Friedenspreis für den Staatsscharlatan

imageNavid Kermani, das „fleischgewordene und auffälligste Symptom der Migrantisierung der deutschen Kultur“ (Pirincci), erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Dies teilte der Stiftungsrat am Donnerstag in Frankfurt mit. Kermani sei „einer der wichtigsten Stimmen in der heutigen Gesellschaft“, hieß es in der Begründung für die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung. Etwas differenzierter sieht das der renommierte Orientalist Dr. Hans-Peter Raddatz, der sich in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ kritisch mit dem muslimischen Schriftsteller auseinandersetzt.

Der Staatsscharlatan

Von Hans-Peter Raddatz

Eines der bekannteren Beispiele für die Nachfolge in der transmodernen Gegenwart ist Navid Kermani, ein deutsch-iranischer Autor, der fast ungeteilte Unterstützung durch die politmedialen Reinigungskader euro-islamischer Indoktrination erhält. Die ZEIT, neben „Spiegel“ und der „Süddeutschen“ führendes Blatt in systemkonformer Subservienz, berichtet von dem täuschungsbegabten „edlen Wilden“ ein Bekenntnis, das bei den Journalisten interkulturelle Ehrfurcht auslöste, weil es einen Zeitsprung der Magie zum atmungssteigernden Knotenblasen der Spätantike herstellte: „Ich selbst habe einmal bei einem sufischen Atemritual mit anderen laut hyperventiliert, bis ich in Ohnmacht fiel … Das war eine sehr schöne Erfahrung, und die Sehnsucht nach dieser kleinen Ekstase treibt mich weiter an. Die Gefahr ist allerdings, nach der Verzückung süchtig zu werden …“ (ZEIT Campus-Interview 19.01.2015).

Von der „kleinen Ekstase“ des Einzelnen ist der Weg zur großen Ekstase der islamzentrierten Volkspädagogen um so kürzer, je umfassender ihre politmediale Vernetzung und je attraktiver deren Bezahlung gerät. Kein Wunder, daß die genannten Blätter schon zuvor ein Rauschen im Medienwald über des „Autors“ Buch „Der Schrecken Gottes“ als kaum übersteigbares Meisterwerk entfachten. Dagegen erhob sich indes die Stimme des Orientalisten Bernd Radtke, der mit der Distanz des nüchternen Wissenschaftlers dem Gepriesenen – anders formuliert – bescheinigte, ein geistiger Dieb zu sein, ein Plagiator, der sein Werk schlicht mit den Leistungen anderer, vorliegend eines anderen, angereichert hatte (EJOS IX [2006], 12).

In unangenehmer Genauigkeit, wie sie nicht korrumpierbaren Analytikern innewohnt, seziert Radtke das Diebesgut aus dem „Schrecken Gottes“ heraus. Es besteht in umfangreichen Passagen aus Hellmut Ritters „Meer der Seele“, die Kermani ohne Quellenangabe – zum Teil auch wörtlich – übernimmt und als eigene Leistung ausweist. Dort wo er Textteile selbst übersetzt, stellt Radtke deutliche Unterschiede in Stil und Qualität fest, was der Logik des Plagiats entspricht und ihn vermuten läßt, daß der „Autor“ des Persischen nicht hinreichend mächtig ist.

Auch der Verfasser dieses Beitrags hatte den Islamo-Ästheten Kermani anhand seines mit Pseudo-Bildung überfrachteten Potpourri-Buches „Gott ist schön“ als bunten Paradiesvogel ausgemacht (Iran, 250ff.). Diesem fiel es im intellektuellen Kahlschlag des „Kulturdialogs“ besonders leicht, sein Patchwork-Gefieder – von Radtke mit „extensivem name-dropping“ umschrieben – unbemerkt mit allerlei Fremdfedern zu schmücken. Bei der simplen Aufreihung von Namen ohne sinnvolle Bezüge wird verständlich, warum für den Gotteskämpfer Kermani der erste Ketzer des Islam, Ibn al-Rawandi (gest. um 870), zum „Atheisten“ wird, denn der hatte einst mit raffinierter Basiskritik an Muhammad die orthodoxen Eiferer hinters Licht geführt.

