Kampf gegen Rechts? DFB tilgt Wort „National“

Fußball-Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat eine schmerzliche Lücke geschlossen, die keiner vor, nach und außer ihm wahrgenommen hat, diensteifrige Sport- und Agenturjournalisten natürlich ausgenommen. Wenn Italien seine „Squadra Azzurra“ hat, Frankreich seine „Bleus“ und England seine „Three Lions“, warum hat dann bloß die deutsche Nationalauswahl keinen so schicken und griffigen Markennamen?

Also grübelte Oliver Bierhoff und beauftragte, wofür ist man schließlich Manager, für teuer Geld eine Werbeagentur. Die dachte sich was ganz Besonderes aus: „Die Mannschaft“. Die Mannschaft? Die Mannschaft. Sind zwar eigentlich alle anderen auch, Fußball ist schließlich ein Mannschaftssport, aber wenn Volkswagen „Das Auto“ für sich reklamiert, dann hat Deutschland eben „Die Mannschaft“. Was halt so herauskommt, wenn hochbezahlte Kreative ihre Hirne stürmen lassen.

Man hätte natürlich auch einfach den Fußballbegeisterten aufs Maul schauen können. Bei den anderen Fußballnationen kommen die vermeintlichen Markennamen nämlich auch nicht aus der Management-Retorte, sondern haben sich im Sprachgebrauch der Anhänger durchgesetzt. Die sagen hierzulande „unsere Jungs“, „unsere Nationalelf“ oder schlicht „die Nationalmannschaft“, so wie der DFB seit 2010 selbst auch, und jeder weiß, was gemeint ist, auch ohne Sprachvorgabe von oben.

Auch die Nationalfarben fliegen aus dem Logo

Aber so einfach geht das nicht mit der deutschen Fußballobrigkeit. Das Volk entscheiden lassen, und sei es auch nur das Fußballvolk, wo gibt’s denn so was? „Nationalmannschaft“ sei ja viel zu sperrig, dozierte Bierhoff auf der Pressekonferenz, und der schmissige Imagefilm, der die doch eher bescheidenen Früchte der intellektuellen Anstrengung der Marketing-Experten glanzvoll verpacken sollte, zeigt auch gleich, wie’s gemacht wird: Wie der Schneider mit der Scher’ wieselt da ein Mauszeiger herum, schnipselt aus der „Nationalmannschaft“ das „National“ raus und bleicht im DFB-Logo das Schwarz-Rot-Gold zu freundlichem Weiß auf Goldgrund. Da freut sich sogar der Mesut Özil.

Klar, man hätt’s auch mit den neutralen Schweizern halten und die „Nationalmannschaft“ einfach zur „Nati“ abkürzen können. Aber das ist erstens schon besetzt und klingt zweitens ein wenig nach dem, was man ja auf gar keinen Fall mehr sein möchte.

(Fortsetzung des Artikels von Michael Paulwitz in der Jungen Freiheit)


Kommentar von PI: Wir wissen nicht, wie es unseren Lesern geht, aber uns ist schon lange der Spaß am Zuschauen von Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – sorry – „der Mannschaft“ vergangen.