In Frankreich spricht man über Houellebecqs „Unterwerfung“, in Deutschland ist „Ruhrkent“ mit der Vision eines türkischen Staates im Ruhrgebiet der jüngste literarische Beitrag über die glückliche bunte Zukunft, die uns alle erwartet. Komplett im Jamben-Versmaß geschrieben, will „Ruhrkent“ auch das anspruchsvolle Leserpublikum überzeugen. PI hat dieses ungewöhnliche Buch bereits mehrfach besprochen. Im Zuge der aktuellen Islamdebatte sei noch einmal ein Blick auf den Islam in „Ruhrkent“ geworfen. Im Zwischenkapitel „Die geblümten Ranken“ thematisiert das Buch die totalitären Auswirkungen des Islams auf die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland und warnt vor den inhaltlichen Parallelen zwischen Islamfaschismus und Nationalfaschismus.

(Von Markus G.)

In „Ruhrkent“ geht es in erster Linie um den innerdeutschen Konflikt zwischen Staat und Volk, um Fragen nach Recht und Unrecht der derzeitigen Siedlungspolitik, um das Verhalten der Deutschen und die generellen Mechanismen der Macht. Islam und nationalistisches Türkentum als die wichtigsten politischen Treiber innerhalb der machtorientierten, kolonialistisch denkenden ausländischen Bevölkerung in Deutschland spielen nur eine indirekte Rolle. Unverkennbar allerdings verkörpert die Figur des Richters Abdul-Tablib, der in den Schlusskapiteln das Urteil über den Helden spricht, den orientalischen Extremismus: ein Islamist, dessen Ideologie und deren Auswirkungen auf das Rechtssystem im zweiseitigen Kurzkapitel „Die geblümten Ranken“ thematisiert werden.

Auch wenn unsere heutigen Politiker die Gefahr der Einführung der Scharia in Deutschland gern als Schwarzmalerei abstreiten, ist das zukünftige Eindringen eines islamischen Parallelrechts in das deutsche Rechtssystem unausweichlich, es ist Kernbestandtteil der gesamten Islamisierung. Und wie immer wird der Politik auch in dieser Hinsicht nichts anderes übrig bleiben, als sich dem gewaltgestützten religiösen Druck zu beugen. Umsetzen wird sie die Einführung der Scharia nicht in einem großen Wurf, sondern wie üblich schrittchenweise:

In den Zeitungen war nämlich in den letzten Wochen immer häufiger zu lesen, dass im Rahmen von Modellversuchen, um die im Vertragswerk garantierte Selbstbestimmung des Autonomiegebiets noch stärker als bisher mit Leben zu erfüllen, Gottesurteile, natürlich nur in Einzelfällen und vorerst in Maßen, ganz gemäßigt, hier und da im Schiedsrecht und im Eherecht und anderswo, wo das nicht schaden könne und sofern erforderlich, im Erbrecht und im Handelsrecht, im Steuerrecht und im Verwaltungsrecht, im Bürgerrecht, im Strafrecht und im Menschenrecht (…) geprüft, gebilligt und, nachdem man sie schon längst vergessen hatte, sorgsam wiederaufbereitet worden seien.

Marketingtechnisch werden Politiker und Presse, typisch für die Propagandaformen der Bunten Republik, diese Einführung einer parallelen Religionsjustiz in Deutschland selbstverständlich von den Deutschen bejubeln lassen:

Ab dem nächsten Jahr, so ließ man mich auf leserfröhlich mit geblümten Ranken, Eichenlaub und Gloriolen ausgeschmückten Doppelseiten des Lokalblatts wissen, würden diese (…) fortschrittlich-gemeindienlichen Rechtsverordnungen in Ruhrkent von den Richtern angewandt (…)

Schon heute lässt sich erkennen, dass die Rechtsprechung der Bunten Republik den Rechtsgrundsatz der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz aufgegeben hat, vor allem um bei Gewaltdelikten die politisch gewünschte mildere Bestrafung von Ausländern zu ermöglichen. Dieser Trend, die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz in Deutschland außer Kraft zu setzen, ein wichtiges Markenzeichen totalitärer Dikaturen, wird sich in Zukunft durch die anstehende Einführung von Scharia-Elementen weiter verstärken:

Ich jedoch sei nicht von diesem Recht betroffen, denn vor dem Gesetz sei ich in Zukunft eher ungleich, und man führe nun für jede Geistes- und Gedankengruppe eigene, von den Behörden selektierte, ganz verschiedenartige Berechtigungen ein (…)

Die Wortwahl „selektiert“ weist unverkennbar auf die Parallelen zum Rechtsverständnis des NS-Staats hin, in dem der Grundsatz der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz ebenfalls aufgegeben wurde. Durch diese gemeinsame Abschaffung des Gleichheitsgrundsatzes gibt sich das Gegensatzpaar dieser beiden deutschen Unrechtsstaaten, NS-Staat und Anti-NS-Staat Bunte Republik, aus juristischer Sicht sozusagen die Hand.

