„Mitte-Studie“ aus Leipzig für den Papierkorb

1-Mitte-Studie-Uni-Leipzig-2016Für ihre diesjährige „Mitte-Studie“ ließ die Uni Leipzig durch den Subunternehmer USUMA eine repräsentative Stichprobe von 4.902 Haushalten und dort befindlichen „Zielpersonen“ auswählen. Es wurde allerdings noch nicht einmal die Hälfte der Personen tatsächlich befragt. Auf Seite 27 heißt es dazu: Die realisierte Rücklaufquote betrug 49,4%: Am Ende konnten 2.420 Probanden befragt werden. Ausfälle beinhalten insbesondere das Nichtantreffen der Zielperson, aber auch die Verweigerung des Interviews durch die Zielperson.

Der Stichprobenumfang beträgt also n = 2.420. Die Frage, ob eine Umfrage mit einer Rücklaufquote von unter 50 Prozent überhaupt noch repräsentativ ist, wird in der Studie gar nicht erst gestellt. Bei einer Befragung von 1.338 Frauen zu 1.082 Männern darf man dies jedoch bezweifeln. Vor zwei Jahren lag die Rücklaufquote bei 54,8 Prozent.

Die Umstände der Befragung

Die 2.420 Teilnehmer haben im Beisein eines Interviewers, der sie zu Hause besuchte, zwei Fragebögen ausgefüllt. Einen mit personenbezogenen Daten und den zweiten mit den eigentlichen Fragestellungen. Dazu heißt es in der Studie (S. 24f):

Der erste Teil, der gemeinsam mit dem Interviewer ausgefüllt wurde, bezog sich auf die soziodemografischen Angaben zur Zielperson und zum Haushalt nach den demografischen Standards des statistischen Bundesamtes. Hierzu gehörten auch die Links-rechts-Selbsteinschätzung, die Angabe der eigenen Religiosität, die Gewerkschaftsmitgliedschaft und der Migrationshintergrund. Danach wurde den Befragten der zweite Teil des Fragebogens übergeben. Dieser sollte aus Diskretionsgründen eigenständig beantwortet werden. Der Interviewer stand bei Schwierigkeiten allerdings beratend zur Verfügung.

2014 waren in 13,4 Prozent der Fälle auch bei viermaligem Versuch niemand zu Hause. Weitere 13,9 Prozent der Haushalte ließen die Befrager nicht herein. Weitere 15,4 Prozent der „Zielpersonen“ verweigerten die Auskunft. Solche Zahlen fehlen in der neuen Studienpräsentation. So erfahren wir leider nicht, wieviel Prozent der „Zielpersonen“ diesmal keine Lust hatten, wildfremde Leute in ihre Wohnung zu lassen, um einen Haufen personenbezogener Daten und Angaben zu ihrer politischen Einstellung zu übergeben.

Zusammensetzung der Stichprobe

Auf Seite 28 erfährt der Leser, dass sich in der angeblich repräsentativ und zufällig ausgewählten Stichprobe nur deutsche Staatsangehörige befinden!

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Der Anteil deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund wird in der Tabelle mit den soziodemografischen Merkmalen nicht erwähnt, obwohl er abgefragt wurde. An Religionszugehörigkeiten kommen in der Studie vor: evangelisch (832 Personen), katholisch (774 Personen), keine Konfession (697). Macht zusammen 2.303 Personen. Fehlen 117 Personen, über deren Religion die Studie schweigt.

Warum ausschließlich deutsche Staatsbürger befragt wurden, wird nirgendwo erwähnt. Vermutlich ist es für die Studienbetreiber unvorstellbar, dass Menschen aus anderen Ländern nationalistisch, antisemitisch, chauvinistisch, sozialdarwinistisch und diktatorisch eingestellt sein können.

Eine Studie, die ausschließlich Probanden deutscher Staatsangehörigkeit befragt, kann nicht repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2016 sein. Die Unterschlagung des Anteils Personen mit Migrationshintergrund in der Stichprobe (obwohl abgefragt!) ist ebenfalls unseriös.

Eine Studie, die sich dem Rechtsextremismus in der Gesellschaft widmet, hätte zumindest die rechtsextreme Einstellung der größten Einwanderergruppe, nämlich der Türken, erfassen müssen. Beispielsweise deren Einstellung zu Juden, zu Hitler, zur Diktatur. Wie hoch der Anteil sogenannter „Deutschtürken“ an der Stichprobe ist, bleibt leider auch das Geheimnis der Studienbetreiber.

