FAZ verreißt Abdel Samads Mohamedbiographie

abdel_samadRainer Hermann (kl. Foto) ist promovierter Orientalist und war – u. a. für die FAZ – als Korrespondent in Kuwait, Istanbul und Abu Dhabi tätig. Die geradezu lachhafte Qualität seines versuchten Verrisses von Hamed Abdel-Samads (Foto) gerade erschienener Mohammed-Biographie, die er weitgehend als Phantasieprodukt diffamiert, ist nicht auf mangelnde Bildung zurückzuführen, sondern dient offenbar sachfremden Interessen. Schon dass Leser den Artikel nicht kommentieren dürfen, spricht Bände. Will Hermann den immer stärker durchbrechenden Unmut in der Invasoren-Debatte dämpfen oder hat gar ein IS-sympathisierender Golfstaat ein Sümmchen ausgelobt? Noch vor wenigen Jahren, als Wolfgang Günter Lerch in der einst so angesehenen Main-Postille die Expertise für Nahost und Nordafrika präsentierte, wäre die Veröffentlichung eines derart niveaulosen Pamphlets im Rezensionskleid nahezu undenkbar gewesen.

(Von Jankonrad)

Es fängt gleich unterirdisch an. Abdel-Samad „bedient mit einer […] scheinbar populärwissenschaftlichen Abhandlung“ – Wissenschaft im Plauderton ohne einen Wust lästiger Fußnoten ist zwar ein allgemein anerkanntes Genre, aber Wissenschaftlichkeit mag der Autor Abdel-Samad auf Teufel komm raus nicht zugestehen – „die Angst vor dem Islam“. Da ist sie wieder … Herr Hermann, sind Sie nazophob? Päderastophob? Homizidophob? Nein? Aber Sie haben etwas gegen die NS-Ideologie, gegen Kinderschänderei und die Ermordung Unschuldiger? Dann ersparen Sie Ihren Lesern auch die abwegige Pathologisierung einer begründeten Ablehnung des Mohammed-Kults. Was der Islam ist, lässt sich an seiner menschenfeindlichen Praxis in den Gebieten, in denen er die Oberhand gewonnen hat, festmachen. Derjenige, der das Verhüllen und Wegsperren von Frauen in Dutzenden Staaten der Welt, ihre Verurteilung zu vermummten Beifahrerinnen z. B. in Saudi-Arabien, wo man „islamophobe“, Straßenräuber und Hexen bis heute – offiziell sanktioniert von der sunnitisch-orthodoxen Rechtsprechung des Landes – enthauptet und ausländischen Christen (inländische gibt es allenfalls im Gefängnis und im Untergrund) am Flughafenzoll ihre Kreuze vom Hals reißt, kritisiert, ist vernunft- sowie menschenrechtsgeleitet und kein Kranker – das ist allenfalls der, der ihn dazu abstempeln will!

Abdel-Samad leite „Wasser auf die Mühlen aller, die mit dem Islam lediglich Gewalt und Dschihad assoziieren“. Na und? Die Bonner Professorin für Islamwissenschaft, Christine Schirrmacher, führt im Rheinische-Post-Interview aus:

Solange die Kampfaufrufe Mohammeds und der Kalifen nicht für alle Zeiten für ungültig erklärt werden, wird der Islam sein Gewaltproblem nicht loswerden [..] Auch das Vorbild des Propheten Mohammed als Kriegsherrn und das grundsätzliche Gebot, ihn in allem nachzuahmen, ist von der Theologie nie grundsätzlich relativiert worden.

Rainer Hermann aber sucht das Problem beim Überbringer der schlechten Nachricht. Das ist ebenso indiskutabel wie sein missgünstiges Geraune von den „klingelnden Kassen“, um derer willen Hamed Abdel-Samad dem mekkanischen Propheten keine lichtvolle Seite gönne. Die aber hatte er nun einmal nicht!

