Salafismus hat nichts mit dem Salafismus zu tun

Salafismusdiskussion_0In Stuttgart fand vergangen Dienstag eine Podiumsdiskussion zum Thema Salafismus statt. Der Einladung der Stuttgarter Nachrichten für diesen Abend waren 250 meist ältere Interessierte in die Sparda-Welt am Stuttgarter Hauptbahnhof gefolgt. Podiumsteilnehmer waren (von li.n.re.) Franz Feyder, leitender Redakteur des Recherchepools der Stuttgarter Nachrichten und promovierter Islamwissenschaftler, Reinhold Gall, Innenminister des Landes Baden-Württemberg (SPD), Dr. Bernhard Lasotta, Integrationspolitischer Sprecher der CDU.  Moderiert wurde die Runde von Chefredakteur Dr. Christoph Reisinger. Zugeschaltet war Prof. Assaf Moghadam, Direktor Akademische Lehre am Institut für Terrorabwehr der Freien Universität Herzliya, Israel.

(Von PI-Stuttgart)

Wer bis dahin gemeint hat, es könnte in den öffentlichen Islam-Debatten keine Steigerung in Punkto Absurditäten geben, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Auf der nach oben offenen Skala für Witz, Wahn und Idiotie wurde die Schallmauer gleich mehrere Male durchbrochen. Es scheint nichts mehr unmöglich, wenn es um die Verklärung des Islam, dessen Rolle in unserer Gesellschaft und die vermeintliche Gleichstellung des Islam mit anderen Religionen geht.

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Lasotta (CDU): Islam Religion der Barmherzigkeit

Aus Sicht der Diskutanten waren auf der Bühne letzten Endes alles „Opfer“, als es anhand der Biografien von Terroristen um die Ursachenforschung ging. In der Folge stand unterschwellig die Frage nach dem wahren Täter im Raum. Der ist angeblich die deutsche Gesellschaft, wer sonst. Anders konnte es nicht verstanden werden, als CDU-Mann Lasotta erklärend dazu anmerkte: Viele der Dschihadisten seien junge Menschen, die Ausgrenzungserfahrungen gemacht hätten. Bundesminister de Maizière folgend, bezeichnete er Terroristen als „unsere Landeskinder“.

Lächerlich hingegen mutet Lasottas Forderung nach mehr Widerstand aus der Bevölkerung an, gegen salafistische Infostände vorzugehen, wenn man bedenkt, dass die CDU nichts lieber tut, als sich von all jenen zu distanzieren, die schon in der Vergangenheit Flagge gegen Salafisten zeigten. Für die CDU waren diese Bürger bisher immer nur alles „böse Rechte“. Er verteidigte die Aussage der Kanzlerin: „Der Islam gehört zu Deutschland“, mit dem irrigen Argument, dass „mehrere Generationen von Muslimen Deutschland aufgebaut haben“, so Lasotta. Diese Äußerung blieb im Publikum allerdings nicht ohne Gegenreaktion wie im Video unten ab Min. 1:20:30 zu sehen ist [Anm.: Deutschland war bereits 1959 weltweit zweitgrößte Industrienation und das Anwerbeabkommen mit der Türkei wurde erst 1961 geschlossen].

Anschließend faselte Lasotta etwas von „sie können nicht alle Menschen muslimischen Glaubens verunglimpfen“, obwohl der Fragesteller nur die Aussage der Kanzlerin zum Islam und an keiner Stelle Muslime zum Thema gemacht hatte. Dann entlarvte sich Lasotta selbst, indem er „uns“ aufforderte in Deutschland und Europa „einen Islam hinzubekommen“, der sich an westlichen Werten orientieren solle. Damit gab er wiederum indirekt zu, dass sich der Islam entgegen seinen vorherigen Beteuerungen momentan anscheinend nicht kompatibel mit westlichen Werten zeigt.

