New York Times: Deutschland am Abgrund

In der Silvesternacht belästigten Ansammlungen nordafrikanischer und arabischer Männer im Schatten des Kölner Doms Frauen, die zum Feiern ausgegangen waren. Sie umzingelten sie, befummelten sie und beraubten sie. Von zwei Vergewaltigungen wurde berichtet. Obwohl es von Hamburg bis Helsinki ähnliche Vorfälle gab, spielten die Behörden die Angriffe zunächst herunter, um keine Unbequemlichkeiten für Angela Merkels Politik des Massenasyls für Flüchtlinge zu schaffen.

(Von Ross Douthat, Originaltitel: „Germany on the brink“)

Diese Verzögerung in der Berichterstattung hat nun den Kölner Polizeipräsidenten seinen Job gekostet. Dennoch erscheint die deutsche Regierung mehr damit beschäftigt, die Proteste der einheimischen Bevölkerung zu unterdrücken, als die Migration zu regulieren – zuletzt wurden Deals mit Facebook und Google geschlossen, um Anti-Immigrationskommentare zu beschränken. Erst letzte Woche wies Merkel einen Vorschlag zur Begrenzung der Einwanderungszahlen auf 200 000 für 2016 zurück.

Die hier zugrundeliegende Kontroverse ist nicht neu. Seit Dekaden haben Konservative auf beiden Seiten des Atlantiks davor gewarnt, dass die oft gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzte europäische Einwanderungspolitik den Kontinent zu destabilisieren droht.

Die Konservativen haben wichtige Punkte angesprochen, darunter die Schwierigkeit der Assimilation, die Gefahr der Radikalisierung, sowie die Wahrscheinlichkeit gewalttätiger Ereignisse wie in Paris oder Köln.

Sie haben aber auch apokalyptischere Vorhersagen gemacht, die nicht so leicht zu verteidigen sind, indem sie von „Eurabien“ oder Massenislamisierung sprachen. Bis vor kurzem erschien die Herausforderung an Europa zur Assimilation unangenehm aber nicht unüberwindlich, und die Wahrscheinlichkeit einer Balkanisierung a la Jugoslawien relativ gering.

Mit der gegenwärtigen Zuwanderung befinden wir uns jedoch in unkartiertem Gelände. Das Problem ist nicht nur, dass die Immigranten zu Hunderttausenden anstatt zu Zehntausenden ankommen. Es ist die Tatsache, dass es sich hauptsächlich um junge Männer zwischen 18 und 29 Jahren handelt.

In Schweden beispielsweise, das wie Deutschland eine Politik der offenen Tür betrieben hat, waren 71% aller Asylbewerber Männer. In der durchschnittlich im späten Teenager-Alter befindlichen Kategorie „unbegleitete Minderjährige“ war das Verhältnis gemäß Valerie Hudson in ihrem Essay für Politico noch weiter verschoben: auf jedes Mädchen kamen 11,3 Jungen.

Wie Hudson bemerkt, haben diese Trends einen sofortigen Effekt auf die zivile Ordnung. Junge Männer sind eben junge Männer; Gesellschaften mit starkem Missverhältnis zwischen den Geschlechtern sind tendenziell instabil, und viele dieser jungen Männer haben Ansichten über die gesellschaftliche Rolle der Frauen, die jenen des gegenwärtigen Europas diametral entgegengesetzt sind.

Aber hier gibt es auch noch ein längerfristiges Problem jenseits der Notwendigkeit, den Ankömmlingen klarzumachen, dass, um eine norwegische Broschüre zu zitieren, „es nicht erlaubt ist, jemanden zum Sex zu zwingen.“

Wenn Immigration als ständiger, aber geringer Zufluss stattfindet, laufen die tiefgreifenden Veränderungen nur langsam ab, und die Assimilation hat die benötigte Zeit für ihre Arbeit. Deswegen ist bislang die moslemische Bevölkerung Europas nur um 0,1% pro Jahr gestiegen und viele der türkischen und nordafrikanischen Einwanderer der letzten Dekaden sind heute einigermaßen europäisiert.

Aber wenn man eine Million (oder Millionen) Menschen, die meisten junge Männer, in einer sehr kurzen Zeitspanne einwandern lässt, ergibt sich eine ganz andere Art der Veränderung.

Im Falle Deutschlands ist die entscheidende Zahl nicht die Einwohnerzahl, z.Z. 82 Millionen, sondern die Zahl der Menschen zwischen 20 und 30, die 2013 unter 10 Millionen lag und bereits viele Immigranten beinhaltet. In dieser Kohorte, und in allen Kohorten danach, könnte der derzeitige Einstrom einen Transformationseffekt haben.

Das Ausmaß der Transformation hängt davon ab, ob der Familiennachzug stattfindet. Für den unmittelbaren gesellschaftlichen Frieden verspricht der Familiennachzug Gutes, denn Männer mit Frauen und Kindern sind weniger anfällig für die Teilnahme an sexuellen Belästigungen, Verunstaltung von Synagogen und Radikalisierung.

Aber der Familiennachzug könnte die demographischen Auswirkungen der Migration verdoppeln oder verdreifachen und Deutschland in ein Szenario führen, in dem 50% der unter 40jährigen Bevölkerung aus nordafrikanischen und arabischen Einwanderern und deren Kindern besteht.

Wenn Sie glauben, dass eine alternde, säkularisierte, bisher einigermaßen homogene Gesellschaft eine Einwanderung dieser Größenordnung und kulturellen Unterschiedlichkeit wahrscheinlich friedlich absorbieren wird, dann haben Sie eine glänzende Zukunft als deutscher Regierungssprecher vor sich.

Sie sind dann außerdem ein Narr. Eine derartige Transformation wird wahrscheinlich sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Einwanderern zu Polarisierungen führen. Sie droht in Terrorismus und einer neuen Welle der Gewalt a la 1930er Jahre zu gipfeln. Der französische Autor Michel Houellebecq hat sich voller Vorstellungskraft in seinem Buch „Submission“ Straßenszenen der Gewalt zwischen Einheimischen und Islamisten ausgemalt – Szenen, deren Chancen zur Realisierung in Deutschland sehr gut stehen.

Das muss nicht passieren. Aber die Klugheit gebietet es, alles Mögliche zu tun, um es zu verhindern. Das heißt, Deutschland muss seine Grenzen für Neuankömmlinge einstweilen schließen. Es heißt, der Prozess der Abschiebung gesunder junger Männer muss beginnen. Es heißt, die lieb gewordene Illusion aufzugeben, Deutschland könne sich von seinen Sünden der Vergangenheit durch fanatischen Humanitarismus in der Gegenwart absolvieren.

Es heißt, Angela Merkel muss gehen, so dass ihr Land, und der Kontinent, auf dem es liegt, nicht einen zu hohen Preis für ihre hochgeistige Torheit zu bezahlen haben.

(Übersetzung: James Napier)