„Flüchtlinge“ bei Mittelschicht einquartieren

gut-leben-in-deutschlandEs wird laut darüber nachgedacht, wo wohl der Widerstand gegen die Unterbringung von „Flüchtlingen“ am geringsten ist. Am wenigsten Palaver macht die Mittelschicht. Ein Migrationsforscher erklärt, warum.

Aus dem Interview bei Deutschlandradio Kultur:

Der Kölner Soziologe Jürgen Friedrichs fordert Städte und Gemeinden dazu auf, sich darauf einzustellen, Asylbewerber nicht nur kurze Zeit zu beherbergen.

„Ich denke, dass wir einen Riesenfehler machen, wenn wir diejenigen, die jetzt als Flüchtlinge zu uns kommen, als Personen betrachten, die nach kurzer Zeit wieder in ihr zerrüttetes Heimatland zurückkehren werden. Wir müssen sie als Emigranten betrachten.“

„Langfristig zu planen, davon auszugehen, dass noch mehr Grundstücke und Gebäude benötigt werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren, und dass sie das Flüchtlingsproblem vorrangig behandeln müssen, denn wir können die Leute ja nicht im Meer ertrinken lassen.“

Asyl als dauerhafte Einwanderung – das scheint eine ausgemachte Sache zu sein. Die Stadtplanung muss sich anpassen:

„Das heißt, es gibt immer konkurrierende Nutzungen, und natürlich ist die Nutzung, jetzt eine Flüchtlingsheim dorthin zu bauen, für die Stadt die schwierigste von allen. Weil sie sagt, das andere wäre vielleicht sinnvolle. Man könnte ja auch sozialen Wohnungsbau dort errichten. Aber danach geht es im Augenblick ja leider nicht.“

Dass deutsche Familien in deutschen Städten bezahlbaren Wohnraum finden, ist kein vordringliches Problem. Es gilt, sich auf die „Flüchtlinge“ zu konzentrieren. Für die soll fußläufig alles vorhanden sein:

„Also, wenn die Einkaufsmöglichkeiten da sind, Schulen da sind, Kinderspielplätze da sind, warum soll man dann nicht auch in ländliche Gegenden gehen? Insgesamt ist es aber wohl im Augenblick sinnvoll, in den Städten zu suchen und die Flüchtlinge in den Städten unterzubringen.“

Allerdings sollten Unterkünfte mit Bedacht gewählt werden.

Mit Villengegenden hat man noch keine Erfahrungen sagt der Städtebau-Migrationsspezialist:

„Das würden wir gerne wissen. Dazu haben wir keine Erfahrungen. Das Beispiel, das im Augenblick ansteht, ist ein Gebäude, ein ehemaliges Kreiswehrersatzamt in Hamburg-Harvestehude, wo in der Tat 200 Flüchtlinge in ein ausgesprochen oberes Mittelschichtswohngebiet mit Eigentumswohnungen um die 8.000 Euro pro Quadratmeter ziehen sollen. Und ob das klappt oder nicht klappt, wird man sehen. Ich bin skeptisch.“

Einquartierungen in Unterschichten-Vierteln sollen vermieden werden. Die Einwohner könnten sich „ethnisch bedroht“ fühlen:

„Und das, denke ich, ist eine richtige Überlegung, denn eine wichtige Erkenntnis aus der ganzen Migrationsforschung ist natürlich, dass je weniger gebildet eine Person ist und je eher es eine arbeitslose Person ist, desto eher hat sie das Gefühl der ethnischen Bedrohung, also der wirtschaftlichen und kulturellen Bedrohung durch die Minderheit. Also wird man in solche Gebiete nicht gehen können.“

Wer sind diese Unterschicht-Rassisten? Sind das die Kevins und Chantalles?

Landkarten bei der FAZ zeigen, wo in deutschen Städten „die kulturell Bedrohten“ wohnen. Für die Stadt Essen ist das Viertel schnell ausgemacht:

In Altendorf dagegen leben vorwiegend Migranten, Schwarzafrikaner und Kinder türkischer oder italienischer Einwanderer. Hier reiht sich Döner-Bude an Döner-Bude schier endlos die Helenenstraße entlang, dazwischen mal ein Sonnenstudio.

Die aus Italien stammenden Einwanderer halten es dort kaum noch aus. Es gibt Stadtviertel, wo höchstens die Kinder morgens noch aufstehen – welche Stadtteile das wohl sind?

Optimale Voraussetzungen sieht der Umvolkungssoziologe bei der Mittelschicht:

„Man wird im allgemeinen Sinne in Mittelschichtswohngebiete gehen. Man wird einen Standort wählen müssen, indem man sagt, haben wir hier eine gemischte Wohnbevölkerung, von der man noch annehmen kann, dass sie toleranter sind, und von denen man auch annehmen kann, dass sie der Bevölkerung helfen. Also man geht in eine gemischtes Wohngebiet erst mal generell und schneidet sozusagen die oberen und unteren Enden der Einkommenspyramide weg.“

Um solche noch toleranten Standorte für Schöner Wohnen zu finden, sollte man einfach auf die politische Landkarte schauen: „grünes BürgermeisterIn“ = Toleranz bis zur Selbstaufgabe! Bei der Welt wird man schon mal darauf eingestimmt, dass man sich fleißig engagieren muss, wenn man mit seiner Familie weiter ruhig in seinem Viertel leben will.

Bislang lehnen 69 Prozent der Bevölkerung eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen ab, anders sieht es nur die „Elite“. Einige „Mittelschichtler“ sind bereit, öffentlich zu protestieren. Ob sich das verstärken wird? Oder werden sich die Leute zurückhalten, weil sie a) zu feige und b) zu beschäftigt sind?

Als Titelbild haben wir Merkels Bürgerdialüg „Gut leben in Deutschland“ ausgewählt. Dort sollen die Zukunftswünsche von Bürgern gesammelt werden, über deren Köpfe hinweg längst vollendete Tatsachen geschaffen werden. Der Vater im Titelbild sagt, dass das soziale Umfeld ihm wichtig sei. In welchem sozialen Umfeld werden seine Kinder wohl aufwachsen? Schon jetzt sieht es in deutschen Städten verheerend aus. Beispiel aktuellster Sozialbericht NRW:

mindessicherung-nrw-2013

Bei der Welt schreibt ein Leser zur Einquartierung bei der Mittelschicht:

mittelschicht

Bald werden deutsche Städte flächendeckend aus „Problemvierteln“ bestehen. Da sich die Mittelschicht gehobene Wohnlagen kaum noch leisten kann, werden wir in Zukunft auch öfter solche Bilder sehen:

asyl-in-kissing

Update: Was einem aufmerksamen PI-Leser aufgefallen ist:

Danke an Roger1701!