei waren bis vor kurzem Anhänger der Jungen Union. Daß das alles frustrierte Niedergangstypen sind, die ihre Angst vor dem sozialen Abstieg mit Fremdenfeindlicheit garnieren, stelle ich angesichts dieser Soziologie mal in Frage. Auch das mit den Nadelstreifen ist Quatsch. Es ist überwiegend der Typ des hart arbeitenden Steuerzahlers, der zur Demo geht, weil er in den Parteiprogrammen, Wahlkämpfen und vor allem in der täglichen Politik nicht mehr vorkommt. Die Schuld daran wird den Medien gegeben.

Lutz Bachmann treibt mit seinem kleinen Mikro und zwei mittelmäßigen Lautsprechern die Medien vor sich her. Wie er auf der Bühne steht: Man vertraut ihm. Er ist unser Beppe. Wenn man die Medien von Anfang an hart angreift, und sich von ihnen unabhängig macht, ist eine Kampagne heute gut planbar und die Risiken sind beherrschbar. Man muß zuerst angreifen, so daß die Schmutzkampagnen der Medien wie deren Selbstverteidigung wirken.

(Im Original erschienen auf prabelsblog.de)


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