Die Ideologen des IS lesen […] Mohammeds Biographie so einseitig, wie es auch Abdel-Samad tut.

Und in welcher Weise hebt sich die für die ordentliche saudische Gerichtsbarkeit maßgebliche Idschtihad, d. h. die fallspezifisch kodifizierte Interpretation der mit dem Koran sowie in den Lebens- und Handlungsschilderungen des Propheten (Hadithen) vorliegenden Rechtsquellen, in ihren Auswirkungen vom IS-Terror ab? In Saudi-Arabien und vom IS werden praktisch die gleichen brutalen Leibesstrafen für gleiche Vergehen verhängt, wie der SPIEGEL recherchiert hat. Das Abdrängen des IS in die religiöse Obskuranten-Ecke funktioniert so leicht nicht, wie Hermann uns glauben machen will. Selbst wenn es sogar dem Scheich der Kairoer Al-Azhar-Universität als renommierter islamischer Autorität mit der IS-Abschlachterei irgendwann zu bunt wurde. Schon wieder ein Kulturkonflikt? Buntheit haben wir Deutschen doch längst mit Glück und Bereicherung gleichgesetzt!

Hermanns ressentimentgeleitete Erörterung konkreter Inhaltsbeispiele ist nach der Simpel-Masche „Lob für Unverfängliches, Demontage der Kernbotschaft“ gestrickt.

Indes geht bereits Ersteres nach hinten los. Denn der Brachial-Rezensent schließt sich zunächst Abdel-Samads Diskreditierung des auch unter „vielen“ zeitgenössischen Muslimen verbreiteten Verständnisses des im 7. Jahrhundert Geschehenen als „Richtlinie und Handlungsaufforderung für alle Zeiten“ an. Da sind sie doch, die Herabwürdigungen und Verfolgungen Un- und Andersgläubiger, die Ehrenmorde und Versklavungen von „Kuffar“. Bei derartigen Erscheinungen den Anfängen wehren zu wollen ist pathologisch, Herr Hermann? Im Ernst?

Ebenso wenig nachvollziehbar ist die Zustimmung des FAZ-Redakteurs zu Abdel-Samads Anprangerung des von seinen frühen, mekkanischen Friedenspredigten zu den medinensischen Gewaltrechtfertigungen übergehenden Propheten, die den Koran als moralische Orientierungshilfe für das 21. Jahrhundert disqualifiziere.

Wenn der Koran eine ethische Wegweisung nicht sein kann, aber doch offensichtlich massenhaft als solche genutzt wird, was folgt daraus? Dass Deutschland ein Problem hat, wenn der Islam zu Deutschland gehört. Und dass Hermanns Verharmlosungsversuche einer Lesart folgen, an die er selber nicht glaubt.

Ihm wird kaum entgangen sein, dass unsere Sozialsysteme längst auch die islamische Vielehe fördern, gleichviel, ob im Einzelfall vorgetäuscht oder nicht. Dennoch meint er, Mohammed einen rhetorischen Rüffel für seine insgesamt dreizehn, gleichzeitig bis zu neun Ehen – viel mehr, als er seinen Anhängern zugestand – und seinem ehelichen Beischlaf mit einer Neunjährigen verpassen zu sollen.

Dass aus den dreizehn Ehen gerade einmal zwei Söhne hervorgingen, die der Prophet auch noch überlebte, ist durchaus merkwürdig. Das entspricht einem Schnitt von 0,15 Söhnen je Ehe. König Sobhuza II. von Swasiland kam im 20. Jahrhundert auf 210 Kinder von 70 Ehefrauen, also drei Kinder je Ehe, darunter rechnerisch 1,5 Söhne je Ehe. Er war also zehnmal so fruchtbar wie Mohammed. Kann man es Abdel-Samad daher verdenken, eine mögliche Impotenz des Religionsstifters in Erwägung zu ziehen? Ohne männliche Nachkommen („abtar“) zu sterben galt seinerzeit als Makel, der sich jedenfalls bei Mächtigen und Begüterten in der Regel sexuellen Ursachen verdankt haben dürfte – aufgrund des inneren Zusammenhangs ist hier nicht von einer „Ungereimtheit“ zu sprechen wie Hermann es tut, sondern allenfalls von einer perspektivischen Nuance. Mohammeds zeugungsbezogener Makel bzw. Mangel musste in der den Gläubigen
geschenkten Tröstungs-Sure 108 (1 – 3) mit seinem erlesenen, erhabenen und gütigen Wesen verdeckt und überstrahlt werden.