Wer nicht an islamische Inhalte glaubt, ist für Kermani „Atheist“, und wer des Eiferers Pseudowissen als modernes Knotenblasen enttarnt, mutiert in seiner Projektion selbst zum „Eiferer“, zum „christlichen Fundamentalisten“, was ernste Denkfehler offenlegt, weil Skeptiker eher Epigonen Ibn al-Rawandis, also „Atheisten“ sind. Als solcher muß auch der berühmte, von Kermani logischerweise verschwiegene Avicenna (gest. 1038) gelten, der im Westen als Galionsfigur für die „Befruchtung“ Europas durch die islamische Kultur gehandelt wird. Unerwähnt bleibt dabei, daß er Muhammad sogar härter als Ibn al-Rawandi kritisierte und dessen aus seiner Sicht mediokren Geist als Kontrastfolie zum eigenen, selbstbewußten Intellekt nutzte:

„Mir fehlt es wahrlich nicht an Glanz und Macht. In welchem Werk kann einer sich mit mir messen? … Ich bin die Zunge seit langem, wo die Zeit nur ein Mund ist … Die Lanze der Wissenschaft lag brach, bis ihrem Banner zu neuem Glanze verhalf mein Werk … Und was die Echtheit der Prophetenschaft unseres Propheten Muhammad betrifft, so wird die Echtheit seines Aufrufs dem Verstand klar, wenn er zwischen ihm und anderen Propheten vergleicht. Wir verzichten daher darauf, uns weiter darüber zu verbreiten“ (zit. bei Bürgel, Allmacht und Mächtigkeit, 153, 140 – München 1991).

Die Kulturdoktrin zeitigt historische Folgen, denn im interkulturell-konsumistischen Sozialprozeß hat sich eine Psycho-Deformation etabliert, welche die alte Toleranz in einen gutmenschlichen Gleichschaltungs-Faschismus (Hartmut Krauss) umwandelt. Dessen „Weichspülästhetik“ reichert Kermani mit der Schönheit Allahs an, deren Zug zur Gewalt er mit der Dichtung verschleiert. Als zeitloses Machtmittel wurde sie in Satireform schon Muhammad gefährlich, dient heute humorlosen, weil totalitären Vordenkern wie Ernst Jünger (Rimbaud) und Martin Heidegger (Hölderlin) und öffnet im „Kulturdialog“ unerschöpfliche Pfründe für islamzentriertes Schrifttum, das sich aggressiv entrüstet gebärdet, wenn Allahs Gewalt kritisiert oder gar parodiert wird.

Mithin macht sich auch Kermani mit pseudo-akademischer Panegyrik nützlich und erlangt preiswürdige Statur, indem seine diffusen Zitatgestöber einen wesentlichen Beitrag zur Desinformation und Intellekt-Betäubung des Publikums leisten. Dem islamischen Heilsobjekt muß jegliche Prüfung erspart bleiben, was den Gegensatz zwischen Radtkes Fachwissen und Kermanis Obskurantismus – trotz (oder wegen) dessen späterer Replik, noch weiter verstärkt. Letzterem zufolge ist es die „Hackbank geschichtswissenschaftlicher Skepsis“ und nach des Verfassers Analyse (Allah im Wunderland, 98ff.) kein Wunder, daß Muhammads Problempsyche der Diskussion zu entziehen ist (Gott ist schön, 355). Beides bildet mit den Dogmen des Djihad das Hauptrisiko der Islamisierung, die mit der dhimma, der kollektiven Indienstnahme der nichtislamischen Bürger, bestens zum Eliten-Rassismus der Kulturrevolution paßt.

Genau besehen hat Radtke seinem Kritikobjekt Kermani sogar einen unfreiwilligen Persilschein ausgestellt. Denn im Zuge der modernen Bildungsdekadenz und proislamischen Wissensumkehrung qualifiziert sich nur derjenige als Allahs Diener, der nach altkulturellen, also auch Radtkes Maßstäben „methodisch unsauber“ arbeitet. Dieser führt – halb zufällig, halb ironisch – unter Kermanis Fehlerquellen das Kapitel „Der Narr“ im Meer der Seele auf (a.a.O., 11). Indem der „Autor“ auch hier plagiiert, übernimmt er die Rolle des unfreiwilligen Narren, der in der Islamisierung den verstandlosen Euro-Dialogikern als unerreichbare Spitze des Geistes erscheint.

Der Zusammenhang ist folgender: Im Islam kommt die politische Bedeutung der Individualität in der kontroversen Gestalt des Luqman zum Ausdruck (weniger in der gleichnamigen Koransure 31). Zwischen Wahrsager, Prophet, Mystiker, Fabeldichter und Ketzer schillernd, zeigte er den Mechanismus zwischen Allah und Machthaber auf, indem er die Klammer um Glaube, Verstand und Gesetz aufbrach und in eine neue Seinsform sprang. Ihm gelang die Befreiung vom Gesetz und die Begegnung mit einem anderen Gott durch die Ichwerdung des Selbst. Er düpierte die Orthodoxie damit, den Narren nicht zu spielen, sondern den geforderten Verstand verloren zu haben – Bedingung der Narrenfreiheit, die von muslimischer Existenz entlastete (ebd., 167). So kam er straflos mit einer Allah-Schelte davon, die an Globalismus-Kritik erinnert: „Du hast den Lebensunterhalt unter den Menschen verteilt, wie es ein betrunkener, roher Mensch tut. Wenn ein Mann so verteilen würde, würden wir zu ihm sagen: Du bist verrückt geworden, laß dich behandeln!“ (ebd., 160).

