Und zu Weihnachten jedem seinen „Flüchtling“

leyenWir hatten es am Freitag bereits vermutet: die staatliche Propagandaabteilung, auch „unabhängige Presse“ genannt, wird uns vor Weihnachten mit noch so manch larmoyanter „Flüchtlings“geschichte heimsuchen. Das SystemBILDerbuch hat sich aber diesmal selber übertroffen: eine Homestory mit Deutschlands strategie- und waffenloser Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihrem syrischen, sunnitischen „Flüchtling“ mit besonderer Begabung. Von der Leyen hat es nämlich getan, sie hat einen „Schutzsuchenden“ aufgenommen. Natürlich keinen Analphabeten mit stets offenem Messer in der Tasche, nein, einen turnierreitenden Arztsohn mit empfindsamer Seele.

(Von L.S.Gabriel)

Die Geschichte beginnt, um es gut hervorzugeben, mit dem „großen Hass auf Flüchtlinge im Internet“. 789 Brandanschläge auf Illegalenunterkünfte habe es 2015 bereits gegeben, schreibt Angelika Hellemann sich warm, verschweigt dabei aber, dass der weit überwiegende Teil der angeblichen „Anschläge“ Brände waren, die von den Invasoren wie jüngst in Hameln wieder selbst gelegt wurden.

Aber die Zeilenbeauftragte braucht dieses Bild, um dem ihre Protagonistin Ursula von der Leyen gegenüberstellen zu können.

Das liest sich dann so:

Aber: Jeden Tag helfen Hunderttausende Ehrenamtliche bei der Flüchtlingsintegration. Tausende nehmen sogar Flüchtlinge bei sich zu Hause auf, feiern mit ihnen Weihnachten. CDU-Politikerin Ursula von der Leyen (57) ist eine von vielen. [..]

Die Familie von der Leyen und Karim* (20) aus Syrien lernen sich 2011 über den Pferdesport kennen. [..]

Er ist in der syrischen Jungendnationalmannschaft der Reiter, bildet bei einem Turnier in Herford ein Team mit einer Von-der-Leyen-Tochter. Zurück in Syrien hält Karim Kontakt über Facebook. Dann bricht der Bürgerkrieg aus. Er soll in Assads Armee kämpfen. Weil er Sunnit ist, wollen ihn auch die Rebellen rekrutieren. [..]

In Jordanien schlägt er sich zwei Jahre durch. Anfang 2014 flieht Karim weiter nach Düsseldorf. Er wohnt in einer Gartenlaube, geht zur Sprachschule. Und fühlt sich dort „sehr allein“. Kein Aufenthaltsstatus, keine Krankenversicherung, keine Ausbildung, Zukunftsangst.

Die Von-der-Leyen-Kinder sehen über Facebook, wie schlecht es ihm geht, erzählen ihrer Mutter von Karim.

Im Herbst 2014 zog der Syrer zu den von der Leyens. Mittlerweile hat er eine eigene Wohnung in Hannover und macht eine Ausbildung als Pilot bei einer Flugschule. Sein Asylantrag ist anerkannt.

„Karim zeigt, wie viel Kraft in so jungen Flüchtlingen steckt, wenn wir ihnen am Anfang Zuversicht geben. So viele Flüchtlinge wollen Fuß fassen und etwas in Deutschland schaffen. Diesen Schwung sollten wir aufnehmen und fördern, dann gelingt Integration“, sagt von der Leyen.

Um sicher zu gehen, dass das Weihnachtsmärchen keine Webfehler hat wird der Leser darüber unterrichtet, dass Karim niemals Geld vom deutschen Staat angenommen habe: „Mein Vater hat gesagt: Wir haben Geld. Es gibt so viele Flüchtlinge, die das Geld vom Staat dringender brauchen. Ich habe nur Sicherheit gesucht“, zitiert BILD und endet:

Auch dieses Jahr feiert der junge Mann aus Syrien Weihnachten bei den von der Leyens. Die Ministerin: „Karim hat unser Leben bereichert. Für meine Kinder ist es unglaublich lehrreich zu sehen, wie sehr sich Karim durchbeißen musste.“

Was für eine Weihnachtsschnulze. Ob „Ursula von der Leyen und der perfekte Flüchtling“ verfilmt werden soll, ist nicht bekannt. Früher gab es zu Weihnachten Hamster oder Hündchen. Jetzt soll es ein „Flüchtling“ sein, zumindest wenn es nach BILD und Dressurelite geht. (Spiegel, WELT und n-tv drücken schon fest mit auf die Tränendrüse)