Er forderte einen „Europäischen Islam“ der auch „an unseren Schulen und Moscheen unterrichtet und gepredigt wird, damit die Menschen hier abgeholt werden“. „Es gibt nicht den Islam“, behauptete Lasotta. Das Publikum antwortete: „Es gibt aber nur einen Koran!“ „Barmherzigkeit ist ein starkes Element im Koran“, so Lasotta auf die Antwort eines Herrn im Publikum, ob es richtig sei, dass Obama gesagt habe: „Von Religion gehe kein Terror aus!“

In Bezug Islam vs. Christentum erklärte Lasotta, dass man „nicht vergleichen dürfe“. Großes Gelächter erntete der CDU-Mann als er behauptete, dass Muslime die Gewalt anwenden, die volle Härte des Gesetzes in Deutschland zu spüren bekämen (Min: 1:30:00). Exemplarisch für die CDU war Folgendes: Als ein Muslim aufstand und sich als „christlich-demokratischer Moslem“ bezeichnete, hellte sich Lasottas Mimik auf und er zeigte: Daumen hoch.

Moghadam: Salafismus ist grundsätzlich nicht militant

Prof. Assaf Moghadam: „Salafisten sind nicht mit Terroristen gleichzusetzen“. „Der Salafismus an sich ist eigentlich eine fundamentalistische Bewegung die keine militanten Wurzeln hat“. Und auch Moghadam konnte sich nicht den Vorwurf gegen den Westen verkneifen, als er versuchte, Ursachenforschung hinsichtlich des Salafismus zu betreiben: „Er ist eine Reaktion auf die Moderne“. Mordende Salafisten nannte Moghadam hingegen Dschihadisten und vermied es, sie mit dem Salafismus in Verbindung zu bringen oder in diesem Zusammenhang das Wort Islam auch nur auszusprechen.

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Statt Rechtfertigungen der Dschihadisten aus dem Koran und den Anweisungen Mohammeds für den Terror zu benennen, verlor sich Moghadam in Wortungetümen wie dem „dschihadistischen Salafismus“ und bezeichnete ihn als „religiöse Ideologie“, ohne dabei das Wort Islam in den Mund zu nehmen. In der Fragerunde gestand er zu, dass der Islam bzw. der Koran als Grundlage für das Handeln des IS angesehen werden könne „Islam ist eine Weltreligion und Islamismus ist islamischer Aktivismus und ist in den meisten Fällen nicht militant“, so Moghadam. Ihm sei jedes Mittel recht, um alle Religionen zueinander zu bringen, betonte Moghadam am Ende seiner Ausführungen.

Innenminister Gall (SPD) lehnt Salafismus generell ab

„Es gibt keine typische Biografie der Dschihadisten“, betonte Gall. Der SPD-Politiker räumte ein, dass die Zahl der gewaltbereiten Gefährder zuletzt beträchtlich angestiegen sei, und das große Sorgen mache.

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Der baden-württembergische Innenminister stellte klar, dass er das ganze salafistische Spektrum ablehne, womit er sich dabei indirekt von Moghadam distanzierte:

„Das ganze salafistische Spektrum ist in Baden-Württemberg aus unserer Sicht nicht akzeptabel, weil sich auch diejenigen Salafisten, die sich nicht der Gewaltbereitschaft zugehörig fühlen, aber etwas anderes wollen in diesem Staate, nämlich einen Gottesstaat, sie verfolgen ihre Ziele mit anderen Wegen, gewaltfrei, gleichwohl ist dies auch nicht zu akzeptieren in unserem Staat“.