Die in „Ruhrkent“ vorhergesagte Wiedereinführung religiöser Gesetzgebung in Deutschland ist ein historischer Rückschritt:

…beschloss ich wenigstens, mich über solche Dinge fortzubilden, mit der Zeit zu gehen also, und erwarb mir Neuauflagen mittelalterlicher Schriften aus dem dreizehnten Jahrhundert, abgefasst in reinstem Vatikanisch (…)

Diese Retro-Religiösität der Justiz bedeutet zugleich das endgültige Scheitern des bundesdeutschen Grundgesetzes, das trotz aller Bemühungen, einen Rechtsstaat in Deutschland zu schaffen, vor den inhaltlichen Parallelen zwischen Islamfaschismus und Nationalfaschismus kapitulieren wird:

(…) Obere und Untere und Lebenswerte, nicht so Lebenswerte, Manneszucht und Weiberzüchtigung, die Heiligkeit der Pflichterfüllung und die Herrlichkeit des Heldentods. Das war ja alles Grund des Grundgesetzes (…), und man lehrte solche Dinge keineswegs, wie ich erwartet hätte, im Verborgenen, in schmuddeligen Hinterhofbaracken, sondern ungehindert überall im ganzen Land, an jeder Schule und sogar bereits im Kindergarten.

Mit Blick auf die angesprochenen Parallelen zum Nationalfaschismus kommt der Held zu der notwendigen Schlussfolgerung:

Die Dinge schienen sich zu wiederholen, und musste sich, wenn man schon ahnen konnte, wie es weiterging, das alles nicht noch einmal antun.

Dass die „Dinge sich wiederholen“, dass in Deutschland eine Form des Faschismus also nur durch einen andere Form von Faschismus ersetzt wird, wollen wir nicht hoffen. Wirklich verhindern können wir dies nur durch aktives, entschlossenes und mutiges politisches Engagement. „Ruhrkent“ ist eine Warnung. „Ruhrkent“ darf niemals Wirklichkeit werden.

» Ruhrkent: Roman von C.M., Broschiert, 184 Seiten,Arnshaugk Verlag, Erste Auflage (3. Oktober 2014), ISBN-10: 3941094157, Preis: EUR 19,80.

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13 KOMMENTARE

  1. PI:

    In Frankreich spricht man über Houellebecqs „Unterwerfung“, in Deutschland ist …

    Nicht nur in Frankreich, möchte ich nur anmerken, in Deutschland wurden in wenigen Tagen 150.000 Exemplare von „Unterwerfung“ verkauft, die Feuilletons waren voll davon, allein die FAZ beschrieb den Roman in drei langen Artikeln, zu Houellebecqs einziger öffentlichen Lesung in Köln kamen 600 Leute! Die Franzosen staunen, „Le Point“: „Triumphaler Empfang für Houellebecq in Deutschland!“ Und das zu recht: Selten habe ich einen Roman mit solcher Gier verschlungen. Was heißt eigentlich „Ruhrkent“?

  2. Das Buch ist tatsächlich sehr zu empfehlen, weil es inhaltlich und literarisch gut ist. Keine primitive Hetze, sondern eine kleine, fast banale Geschichte mit Hintergrund und Tiefgang. Mit Sicherheit gibt es derzeit kein besseres Buch zu Thema, das Niveau hat.

    Ich habe es dreimal an Personen verschenkt, die eher unpolitisch sind und sich bisher wenig mit dem Islam beschäftigt haben. Alle haben sich überraschend positiv geäußert.

    Mit solchen literarischen Produkten, die nicht einmal viel Action haben, dafür aber alles beinhalten, was an politischer Botschaft rüberkommen soll, erreichen wir weitestes Kreise, die wir sonst nicht erreichen können.

    Das Buch muss nur in diese Kreise kommen. Wir können dafür sorgen.

  3. Ruhrkent ist eine Mischung aus Ruhrgebiet und Taschkent. Es ist ein sprachliches Symbol für die Folgen der Kolonisierung Deutschlands durch Fremde.

    Wollte man in Mannheim nicht auch schon einen Stadtteil mit einem türkischen Namen versehen?

  4. „Unterwerfung“ ist ein Buch, was kaum mit dem Islam zu tun hat und überschätzt wird.

    In Frankreich kommt es zur Stichwahl zwischen Le Pen und einen chasismatischen Islamisten.
    Le Pen geht natürlich überhaupt nicht, da Nazi und so untzerstützen alle „demokratischen“ Kräfte den Islamisten, um Le Pen zu verhindern.

    Nicht der Islam hat Frankreich abgeschafft, sondern die Franzosen selbst.
    Dabei sind die Franzosen vom Selbsthass(wie die Deutschen) geprägt und haben keine eigenen Werte mehr.

    Und die Möglichkeit jetzt 4 Frauen haben zu können, wird auch gerne angenommen.

    Das Volk der französiscchen Revolution ist tot.