In der Orient-Okzident-Fusion wird aus dem ursprünglichen Paradox strenge Logik, denn sowohl in der Ästhetik des Luqman als auch aus altkultureller Sicht sind die führenden Verehrer des Islam nichts anderes als Professorenaffen, die als Bild geistlosen Nachahmens (vgl. Zimmermann, Der akademische Affe, Einleitung und 46ff. – Wiesbaden 1991) das islamische Verdikt der Ungläubigen als Affen (und Schweine) überzeugend bestätigen und alle Radtkes dieser Welt zu islamophoben Außenseitern und letztlich zu „Rassisten“ machen. Daher erlangt im islamzentrierten Strukturwandel derjenige Europäer den Status eines gewendeten Luqmanisten, der dem Islam dient, ohne zu offenbaren, den (westlichen) Verstand verloren zu haben.

Abgesehen von den Verfassungsrechtlern Kirchhof, Isensee und Böckenförde, die unterschiedlich deutlich die Vorzüge des Islam als Leitkultur erkannten, ließ sich in Hessen ein holprigeres Luqmanismus-Beispiel studieren. Gegen Kermani als Preisträger des Hessischen Kulturpreises 2009, der für „hervorragende Leistungen in der Verständigung der Kulturen“ verliehen wird, legten der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und der ehemalige EKHN-Präsident Steinacker energischen Protest ein, weil Kermani die Kreuzestheologie als „Gotteslästerung und Idolatrie“ bezeichnet und der Verständigung offenbar keinen guten Dienst erwiesen hatte.

Da aber die Diffamierung des Christentums zugunsten des Islam die Hauptlinie der EU und deren offizieller Außenpolitik im Schulterschluß mit der OIC ist, setzte eine massive Medienjagd auf die beiden Geistlichen ein, bis sie sich entschuldigt und die Hessen einen Ausweg mit der gemeinsamen Preisverleihung sowohl an sie als auch den Judenvertreter Samuel Korn und schließlich Kermani gefunden hatten. Die Posse offenbarte besonderen Zynismus, mit dem der Preiskandidat im Windschatten des politmedialen Systems den Geistlichen das Wort im Munde umdrehte und sie zu mißratenen Luqmanisten machte: Seine Kritik sei drastische Bilderfahrung, wobei die kirchliche „Diffamierung“ unterschlage, daß sein „ästhetisches Erleben ihn an den Rand der Konversion“ geführt habe (FAZ 15.05.2009). Der Vorgang legte ein pathologisches Staatsverständnis offen, das ideologisch verwertbare Individual-Psychologie zur Richtschnur kollektiver „Toleranz“ macht.

Daß hier die Souveränität „keine Alternative“ hat und auf Landes- und Bundesebene zuverlässig erodiert, bestätigte sich einige Jahre später, als man als Redner im Bundestag zum Tag der deutschen „Einheit 2013 niemand anderen finden konnte als den Doppelstaatler Kermani. Wenn überhaupt, irritierte dies nur kurzzeitig, denn wie der Allzuständige im ZEIT-Interview (s.o.) offenbarte, können diejenigen, die einigermaßen Arabisch verstehen, aber „keinen guten Job“ finden, beim BND und – wie der Verfasser aus eigener Erfahrung beisteuern kann – beim Bundeskriminalamt unterkriechen. Mit dem „guten Job“ sind die vielen Druckposten gemeint, die im ARM, dem Armuts-, Reichtums-, Migrations-/Moral-Konzern in besonderer Weise den Seilschaften-Filz des Funktionalen Dilettantismus (Wolfgang Seibel) verdichten. Der verdient eine spezielle Untersuchung, weil er der Demokratie und Kirche die Atemluft so sicher abschnürt, wie sie der radikalen „Hyperventilation“ zugute kommt.

Dabei ist nachzutragen, daß Kermanis Neigung zu den Sufis Teil seiner totalitären Ästhetik ist. Der Dressurdialog zitiert den Sufismus als „Beweis“ islamischer Milde, während dessen Frömmigkeit „die strenge Befolgung der Scharia voraussetzt. Sie will deren Regeln so weit im einzelnen Muslim verankern, daß er im absoluten Gehorsam gegen Allah sein Ich abstreift, ‚in Allah entwird‘ …“ (Tilman Nagel, Angst vor Allah?, 50 – Berlin 2014) – eine Vorlage für Kermanis Ohnmacht im sufischen Atemrausch. Zwar befähigt dies zur schizophrenen Position zwischen radikaler Kreuzeskritik und Fast-Konversion, doch verrät er nicht, warum er die Gesellschaft christo-esoterischer Charismatiker meidet, die seine Bedürfnisse in Hyperventilation und Entwerden mindestens ebenso kompetent abdecken könnten.