Nur leider hat sich diese Erkenntnis noch nicht praktisch niedergeschlagen. Kein Stand der Salafisten wurde bisher in Baden-Württemberg verboten und kein SPD-Ortsverein informierte bzw. warnte vor den Durchlauferhitzern des Terrors direkt vor Ort. Diese Arbeit verrichtete bisher ausschließlich die islamkritische Menschenrechtsorganisation BPE (Bürgerbewegung Pax Europa). Dass es Gall nicht wirklich ernst mit der Bekämpfung der Radikalen aus dem islamischen Spektrum ist, zeigten auch seine Antworten in der anschließenden Fragerunde. Der Forderung nach Verboten radikaler Salafistenvereine entgegnete er lapidar, dass ihm durch die Gesetze die Hände gebunden seien. Auf die Forderung, diese nötigenfalls zu verschärfen, ging er nicht ein, er sprach in diesem Zusammenhang sogar davon, bestimmte „Entwicklungen“ auszuhalten. Die Frage warum es nicht unterbunden werde, dass Muslime auf deutschen Straßen „Juden ins Gas“ skandierten oder sogar durch Lautsprecher von Polizeiwagen ihre Parolen rufen könnten, umschiffte Gall allen Ernstes mit der Behauptung, dass bei PEGIDA angeblich Parolen gerufen würden, die völlig inakzeptabel seien. Um welche inakzeptablen Parolen es sich dabei handelte, ließ der Minister offen.

Feyder beklagt Werteverlust – Salafismus ist Lückenfüller

Auf die Frage, was den Kern der Verführung wirklich ausmache, antwortete Feyder: „Junge Menschen sind auf der Suche nach Werten, sie bekommen diese Fragen in der Gesellschaft wie in der Familie nicht beantwortet“. Wo Feyder hier irrt ist, dass er Lunte und Sprengsatz nicht voneinander trennt. Richtig in der Analyse ist der Hinweis auf die Sinnsuche, in der sich jeder Jugendliche befindet und die häufig unbefriedigenden Antworten die unsere Gesellschaft darauf bereit hält. Falsch ist hingegen die irrige Annahme, die Sinnsuche und die Beantwortung durch Salafisten als eigentliche Gefahr zu definieren. Der Sprengsatz ist das Problem, den Feyder hier versucht im Begriff des Salafismus zu separieren.

Er erkennt im Islam und seiner ideologischen Grundlage, dem Koran, nicht das explosive Gemisch für die Konflikte unserer Zeit. Für ihn ist allein die angebliche „Fehlinterpretation“ die Gefahr. Was Feyder hier macht ist, die Symptome, den Salafismus, zum eigentlichen Sprengsatz zu erklären. In der Folge bereiten er und andere dadurch dem angeblich „friedlichen Islam“ den Weg, weil sie meinen, so alles Negative im Salafismus, Dschishadismus als „Bad Bank“ entsorgen zu können. Ein Irrweg, der noch nie funktioniert hat, egal wie edel die Motive auch waren. Ein Blick in die 57 islamischen Staaten weltweit genügt, um zu sehen, wohin solch eine Appeasement-Politik gegenüber dem Islam bisher geführt hat. „Das Problem sind die Radikalen und nicht die orientierungslosen Jugendlichen“, wie ein Zuschauer in der anschließenden Fragerunde unter großem Beifall anmerkte (ab Min: 1:31:00).

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Feyder empört über „Islambashing“

Gegen Ende der Veranstaltung stellte ein Zuschauer die Gewalt und mangelnde Gleichberechtigung im Islam in den Focus seiner Frage: „Wie will man einen Islamunterricht auf Basis eines Korans machen, der in vielen Punkten unserem Grundgesetz widerspricht?!“

Feyder reagierte angegriffen:

„Wissen sie, diese Argumentationskette geht mir langsam auf den Senkel. Also die Bibel ist kein Buch für Pastorentöchter um das mal ganz klar zu machen, dieses hin und her bashen, da gibt’s die Sure 4,23, dann wird mir von Pierre Vogel berechtigter Weise entgegengehalten ‚Ich bin nicht auf die Erde gekommen um Frieden zu bringen sondern das Schwert…aus der Bibel’.“

Er forderte stattdessen dazu auf, die zu unterstützen, die Religionen weiter entwickeln. Schlussendlich betonte er den Rechtsstaat, den es zu stärken gelte.