  5. Gesetz mit der Türkei kündigen!

    OBERVERWALTUNGSGERICHT
    Türken müssen kein Deutsch mehr können

    Berlin – Türken, die ihren Ehepartnern nach Deutschland folgen, müssen ab sofort nicht mehr Deutsch sprechen können! Der bislang eingeforderte Sprachtest fällt weg. Das hat Freitag das Oberverwaltungsgericht Berlin entschieden (AZ: OVG 7 B 22.14).
    Grund: ein Spezialabkommen mit der Türkei aus dem Jahr 1980, auf das sich eine türkische Klägerin berufen hatte.
    Das Abkommen erleichtert die Voraussetzungen, unter denen Türken zu ihren Ehepartnern nach Deutschland ziehen dürfen. Der Clou: Neue Gesetze dürfen diese Bedingungen nicht verschlechtern!

    http://m.bild.de/regional/berlin/oberverwaltungsgericht-berlin-brandenburg/tuerken-muessen-kein-deutsch-koennen-39571366,variante=L.bildMobile.html

  6. Henryk Broder wieder fabelhaft: „Der normale Wahnsinn des Islam“:

    „Die Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi, forderte die Medien auf, nicht mehr vom Islamischen Staat zu sprechen, weil dies die Muslime kränken würde. Ob sie auch das Oberhaupt des IS, den Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi, darum bat, aus Rücksicht auf die Gefühle der Muslime sein Reich umzubenennen, ist nicht bekannt. Lassen wir uns auf diese Argumentation ein. Akzeptieren wir, dass diese Blutbäder Exzesse waren, die für den Islam weder charak-teristisch noch repräsentativ sind. Schauen wir stattdessen auf den real existierenden, staatlich verfassten Islam“:

    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article136846233/Der-normale-Wahnsinn-des-Islam.html

    Ein „Welt“-Leser schreibt: „Hier empfehle ich die Lektüre von Houellebecqs ,Unterwerfung‘, Huxley und Orwell sollte man natürlich sowieso schon gelesen haben, dann kann man die Gefahr, die von dem ständigen Mantra, bzw. der Monstranz ,Politische Korrektheit‘ für die demokratische Gesellschaft ausgeht, richtig einschätzen. Erst wenn man das begriffen hat, kann der dringend erforderliche Prozess des Umdenkens in Angriff genommen werden.“

  7. Warum lassen wir uns immer und ewig als „Nazies“
    beschimpfen.
    Dabei wird die CDU und mit denen ganz Deutschland
    von lupenreinen Kommunisten regiert. (Merkle und Gaukler)
    Drum solten auch bei allen PEGIDAS immer der Ruf
    erschallen :

    Kommunistn raus !

  8. Auch „Unterwerfung“ ist ein ausgezeichnetes Buch mit Tiefgang.

    Der Verfasser kennt sich gut mit dem Islam und seinen Kritikern aus. So hat Houellebeqc z.B. im außenpolitischen Szenario die „Eurabia“-These von Bat Y`eor eingearbeitet.

    Es ist keine großartige Action enthalten, dafür viel Subtiles. Das Buch ist auch nichts für oberflächliche und wenig gebildete Leser.

    Nach der Lektüre wird wohl niemand, auch kein Mann, der vier Frauen haben kann, den Islam als positiv für die Zukunft betrachten. Die Nachteile überwiegen die Vorteile.

    Frauen müssen erkennen, wie wenig Wert ihre Menschenrechte noch haben, wenn sie schon mit 15 an alte Männer zwangsvermittelt werden.

    Letztlich wird die entrechtete, verarmte, dumm gehaltene und gegängelte Masse einer Elite gegenüberstehen, die auch nur vordergründig alles hat.

    Freiheit und Demokratie sind dahin. Der Rückfall in die Steinzeit ist auf Dauer nicht aufzuhalten.

  9. Habe das Buch ebenfalls gekauft und gelesen aufgrund der Besprechungen hier und war begeistert. Ich liebe es, wenn Autoren meisterhaft mit der Sprache umgehen können (finde daher Dan Brown oder Frank Schätzing eher abstoßend), und die Sprache im Buch war für mich ein Genuss. Trotz relativ hohem Preis für ein schmales Buch, war es mir jeden Cent wert. Der fast schon poetische Stil ist sicher nicht jedermanns Geschmack, es ist sehr unaufgeregt geschrieben und bietet viel Subtext. Meine Lieblingskapitel sind die aufeinanderfolgenden „Das Theater“ und „der 7. Akt“.
    Lese zurzeit „The Partisan“ von Fenek Solere, was eher actionorientiert scheint: Frankreich ist mehr oder weniger zum Kalifat geworden und eine Partisanengruppe kämpft dagegen für ein freies Frankreich. Sehr drastisch in der Sprache und Gewaltdarstellung, aber bisher gut. Auf Englisch, erhältlich auf Amazon.

  10. #2 Heta (31. Jan 2015 14:35)

    Was heißt eigentlich „Ruhrkent“?

    Die Nachsilbe „-kent“ oder „-kant“ (vgl. Taschkent, Samerkand) bedeutet soviel wie „-stadt“. Das Wort stammt aus der sogdischen Sprache, die dem mittelpersischen Sprachzweig angehört und bis zur Eroberung durch die Türken in Mittelasien weit verbreitet war.

    „Ruhrkent“ bedeutet demnach soviel wie „Ruhrstadt“.

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