Stuttgart: Infostand gegen Zwangsheirat

zwangsheiratAm vergangenen Samstag informierten ein Dutzend Aktivisten auf der Stuttgarter Haupteinkaufsmeile Königstraße über Zwangsheirat. Über die Ende des vergangen Jahres gestartete Kampagne gegen Zwangsheirat berichtete PI bereits hier und hier. In Gesprächen und mit Flyern und Broschüren wurde Interessierten die Arbeit von Sabatina e.V. näher gebracht.

(Von PI-Stuttgart)

Zwangsheirat ist nicht nur in Ländern außerhalb Europas ein Thema. Auch in Deutschland geht die Zahl zwangsverheirateter Frauen und Mädchen in die Tausende. Die Namensgeberin des Vereins, Sabatina James, wurde selbst zwangsverheiratet. Sie konnte aus diesem „Gefängnis“ fliehen und hilft mit ihrer Organisation jetzt Menschen in ähnlichen Situationen. Sabatina James konvertierte vom Islam zum Christentum und lebt seitdem an weltweit ständig wechselnden Orten, da ihr mit dem Tod gedroht wird. Die Bedrohungslage ist momentan nach Behördenangaben selbst in Deutschland so groß, dass James nicht in Deutschland auftreten kann. Die Aktivisten, die Samstag auf der Straße standen kamen aus Russland, Deutschland, Pakistan und Australien. Sie alle eint ihr christlicher Glaube und der Wille gemeinsam gegen religiös begründetes Unrecht vorzugehen und den Mädchen und Frauen eine neue Perspektive für ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Frauen, die sich an Sabatina e.V. wenden, erfahren Schutz vor Verfolgung und Hilfe beim Aufbau eines selbstbestimmten Lebens.

Für die Passanten klar ersichtlich trug man das Anliegen der Aktivisten auf der Kleidung. Hier ein Teil des Teams, das an diesem Tag in zwei Schichten arbeitete, und der Nachwuchs unter einem Banner gegen Zwangsheirat:

Weil ein Bild eine für alle verständliche Sprache ist, hing am Stand ein großes Motiv, das die Ausweglosigkeit und die lebensbedrohliche Lage vieler Frauen eindrucksvoll verdeutlichte.

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Muslime fühlen sich provoziert

Neben viel Zustimmung und Ermutigung erfuhren die Aktivisten aber auch Gegenwind. Obwohl weder auf dem Banner noch in oder auf den Flyern oder Broschüren der Islam erwähnt wurde, kamen Muslime wütend an den Stand zu und beschwerten sich. Für einen Ausdruck schlechten Gewissens oder des sich „ertappt Fühlens“ standen wohl Kommentare, wie: „Auch wenn ihr hier nirgendwo Islam stehen habt, ist das doch ein Angriff gegen den Islam!“ und „Ich fühle mich durch euch angegriffen/beleidigt!“. Wie es sich im weiteren Verlauf zeigte, waren das dann aber schon eher die harmloseren Einlassungen. Richtig zur Sache ging es, als ein – nach eigener Aussage muslimischer Georgier- das Gespräch suchte. Er erzählte, dass er gerne ehrenamtlich im Altenheim aushilft und sich zudem um Kinder kümmert. Dann wendete sich plötzlich das Gespräch und er drohte den Aktivisten unvermittelt: „Wenn die Scharia hier gelten würde, dann tut es mir sehr leid, aber dann müsste ich euch alle töten!“ Später kam dann noch ein Muslim und warf den Standbetreibern an den Kopf, dass sie doch nur Geld für die Kirche sammeln wollten. Auch ein junges Paar interessierte sich für die Aufklärer. Im Verlauf des Gesprächs stellte sich der Mann als Muslim vor und die Frau bezeichnete sich als Christin. Beide betonten, dass wenn sie Kinder bekommen würden, sie diese selbstverständlich muslimisch erziehen würden. Natürlich kamen auch nicht ernstzunehmende (?) Kommentare, wie die von vorbeigehenden und feixenden jungen Muslimen: „Wieso, Zwangsheirat ist doch cool!“

Herrin und Sklavin

Eine besonders skurrile Begegnung ereignete sich, als zwei der Aktivistinnen mit einer Kopftuch tragenden Muslima ins Gespräch kamen, die zudem noch eine vollverschleierte Frau im Schlepptau hatte.

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Im Laufe des Gesprächs kristallisierte sich heraus, dass die sich äußerst devot und im Hintergrund haltende Frau eine Art „Dienerin“ war. Direkt darauf angesprochen bestätigte die -nennen wir sie hier „Herrin“- ganz unverhohlen den Verdacht. Wie sicher muss sich jemand fühlen bzw. in welcher Art von Parallelwelt muss so eine Frau mitten in Deutschland leben, um anscheinend kein Problem damit zu haben, solch ein „Dienstverhältnis“ nicht einmal leugnen zu wollen und es stattdessen vor Zeugen auch noch schamlos einzugestehen. Als sie weiter zogen, blieb die vollverschleierte Person, man konnte durch einen Schlitz mit Steg nur die Augen der Frau erkennen, immer einen gewissen Abstand hinter ihrer „Herrin“.

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Es ist zu hoffen, dass die „moderne Sklavin“ mitbekommen hat, um was für einen Info-Stand es sich handelte und Kontakt aufnimmt. Gerade Frauen in diesen Situationen muss geholfen werden. Es kann nicht sein, dass solche „Sitten“ weiter bestehen können und das in einem Land, in dem eine Islamisierung angeblich nicht stattfindet.

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