Sodann zitiert der Autor mehrere Anekdoten aus der von ihm „rezensierten“ Biographie, verrennt sich aber bei dem Versuch, Abdel-Samad damit quellenkritisch an den Karren zu fahren. Er gesteht ihm zu, dass die „Hadithe“ (Ausspruchssammlungen und Handlungsschilderungen Mohammeds) von dem unter Muslimen weithin anerkannten Muhammad al-Bukhari (810 – 870) stammten, bemängelt aber, die jeweiligen Ausgaben nicht nachvollziehen zu können.

Gerne wüsste man, woher er etwa die […] Geschichte hat, in der Muhammad mit seiner christlichen Sklavin Maria Geschlechtsverkehr hatte und […] seine […] Frau Aischa ihn […] zur Rede stellte.

Hier nachzuschlagen, statt ins Blaue zu fragen hätte geholfen! Wer also arbeitet hier schludrig? Außerdem: Seit wann ist es Usus, die Leser populärwissenschaftlicher Werke mit haarspalterischen Vergleichen altorientalischer Buchausgaben zu foltern?

Ganz absurd wird es, wenn Hermann eine Hierarchie der Quellen nach dem Grad ihrer Historizität postuliert. Weder der Koran noch die Hadithe, selbst in ihrer frühesten, von späteren Bearbeitungen verdrängten Zusammenstellung des Ibn Ishaq (ca. 704 – 767/768) können Anspruch auf jene erheben. Wenn Abdel-Samad im Interview des Deutschlandfunks auf die „anerkannten Quellen“ verweist, bezieht sich dies insofern lediglich auf eine von Muslimen geglaubte geschichtliche Faktizität.

Dafür, dass jener Mohammed aus Mekka tatsächlich gelebt hat, spricht nach den von der historisch-kritischen Forschung aufgestellten Kriterien indes vieles, denn es ergibt sich das Bild einer Persönlichkeit voller innerer Spannungen, Zerrissenheiten, Unbeherrschtheiten und menschlicher Schwächen, wie Hamed Abdel-Samad richtig herausarbeitet. Das spricht für die Wahrheit einer im Einzelnen zu postulierenden historischen Kernüberlieferung, wobei die universitäre Forschung jedwede übersinnlich-metaphysische Axiome außer Betracht zu lassen bzw. als zur Persönlichkeitsüberhöhung fabrizierte Mythen zu interpretieren hätte.

Das Gemetzel des Propheten am wehrlosen jüdischen Stamm der Banu Quraiza, der sich ihm bereits ergeben hatte, wird dabei nicht wegerklärt werden können, denn es erschien bereits den Zeitgenossen als ungeheuerlich und stach mit seiner Brutalität selbst in der damaligen unruhigen Epoche heraus. Eine auf ihr moralisches Erscheinungsbild erpichte Glaubensgemeinschaft würde ein Ereignis, dass sie vorhersehbar unter Rechtfertigungsdruck setzen würde, wohl kaum je erfinden.

Jener furchtbare Genozid damals in der Wüste erinnert durchaus an den Holocaust, auch wenn der FAZ-Redakteur gegen Abdel-Samads diesbezüglichen Hinweis empörte die Political Correctness in Stellung bringt.