Weitere Merkwürdigkeiten:

Bei jeder Pipi-Wahlumfrage geben die Meinungsforschungsinstitute den Befragungszeitraum an. Das ist dringend erforderlich, um Ergebnisse und ihre Entwicklung über die Jahre einordnen zu können. Nicht so die Uni Leipzig. Sie verschweigt, in welchem Zeitraum die Befragung der 2.420 Personen stattgefunden hat. Wie sah zum betreffenden Zeitpunkt die Nachrichtenlage aus? Kamen in den Nachrichten offene Grenzen, Tausende von einströmenden Asylbewerbern, grapschende „Rapefugees“ oder islamische Terroranschläge vor? Oder der durchgeknallte Erdogan? Das wissen nur die Betreiber der Studie. 2014 fanden die Umfragen jedenfalls zwischen dem 10. Februar und dem 6. April statt.

Bei den Ergebnissen wird unter anderem nach dem Wahlverhalten unterschieden. Die Studienbetreiber geben aber überhaupt nicht an, wie viele der befragten Probanden wahlberechtigt sind. Einen deutschen Pass haben sie alle. Es gibt aber 266 Personen „bis 24 Jahre“, 19 im „Freiwilligendienst / Mutterschutz / Erziehungsurlaub“, 73 „Schüler(in) einer allg. Schule“, 148 „in Schulausbildung“ und 56 „in Berufsausbildung“. Soll man als Leser raten, wie viele Personen noch nicht wahlberechtigt sind? Oder durften auch Minderjährige ihre Wunschpartei ankreuzen? Befragt wurde ab 14 Jahre.

Was den Datenschutz betrifft: Offenbar wurden die beiden Fragebögen nicht in getrennten Datensätzen verarbeitet, denn es gibt in der Studie Auswertungen zur politischen Einstellung, die mit den personenbezogenen Daten gekoppelt sind. Es wird dabei nach Wohnort, Bildungsstand, Geschlecht, Alter, Erwerbsstatus usw. aufgedröselt, wer antisemitisch, ausländerfeindlich usw. ist.

Der Fragebogen

Der Fragebogen, den die Probanden zu Hause im Beisein eines Interviewers vorgelegt bekamen, wurde in der FAZ als unbrauchbar verrissen. Man findet ihn auf Seite 31f der Studie mitsamt den Ergebnissen (zum Vergrößern auf die Grafik klicken):

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Durch das Auswalzen der Antworten auf fünf Säulen entsteht hier der Eindruck, besonders viele Befragte hätten sich der mittleren Antwort zugeordnet. Wir zeigen das hier am Beispiel der Fragen zur Ausländerfeindlichkeit:

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Beschränkt man sich bei der Auswertung auf die drei Bereiche „Ablehnung“, „teils teils“ und „Zustimmung“, so sieht die Sache gleich schon wieder anders aus. Dann sieht man nämlich, wie ausländerfreundlich deutsche Staatsbürger immer noch sind, obwohl weiten Teilen der Öffentlichkeit mittlerweile bewusst ist, dass viele Ausländer aus rein wirtschaftlichen Gründen und meistens illegal bei uns einwandern. Selbst bei steigender Arbeitslosigkeit würde eine Mehrheit der Deutschen die ausländischen Sozialschmarotzer noch nicht aus dem Land werfen. Nur ein Drittel der Deutschen denkt, dass die stattfindende Überfremdung ein „gefährliches Maß“ angenommen hat.

Interessant ist auch die Auswertung zum Thema Diktatur. Woher zum Kuckuck soll ein SED-Wähler ahnen, dass nach der Zustimmung zu einer „rechtsautoritären Diktatur“ gefragt wird? Und werden wir nicht zum Wohle der ganzen Welt mit starker Hand von Merkel regiert? Und sitzt im Bundestag nicht schon längst eine Einheitspartei? Sind nicht hohe Zustimmungswerte zu diesen Fragen ein klares Votum für die Regierungsweise unserer Kanzlerin?

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Was wählen Rechtsextreme?

Wie bei der „Mitte-Studie“ getrickst wird, kann man an einem Beispiel auf Seite 78 sehr schön sehen. Dort gibt es eine Tabelle, mit der Frage „Was wählen Rechtsextreme?“ Die NPD taucht hier gar nicht auf!

Von den 2.420 Befragten werden 106 Personen als „manifest rechtsextrem“ eingestuft (entspricht vier Prozent). Von diesen Personen soll niemand NPD-Wähler sein? Stand die NPD möglicherweise gar nicht auf dem Fragebogen?