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Zum Empörungsschub Feyders wäre noch anzumerken, dass der Fragesteller überhaupt nicht die Bibel ins Gespräch gebracht hat. Was auch gar nicht nötig ist um den Islam als das zu demaskieren was er ist: eine Rechtfertigungs-Orgie für Gewalt. Feyder fordert wie alle Träumer, die zu unterstützen, die, wie er sagte: „Religionen weiter entwickeln“. Mehrere Denkfehler tun sich hier auf. Zum einen steht ein Rechtsstaat nicht in einem luftlehren Raum, er entwickelt sich gemäß den Wertvorstellungen seiner Bürger und/oder der Mächtigen. Zum anderen vergleicht er ohne Not Bibel und Koran und vergisst dabei, dass ein weiterentwickeln des Islam ohne Koran dem Versuch einer Quadratur des Kreises gleich kommt. Oder will er allen Ernstes den Koran umschreiben?

Es ist zudem ein dümmliches Vorgehen die Bibel mit dem Koran gleich setzen zu wollen. Auch der oben angeführte Vers der angeblich Jesus mit Mohammed gleich setzen soll, ist dazu nicht geeignet. Dieses Unterfangen entschärft schon die Bibel ohne Interpretationshilfe ganz von selbst. In Lukas 12,V.51 steht sinngemäß ebenfalls der zitierte „Schwertvers“ aus Matth. 10,V.34“ in dem Schwert für das Wort „Zwietracht“ steht. „Zwietracht“ entsteht, wenn Jesus Christus angebetet wird, so die Bedeutung. Der Vers sagt somit genau das Gegenteil von dem aus, was ursprünglich vermutet wird. Er beschreibt die Verfolgung von Christen, die schon in der eigenen Familie beginnen kann.

Auch ruft Christus an keiner Stelle der Bibel seine Anhänger dazu auf andere zu töten. Mohammed dagegen schon und führt zahlreiche Morde auch eigenhändig aus. Religion ist eben nicht gleich Religion, auch wenn mache das gerne vereinfacht so sehen wollen. Jesus eignet sich eben nicht zum Vorbild von Selbstmordattentätern. Mohammed aber schon. Deshalb muss die Frage gestellt werden dürfen, welche religiösen Vorbilder für eine Gesellschaft gefährlich sind und welche nicht.

Wer das Böse aus Koran und Hadhiten stets versucht vom Islam zu separieren ebnet nicht einem friedlichen Islam den Weg, sondern packt ihn nur in ein trojanisches Pferd. Die liberalen Interpretationen und deren Verfechter werden vergehen, weil sie bedauerlicher Weise nicht haltbar sind. Die Suren in denen Gewalt gegen Andersdenkende propagiert wird, werden bleiben. Auch eine Aufklärung, die sich so viele für den Islam wünschen, wird den Koran nicht umschreiben und wird auch aus einem Mohammed keinen Jesus machen können. Wenn das Journalisten, Politiker und Kirchenleute in diesem Land nicht verstehen, dann wird der Islam und in letzter Konsequenz das islamische Recht – die Scharia – in Zukunft für dieses Land prägend sein. Wer das nicht für möglich hält, schaut sich die Entwicklung der 57 islamischen Länder und parallel dazu, die demografische Entwicklung Deutschlands und Europas in Kombination mit der aktuellen Einwanderung und Geburtenrate aus bzw. in islamischen Ländern an.

Diese Kritik berührt natürlich nicht die hervorragende Analyse des islamischen Staates und der Berichterstattung über das Innenleben radikaler muslimischer Parallelwelten über die Feyder an diesem Abend ebenfalls berichtete, sowie vieler seiner Artikel.

Von der Podiumsdiskussion mit anschließender Fragerunde liegt ein Audiomitschnitt vor, der durch halbstündige Videoaufnahmen ergänzt wurde. Die Videoaufnahmen sind ab Minute 40:57 -mit einer Straßenumfrage unter Stuttgarter Bürgern- und ab Minute 1:09:17 zu sehen:

» Die Stuttgarter Nachrichten über den Abend