„Refugees Welcome“-Christentum

imageVon den Enden der Erde drängen die Armen gegen die Reichen heran. Die „Flüchtlinge“ klagen an und sind die „Schande Europas“. Für amts- und staatskirchliche Milieus mit ihrem säkularisierten Sozialevangelium ist das die Gelegenheit, als Kirche der Armen aufzutreten und das Evangelium in seiner sozialen Radikalität „neu zu entdecken“.

(Von Marcus)

Worin besteht denn die Radikalität dieses Gutmenschen-Refugee-Christentums? Zunächst darin, dass es sich an der Wahrhaftigkeit versündigt. Wer sich jeden Einlassforderer zum edlen Flüchtling schönredet, muss sich die Dinge zurechtlügen. Aber nicht genug damit, sich selbst etwas vorzumachen. Auch die Nächsten werden mit der Mär von der verkörperten Erbarmungswürdigkeit frei von Falsch und jeder eigennützigen Berechnung propagandistisch malträtiert. Schließlich sollen alle für das große Stemmen mobilisiert werden – und sei es durch moralische Erpressung.

Aus gutem Grund ist dieses Gutmenschen-Refugee-Christentum politisch. Alles ist in unserer Gesellschaft irgendwie politisch. Auch Sex und Ernährung. Warum also nicht die radikal gelebte Fremden- und Fernstenliebe? An das Kollektiv delegiert, können die großen Gefühle der Selbstlosigkeit, der grenzenlosen Empathie und des abgehobenen Bessermenschentums privatisiert, die Kosten und Risiken des Refugee-Erlösungsprojektes indes sozialisiert werden.

Radikal ist das Refugee-Welcome-Christentum als politischer Radikalismus – und dies keineswegs nur als Verbalradikalismus, der sich anklagend in sozialpolitischen Maximalforderungen ergeht. Was ist es denn anderes als politischer Radikalismus, wenn der Staatszweck in sein Gegenteil verkehrt werden soll? Anstatt eine Schutzgemeinschaft für Leib, Leben und Eigentum seiner Glieder zu sein, soll er zum Instrument pervertiert werden, um externe Begehrlichkeiten im Zweifelsfall gegen die eigene Bevölkerung durchzusetzen.

Davon zeugt nicht zuletzt die Verachtung für die gehässig so bezeichneten „besorgten Bürger“ oder für identitäre Christen, die an Pegida teilnehmen. Keine Spur von der sonst als neues Evangelium zelebrierten Barmherzigkeit gegenüber allem und jedem. Für die Kirchenfunktionäre auf dem Flüchtlingstrip gibt es zwei Arten von Menschen: (1) Der edle Flüchtling als makelloses Opfer im Stand der Urgerechtigkeit. (2) Der hässliche Deutsche, der von Grund auf verdorben ist und sich nur durch äußerste Selbstverleugnung vor dem moralischen Tod retten kann.

In Angelegenheiten der Polis sollte der Christ doch auf das Wohl und den Erhalt des Gemeinwesens bedacht sein. Ein wohlgeordnetes Gemeinwesen ist ein hohes Gut, an dem sich vergreift, wer dieses Gut wie Perlen vor die Säue wirft. Hingegen will sich die vom Flüchtlingspathos erhitzte evangelische Radikalität in größtmöglicher Verantwortungslosigkeit beweisen. Durch die Anstiftung zur Massenauswanderung Richtung Germany in globalem Ausmaß wird eine Dynamik befeuert, die jedes Gemeinwesen in Stücke reißen kann.

Je herausfordernder die Missachtung des gesunden Menschenverstandes, der ökonomischen, politischen und anthropologischen Vernunft, desto radikaler und konsequenter begreift sich das Gutmenschen-Refugee-Christentum. Aber Vorsicht! So einfach ist es dann mit dem göttlichen Beistand auch wieder nicht, der das alles schon richten wird. Wer leichtsinnig und vermessen aus dem sechsten Stock hüpft, in der Erwartung, ein Engel des Herren werde ihn schon auffangen, der schlägt hart auf dem Boden der Realität auf.

Aber, so heißt es, was soll man denn tun angesichts des ganzen Elends in der Welt? Da könne man doch nicht „ohnmächtig“ zusehen? Ist das jetzt die liebende Sorge um die fernsten Glieder der Menschheitsfamilie, die hier Unbehagen verursacht oder gekränkter Stolz? Auch mit noch so viel „Yes we can“- oder „Wir schaffen das“–Propaganda, auch nicht mit dem ambitioniertesten Kraft- und Gewaltakt christlicher Caritas werden wir die Erde aus ihrem Elend erheben und in ein irdisches Paradies verwandeln. Das ist die Lehre der „Ohnmacht“ – wie der Name schon sagt.

Genau das aber scheint das Selbstverständnis eines rein humanistischen Selbsterlösungs-Christentums zu sein, das, wie auch die linken sozialen Utopismen, von der Flüchtlingswelle beflügelt wird. „Kommt alle“ lautet die Parole. „Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten“. Mit der schieren Wucht der Flut soll alles hinweggerissen werden. Augen zu und durch! Wir lassen es darauf ankommen, reißen unser irdisches Vaterland ein, auf dass sich das himmlische Jerusalem aus dessen Trümmern erhebt.

In seiner äußersten Radikalität schafft sich das Christentum dann noch selbst ab. Dahin zeigt die taumelnde Begeisterung für die „Pluralisierung“ – Islamisierung – des einst christlich geprägten Landes. Der materielle Unterbau des Christentums in Gestalt einer in Jahrhunderten geprägten christlichen Landeskultur wird verächtlich zurückgelassen. Am Ende steht das reine, gestaltlose Humanitätsgefühl der Allumarmung. Davor muss dann, wenn man es ganz radikal nimmt, auch Jesus der Christus als Identifikationsfigur einer um ihn gruppierten Gemeinschaft und ihrer konkreten geschichtlichen Manifestationen weichen.