Dem heutigen westlichen Leser drängt sich bei den Schilderungen über die Beseitigung der Juden aus Medina der Gedanke an die Vernichtung der europäischen Juden in den dreißiger und vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts auf. (Hans Jansen: Mohammed – Eine Biografie, C. H. Beck 2008, S. 316)

Hans Küng spricht von einer „ethnischen Säuberung“. Welch ein Vorbild als Religionsstifter!

Um Mohammeds unheilvollen Wesen- und Handlungskern wissen auch die durchaus vorhandenen liberalen Muslime, die heute ein kaum beachtetes Schattendasein fristen, z. B. beim Liberal-Islamischen Bund e.V. Wenn das Rainers Hermanns Hoffnungsträger sind, denen er Abdel-Samad als sich vermeintlich ins Abseits phantasierendes enfant terrible gegenüberstellt, von dem die angeblich mögliche Erneuerung des Islams nicht kommen könne, dann gute Nacht! – denn in seinen Positionspapieren kapriziert sich der Bund gerade einmal auf eine thesenartige Aufwertung der Homosexualität, womit man sich schon weit vorgewagt hat. Würden sich die Liberal-Muslime hingegen ernsthaft des islamischen Gewaltproblems annehmen, müssten sie wohl Polizeischutz beantragen, aber die Ordnungshüter sind aktuell leider ausgelastet.

Außerdem spricht eine schillernde Figur wie Lamya Kaddor als Vorsitzende nicht gerade für eine (pardon) „koschere“ Organisation.

Die einzige echte Chance der Erneuerung des Islams läge in der Durchsetzung der Auffassung, dass Mohammed niemals gelebt hat. Das ist zwar weniger wahrscheinlich als das Gegenteil, aber dafür ließen sich dann alle Hässlichkeiten seines Wesens und seiner Handlungen abstreifen wie alte Socken von den Füßen, da Mythen prinzipiell neu gestaltbar sind. Für die meisten, die das skizzierte Konzept umsetzen wollten, gab es bislang allerdings ein böses Erwachen.


Nachtrag PI-Redaktion:

Eine kurze Erwähnung verdient an dieser Stelle noch Daniel Bax, islamophiler Multikulti-Systemschreiber, der im SPIEGEL, trotz angeblichem Studiums der Islamwissenschaften, dem Psychopathen Mohammed huldigt, den Islam in die Aufklärung verfrachtet und sogar „seriösen Medien“, wie er sie nennt, die Hamed Abdel-Samads Buch gut beurteilten, fehlerhafte Berichterstattung unterstellt, sie allesamt offenbar am liebsten ins Nazi-Eck stellen würde.

Bax hält den verrückten Kinderschänder und Massenmörder Mohammed für „eine spannende Figur: Kaufmann, Prediger, Dichter, Gesetzgeber, Kriegsherr und Eroberer, Religionsstifter und Staatsgründer, Waisenkind und mehrfachen Ehemann“. So kann man das als linker Spinner natürlich auch sehen.

Und weil dem eingeschränkten Denker leider handfeste Argumente fehlen, muss dann eben die AfD, von der der Autor im Juni dieses Jahres zu einem Vortrag eingeladen war (PI berichtete), als „Beweis“ für die „braune Gesinnung“ Abdel Samads herhalten.

Hamed Abdel Samad hat zum Unterschied von Daniel Bax, den Islam von Kindheit an erlebt und weiß wovon er spricht. Daniel Bax beschwert sich darüber, dass „seriöse Medien“ Hamed Abdel Samad ein Forum böten. Viel tragischer ist, dass selbstverliebte unwissende Meinungsfaschisten sich Journalisten nennen und unter dem Titel der aufklärenden Berichterstattung ihren hanebüchenen Mist absondern dürfen. Was er im Übrigen der Meinungsfreiheit verdankt, die er, wenn es die Meinung anderer ist, wohl gerne lieber heute als morgen abschaffen würde.