Ein Geschenk aus Afrika: der Kopfpilz

Der hochinfektiöse Kopfpilz (Microsporum audouinii) befällt fast ausschließlich Kinder, daher wird er auch „Kinderkopfschänder“ genannt. Auf dem Kopf juckt und brennt es stark. Dann brechen die Haare ab und wachsen nicht mehr, wenn die Haarwurzeln aufgrund der Entzündung zerstört sind. In den sechziger Jahren war der Pilz auch in Deutschland weit verbreitet, galt aber bis vor einigen Jahren als ausgerottet. Jetzt hat er wieder Einzug gehalten und die größte städtische Kita Bonns, das Montessori-Kinderhaus, heimgesucht, in dem 175 Kinder aus aller Welt betreut werden.

(Von Verena B., Bonn)

Die Kita befindet sich im bunten und (auch für Salafisten) weltoffenen Stadtteil Tannenbusch. Die Eltern sind empört, denn die Gesundheitsbehörde hatte sie nicht rechtzeitig informiert. Jetzt muss die Kita erst einmal desinfiziert werden und bleibt bis zum Monatsende geschlossen.

Der General-Anzeiger berichtet:

(..) Einige Mütter erheben schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des städtischen Gesundheitsamtes. Die städtischen Ärzte hätten seit Anfang März von dieser Pilzerkrankung Kenntnis gehabt, behaupten sie. Mitte März seien die Eltern darüber informiert worden, es gebe eine Kopfpilzerkrankung, ohne dass der Pilztyp genannt worden sei. Dann sei angekündigt worden, dass die Köpfe der Kinder untersucht würden und die Einrichtung zwecks Desinfektion Ende März für drei Tage geschlossen werde. Doch dazu kam es nicht.

„Kopfbeschau und die Reinigungsmaßnahmen wurden abgesagt, das hat uns stutzig gemacht“, sagte eine der Mütter, die ihren Namen zum Schutze ihres Kindes nicht in der Zeitung lesen will. Sie habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu erfahren, was wirklich los war. Allerdings ohne großen Erfolg.

„Bei der Stadt hat man mich für dumm verkauft und mir zwischen den Zeilen zu verstehen gegeben, ich sei hysterisch“, sagte sie. Erst auf einer Informationsveranstaltung am Morgen des 27. März habe das Gesundheitsamt die Eltern offiziell über die Infektion mit dem Microsporum audouinii informiert. „Und das auch nur unzureichend“, meinte eine andere Mutter, die ebenfalls anonym bleiben will.

An dem Morgen sei den etwa 30 anwesenden Eltern lediglich ein Schreiben mit einer Kurzinformation zu diesem Kopfpilzbefall ausgehändigt worden. Auch sei der Info-Brief nur auf Deutsch verfasst worden. Als die Eltern erfuhren, dass nur ein Teil der Räume desinfiziert werden sollte, war der Unmut groß, berichtete sie weiter. Später sei dann doch entschieden worden, die komplette Einrichtung zu desinfizieren und von allen Kindern eine Bürstenprobe zu nehmen.

Allerdings habe es erst am 7. April eine Info an alle Eltern geben. Die Bürstenproben seien anschließend im laufenden Kita-Betrieb genommen worden. „Damit sind sie für uns nur bedingt aussagekräftig, weil die Kinder sich ja wieder gemischt haben“, klagten die Mütter.

Zudem seien die Eltern irritiert, dass die Erziehrinnen bis zur Schließung der Notgruppe Schutzhauben tragen mussten, die Kinder dagegen nicht. Die Stadt verwahrte sich gestern gegen die Vorwürfe der Mütter: „Eine Elterninformation kann erst stattfinden, wenn eine Sachlage ausreichend analysiert ist. So wurde auch in diesem Fall verfahren“, teilte das Presseamt mit. Bei der Info-Veranstaltung sei versichert worden, dass die Eltern sich gegenseitig bei der Übersetzung helfen. Der Kurzinformationszettel habe zur weiteren Vervielfältigung in der Einrichtung gelegen.

Das Tragen der Hauben der Erzieherinnen sei ohne Absprache mit dem Gesundheitsamt erfolgt, hieß es aus dem Presseamt weiter. Sie waren vorgesehen für Desinfektionsmaßnahmen in der Einrichtung. Die Desinfektion der Kita erfolge derzeit durch einen externen staatlich geprüften Desinfektor.

Auf die für die Eltern ebenfalls wichtige Frage, ob angesichts der vielen kinderreichen Familien in der Kita auch die umliegenden Schulen über den Kopfpilzbefall im Montessorihaus informiert worden und welche Maßnahmen dort geplant seien, war gestern keine Antwort aus dem Stadthaus zu erhalten.

In der Regel soll die Ansteckung durch Tiere (Hunde, Katzen, Kälber, Hamster, Hasen und Meerschweinchen) verursacht werden. Kinder, die vom Kopfpilz befallen sind, können andere Personen anstecken.

Martin Köberle, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet von Pilz-Erkrankungen von der TU München, weiß noch mehr:

Dieser Kopfpilz war bis in die 1960er Jahre auch in Deutschland weit verbreitet. Nachdem er bis vor einigen Jahren als ausgerottet galt, ist er jetzt vermutlich durch Personen wieder neu eingeschleppt worden, die sich in Ländern der dritten Welt, vor allem in Afrika aufgehalten haben.

Er wird in erster Linie von Mensch zu Mensch übertragen. Es ist ein hochinfektiöser Pilz. Deshalb sind besonders Kinder betroffen, weil sie meistens sehr engen Körperkontakt haben. Es können aber auch Sitzmöbel oder Spielsachen von den Pilzsporen befallen sein. Deshalb ist eine gute Desinfektion mit fungiziden Reinigungsmitteln sinnvoll.

(..) Es gibt gut wirkende Medikamente, die auch für Kinder geeignet sind. Eine Therapie dauert in der Regel von zwei bis zu mehreren Monaten.

Große Sorgen bereitet den Virologen auch die große Masernwelle, die neben anderen Städten über Berlin hereingebrochen ist: Täglich werden dort 15 neue Fälle gemeldet. „Es ist beängstigend, wie lange der Ausbruch auf diesem hohen Niveau anhält“, sagte Hartmut Hengel, wissenschaftlicher Beirat der Arbeitsgemeinschaft Masern am Berliner Robert-Koch-Institut. Deutschland müsse die Impflücken bundesweit in allen Bevölkerungs- und Altersschichten schließen. Vor allem in Großstädten könnten sich Masernviren rasch ausbreiten.

Seit Oktober sind in Berlin rund 850 Menschen an Masern erkrankt, darunter viele Erwachsene. Ein Kind starb im Februar an den Folgen der Infektion. Einen wesentlichen Grund für den starken Ausbruch sieht der Experte in Impflücken bei den jüngeren Erwachsenen. Es wird daher darüber nachgedacht, eine Impfpflicht einzuführen.

Laut einer Umfrage sind rund drei Viertel der Bundesbürger für eine gesetzlich vorgeschriebene Masern-Impfung. Politiker erwägen den Zwang nur als letzten Ausweg. Und wer „Flüchtlinge“ willkommen heißt, muss eben auch deren kleine Gastgeschenke dankend annehmen.

Und im Übrigen, was soll die ganze Aufregung? Wenn wegen des afrikanischen Kopfpilzes künftig ein paar Kinder eine Glatze bekommen, werden sie es als Erwachsene einmal richtig gut haben: Glatzköpfe und Motorradstiefel genießen bekanntlich ein hohes Ansehen in der Bunten Republik…