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Bei der Mitte-Studie 2014 gab es in dieser Rubrik noch die Antwortmöglichkeit „Rechte“ (dort Seite 43). Diese fehlt in der Studie von 2016 gänzlich.

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Wen wählen Leute mit „rechtsextremem Einstellungspotential“?

Auf Seite 42 der Studie geht es um Personen mit „rechtsextremem Einstellungspotential“. Unter welchen Voraussetzungen man in diese Gruppe fällt und wie sie sich von den „manifest Rechtsextremen“ und von unbeanstandeten Bürgern unterscheidet, wird nicht genauer erläutert. Es heißt lapidar:

„Für die folgenden Tabellen und Gruppenvergleiche nach soziodemografischen Merkmalen wurden die Antworten je Dimension zusammengefasst. Dazu wurde die durchschnittliche Zustimmung zu allen drei Fragen herangezogen.“

Zu jedem Thema (Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit usw.) gibt es drei Fragen. Zu jeder Frage gibt es aber auch drei zustimmende Antwortmöglichkeiten, nämlich „stimme teils zu“, „stimme überwiegend zu“ und „stimme voll und ganz zu“. Wo genau wurde da jetzt der Durchschnitt ermittelt?

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Ebensowenig wird erläutert, wieso hier der Stichprobenumfang von 2.420 Befragten auf 1.927 reduziert wurde. Laut Tabelle gibt es in der Stichprobe:

• 565 Nichtwähler und Unentschlossene
• 427 Wähler von CDU/CSU
• 425 Wähler der SPD
• 167 Wähler der Grünen
• 161 Wähler der AfD
• 131 Wähler der Linken
• 51 Wähler der FDP

Ergibt zusammen 1.927 Personen. Was ist mit den restlichen 493 Fragebögen? Warum fallen sie unter den Tisch? Mit welchen Parteien sympathisieren die 493 unterschlagenen Befragten und wie sehen ihre Einstellungen bezüglich Ausländern aus? Das werden wir vermutlich nie erfahren.

Und wieso fehlt ausgerechnet bei einer Umfrage zum Rechtsextremismus schon wieder die NPD?

Enthemmte Mitte?

Eine wichtige Frage zum Schluss: Wieso heißt die Studie eigentlich „Enthemmte Mitte“?

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Die Studienbetreiber versichern ab Seite 44ff:

• Die Ausländerfeindlichkeit sank seit 2002 von 26,9 auf 20,4 Prozent (und das bei illegaler Masseneinwanderung!).
• Der Chauvinismus sank seit 2002 von 18,3 auf 16,7 Prozent.
• Der Wunsch nach einer Diktatur sank seit 2002 von 7,7, auf 5 Prozent.
• Der Anteil Personen mit „geschlossenen rechtsextremem Weltbild“ sank seit 2002 von 9,7 auf 5,4 Prozent.
• Der Antisemitismus sank seit 2002 von 9,3 auf 4,8 Prozent (antisemitische Ausländer nicht eingerechnet!).
• Der Sozialdarwinismus sank seit 2002 von 5,2 auf 3,4 Prozent.
• Die Verharmlosung des National-Sozialismus ging seit 2002 von 4,1 auf 2,1 Prozent zurück.

2014 nannte die Uni Leipzig ihre Studie „Die stabilisierte Mitte“. Wir haben uns weiter stabilisiert. Weil das alles aber noch nicht genug ist und wir immer noch so völlig enthemmt sind, wird weiter in Richtung Null-Prozent-Marke gearbeitet. Damit wir importierte Einbrecher, Taschendiebe, Kettenabreißer, Enkeltrickbetrüger, kriminelle Clans, Scheinselbständige, Drogendealer, Grapscher, Vergewaltiger, Sozialschmarotzer, Schwarzarbeiter, Kopftuchgeschwader, Ehrenmörder, Messerstecher, Quassel-Imame und ätzende Talkshows, Terrorwarnungen, Bankenunion,  Griechenland-Tranchen sowie Grundsteuererhöhungen klaglos hinnehmen und uns darüber freuen, unserer experimentierfreudigen Kanzlerin weitere Milliarden zum Verzocken zur Verfügung zu stellen.

Im Herbst kommt dann die nächste „Mitte-Studie“ heraus. Diesmal von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, mit identischem Fragebogen. Bereitwillig öffnen wir dem Wahnsinn die Tür…