SPIEGEL: Neun Seiten über die „Neue Rechte“

TitelIm aktuellen Spiegel arbeiten sich sieben Redakteure auf neun Seiten an der „Neuen Rechten“ ab. Diese ist offensichtlich so bedeutend, dass sie es schafft, die Nation zu „verstören“. In dieser Titelgeschichte vergleichen die linken Redakteure die AfD von der Organisation her mit einem „Kegelclub“. PI und die Freiheit werden als „anti-islamisch“ beschrieben, was in diesem Fall ausnahmsweise eine wirklichkeitsnahe Darstellung ist. Die Aktivisten von Pegida, Sezession, Kopp und vielen anderen hätten mittlerweile einen „großen Einfluß“ auf das „gesellschaftliche Klima“ im Lande.

Das Titelbild des Artikels zeigt Pegida-Demonstrationen in Dresden, Köln, Berlin und München:

DD-K-B-M

„Ängstlich“ wirken die Demonstranten allerdings nicht, eher kritisch, verärgert und entschlossen. Es gehört zur Strategie der linksverdrehten Presse, der Pegida-Bewegung eine irrationale Angst vor dem „Fremden“ zu unterstellen. Vor allem im Osten, wo man den Bürgern abspricht, die Islamisierung beurteilen zu können, da es dort nur vergleichsweise wenig Moslems gebe. Eine völlig absurde Betrachtungsweise, denn die Menschen im Osten verfolgen sehr genau, wie die Islamisierung in den Großstädten des Westens abläuft, und es ist ihr gutes Recht, dies bei sich keinesfalls zulassen zu wollen.

Die „neue rechte Bewegung“ arbeite laut Spiegel mit „viel geschickteren Methoden“ und habe eine „weit größere Anziehungskraft als ihre Vorgänger“. Neue rechte Szene Sie habe sich in die Mitte der Gesellschaft vorgearbeitet und wird schon als „rechte außerparlamentarische Opposition“ bezeichnet, gewissermaßen als Gegenstück zur linken APO der 70er Jahre. Auf den neun Seiten wird klar, wie ernst der Spiegel diese Bewegung nimmt. Als ihre Auslöser werden nicht nur die Flüchtlingskrise, sondern auch Proteste gegen Hartz IV, Euro-Rettungspolitik und Bauprojekte wie Stuttgart 21 genant. Aber der „wichtigste Katalysator“ seien schon die „Flüchtlinge“, die mittlerweile die Mehrheit der deutschen Bevölkerung Flüchtlinge Katalysator aus verschiedenen Gründen beunruhigen würden. Sie fühlten sich von der Bundesregierung nicht mehr „ernst genommen“. Überall in Europa würden die „rechtspopulistischen“ Parteien „enormen Zulauf“ bekommen. In Deutschland hätten „Bürger und Politik“ bisher aber „genügend Abwehrkräfte“ gegen die „rechte Versuchung“ aufgebracht. Nun aber scheine sich die Frage zu stellen, ob es mit Blick auf die Erfolge des Front National auch bei uns bald „französische Verhältnisse“ geben könne. Vieles erinnere hierbei auch an die amerikanische Tea-Party-Bewegung, die auch das Gefühl habe, von den „Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien“ betrogen zu werden.

AfD

Die AfD erreiche in Umfragen jetzt acht bis zehn Prozent, obwohl sie laut Spiegel so professionell daherkomme „wie ein herkömmlicher Kegelclub“. Trotzdem verunsichere die rechte Bewegung die Union, deren Funktionäre hin- und hergerissen seien zwischen der Loyalität zu ihrer Kanzlerin und dem Wunsch, den „abdriftenden Bürgern“ eine politische Heimat zu bieten. Höcke Als AfD-Protagonist wird Björn Höcke ausführlich dargestellt, da er momentan am Auffälligsten in der Öffentlichkeit agiert. Alexander Gauland wird mit seiner Bezeichnung „Barbaren“ für Flüchtlinge zitiert. Zu Parteichefin Frauke Petry wird gesagt, dass sie „noch“ auf Distanz zum Front Nationale gehe, aber die Programmatik beider Parteien zu Asyl, Einwanderung, Integration, TTIP sowie dem Nein zu Eurorettung, Bankenunion und Sanktionen gegen Russland sei fast „deckungsgleich“. An der AfD-Basis sei „der Schulterschluss“ mit den Franzosen „ohnehin erwünscht“.

