Ein Konservativer, der sein Vaterland liebt: Hans-Jürgen Irmer tritt zurück

imageDer Vize-Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der CDU im Hessischen Landtag, Hans-Jürgen Irmer (Foto), ist gestern zurückgetreten. Offensichtlich war der Druck gegen ihn zu groß geworden oder er hat ihn mit der Zeit zermürbt. Denn seit Jahren hat der kluge Mann kaum ein Denkverbot ausgelassen, mit dem man heutzutage den politischen Pöbel gegen sich aufbringt. Seine Vita und politischen Äußerungen könnten glatt als Handbuch der modernen Inquisition herausgegeben werden.

(Von rotgold)

Eine Auswahl:

Hans Jürgen Irmer, ausgebildeter Gymnasiallehrer, kam naturgemäß schnell dem Verband in die Quere, der die Leerkörper der Republik repräsentiert, denn er ist keiner von den Traumtänzern mit blödem Blick und Birkenstocksandalen. Und als er irgendwann mal „Humanitätsduselei“ gesagt hatte, war das Maß voll bei der Sprachpolizei. „Nazijargon“ lauteten Anklage und Urteil der GEW. Wikipedia fasst weitere „Verfehlungen“ zusammen:

2004 schrieb der von Irmer herausgegebene Wetzlar Kurier, der EU-Kommissar Günter Verheugen müsse „im Grunde wegen Hochverrat an Deutschland angeklagt“ werden, weil er eine Aufnahme der Türkei in die EU befürwortet hatte.

Im Januar 2010 […] begrüßte er eine erfolgreiche Volksabstimmung in der Schweiz über ein Bauverbot von Minaretten, die er als politische Symbole beschrieb. Die Fraktionen von SPD, Linken und Grünen griffen Irmer stark an, verwiesen auf ähnliche Äußerungen in der Vergangenheit und forderten die Regierungsfraktionen auf, sich von Irmer zu distanzieren.

Im April 2010 warf er dem Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff, eine „Fehlentscheidung“ im Zusammenhang mit der Ernennung von Aygül Özkan zur Sozialministerin vor. Diese sei offensichtlich nicht in der Lage, „deutsche Interessen zu vertreten“. Dabei fiel der Satz „Der Islam ist auf die Eroberung der Weltherrschaft fixiert. Wir brauchen nicht mehr Muslime, sondern weniger.“ Für diese Bemerkung entschuldigte sich Irmer kurz darauf.

Offensichtlich gehört Irmer zu den wenigen deutschen Politikern, die sich intensiver mit dem Islam befasst haben. Naturgemäß führt das zu Konfrontationen mit denen, die keine Ahnung haben, aber ihre stramme Haltung, ganz deutsch, bis in den Tod verteidigen würden, nur um Recht zu behalten. Irmer hat sich auch mit dem Prinzip Taqiyya auseinandergesetzt. Die Gießener Zeitung berichtet:

Irmer hatte im Zusammenhang mit der Einführung des Islamunterrichts in Hessen gesagt, die bewusste Täuschung von Gegnern oder Ungläubigen gehöre zum Wesen des Islam. Sie werde dort nicht einmal als etwas Unanständiges empfunden. „Es liegt in der Sache, dass man aufgrund dieser von Allah gewollten Täuschung dem höheren Zwecke dient, nämlich die Ausbreitung des Islam weltweit zu fördern“, sagte Irmer damals.

Wie immer, wenn Islamkritiker inhaltliche Punkte ansprechen, erfolgt die Antwort nicht auf der Inhalts-, sondern auf der „Beziehungsebene“. Da unsere Gutmenschen sich nicht auskennen, ihre lieb gewonnene Meinung (ihr lieb gewonnenes Ego) aber verteidigen müssen, wird statt des Inhalts der Kritiker attackiert. Irmer löste mit seiner Einschätzung jedenfalls „Empörung und massive Kritik“ an seiner Person aus.

Und – was fehlt noch? Logisch, einer wie Irmer bückt sich nicht vor einem Gesslerhut, selbst dann nicht, wenn er die Form eines Phallus hat. Die Giessener Zeitung berichtet weiter:

Mit seinem provokanten Äußerungen hatte Hans-Jürgen Irmer in der Vergangenheit immer wieder Aufsehen erregt, die mehrfach Thema interner Runden der schwarz-grünen Koalition waren. Im November vergangenen Jahres hatte der Landtag seine Äußerungen über Homosexuelle missbilligt. In einem Interview hatte er gesagt: „Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt.“

Man kann sicher darüber streiten, ob man Schwulen mit solchen Äußerungen ihr Anderssein unter die Nase halten muss oder nicht einfach den Mund halten kann. Ich kenne nicht die genauen Umstände seiner Äußerung. Sollte er sie aber im Zuge der grünen Forderungen nach mehr Schwulsein im Unterricht gemacht haben, was seiner Position (bildungspolitischer Sprecher) entspräche, so wären sie jedenfalls gehaltvoller als das folgende lange Geschwurbel, das die Grünen in den Koalitionsvertrag penetriert haben:

Auf der Grundlage des bisher eingeschlagenen Weges und des 2014 erfolgenden Beitritts zur „Koalition gegen Diskriminierung“ werden wir zusammen mit den Selbstvertretungsorganisationen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einen „Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt“ erarbeiten. Dazu gehört insbesondere eine bessere Begleitung von jungen Menschen in der immer noch oftmals schwierigen Phase des „Coming Out“ und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen auf Basis der bereits vorhandenen SchLAu-Projekte. Eine gute Vernetzung in der Landesverwaltung wird ebenso angestrebt wie eine Zusammenarbeit mit benachbarten Ländern.

Zum Schluss das i-Tüpfelchen: Hans Jürgen Irmer hat in seinem regionalen Anzeigenblättchen „Wetzlar Kurier“ doch glatt eine Werbeanzeige der Splitterpartei „Deutsche Konservative“ nicht verweigert. Und darüber hinaus auch noch einen Grundsatzartikel zum Thema ‚Islamistischer Terror/Christenverfolgung‘ angekündigt. Für die CDU scheint das unerträglich zu sein und auch für die anderen Parteien. Unisono begrüßten sie gestern den Rücktritt. Irmer selbst: „Wenn man zu seinen Überzeugungen steht, muss man auch die Konsequenzen ziehen“. Die Februar-Ausgabe des „Wetzlar Kuriers“ ist heute erschienen (hier als pdf abrufbar).