Der frühere MDR- und ARD-Redakteur Armin Paul Hampel könne seinen jetzigen Parteikollegen erlären, wie die Selbstzensur in der „Lügenpresse“ funktioniere. Hampel Der „Aussteiger“ aus dem Mediensystem komme an der Basis gut an. In Erfurt habe er den Demonstranten gesagt, die Ostdeutschen hätten sich das gesunde Misstrauen gegenüber Medien und Politik bewahrt. Vom Spiegel auf die Brände in Flüchtlingsheimen angesprochen, mutmaßt er, dass ein „Gutteil“ von den Bewohnern selber verursacht wäre, vor allem durch „Unkenntnis der Technik“, da sie aus ihrer Heimat gewohnt seien, „zuhause Feuer zu machen“.

Eine Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung habe gerade ergeben, dass die Grenzen zwischen rechts und links in der neuen Bewegung „verschwimmen“ würden. Elsässer Es ist von einer „Querfront“ die Rede, in der Jürgen Elsässer ein typisches Beispiel sei. Er habe vor einigen Monaten bei einer Demonstration in Berlin alle aufgerufen, „Antifa, Pegida, Mahnwache, Linke, Rechte“, zusammen zu „marschieren“. Es gebe nur noch „eine Bürgerpflicht“, denen da oben „die Grenzen aufzuzeigen“.

Elsässer-Kubitschek

Neben Elsässer sei auch Götz Kubitschek einer der „Strippenzieher“ der neuen rechten Bewegung. Er habe 2001 als Oberstleutnant der Reserve aus der Bundeswehr ausscheiden müssen, da er sich an „rechtsextremen Bestrebungen“ beteiligt habe. Kubitschek trete seit einiger Zeit auch mit Elsässer und Björn Höcke „gemeinsam in Erscheinung“ und habe in Dresden gerufen, dass es gut sei, dass es jetzt krache. Weitere „Idole“ der Szene seien auch Ken Jebsen, Felix Menzel und Michael Stürzenberger. Strippenzieher Dass hierbei „Die Freiheit“ als „Anti-Islam-Partei“ bezeichnet wird, ist nicht zu beanstanden, wohl aber die Einordnung von PI als „rechtsextrem“. In einem späteren Absatz werden dann die „Anti-Islam-Blogger“ von PI erwähnt, was wohl eher der Realität entspricht. Außerdem werden diverse andere Blogs wie Kopp, Sezession und Freiewelt vorgestellt. PI Immerhin bestätigt der Spiegel, dass „die meisten Wortführer“ der Neuen Rechten „keine Gewalt“ anwenden. Sie würden aber auf Marktplätzen, Kongressen und im Internet die „Stimmung im Lande“ beeinflussen und somit „den geistigen Nährboden“ bereiten, durch den sich gewaltbereite Nazis erst ermutigt sähen, den Worten Taten Folgen zu lassen. Eine Unterstellung, denn alle zitierten Personen lehnen jegliche Form der Gewaltanwendung strikt ab.

Bachmann-Ulfkotte

Auch der frühere FAZ-Journalist Udo Ulfkotte und Pegida-Chef Lutz Bachmann werden in dem Spiegel-Bericht dargestellt. Letzterer als „Meister der Desinformation“, der „nahezu jeden Tag“ seine 20.000 Fans auf facebook mit „Gruselgeschichten aus dem Flüchtlingsalltag“ bombardiere.

Diese neun Seiten zeigen, wie groß die Bedeutung der „Neuen Rechten“ mittlerweile geworden ist. Sie übe „großen Einfluß auf das gesellschaftliche Klima im Lande“ aus. Am Ende des Artikels unterstellen die sieben Spiegel-Redakteure, dass das Ziel dieser Bewegung die „Zerstörung des bestehenden demokratischen Systems“ sei, um danach „etwas Neues“ zu errichten – was auch immer das sei. DeutschlandDa haben wir es wieder – das unterschwellig vermittelte Schreckgespenst eines „Vierten Reiches“, das im Anmarsch sei. Beinahe humorvoll hingegen der Schluß-Absatz des Artikels, in dem auf eines der beliebtesten Motive der rechten Szene eingegangen wird. Wie sehr dieser Leitartikel des Spiegel Beachtung findet, zeigt Edmund Stoiber, der am Montag in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ darauf verwies. Die „Neue Rechte“ ist stark im Kommen..