Ali David Sonboly in „Vorbereitungsklasse“

Ali David KlasseDer iranische Killer Ali David Sonboly hat offensichtlich im Schuljahr 2015/2016 am Unterricht in einer so genannten „Vorbereitungsklasse“ an einer Fachoberschule im Münchner Stadtteil Schwabing teilgenommen. In diese können Schüler aufgenommen werden, die in der 10. Klasse einen so schlechten Schnitt haben, dass sie damit nicht in die Oberstufe kommen. Wer diese Vorbereitungsklasse besteht, erhält damit noch eine Chance, das Abitur zu absolvieren. Es könnte sein, dass Ali David dies nicht schaffte, was möglicherweise einen weiteren Anlass für den Amoklauf lieferte. Update: Laut Spiegel setzte Ali David die Türkei mit dem IS gleich und sei AfD-Sympathisant gewesen..

(Von Michael Stürzenberger)

Bei einer Pressekonferenz heute Mittag sind weitere Details bekannt geworden: So habe sich der Iraner die Waffe, eine Glock 17, im Darknet über die Slowakei besorgt. Die Glock sei ursprünglich eine „Theaterwaffe“ zu Dekozwecken gewesen, die vor dem Verkauf wieder scharf gemacht wurde. Die Seriennummer sei weggefeilt worden, was die Illegalität des Verkaufs unterstreicht. Die Glock 17 kann mit einem Magazin mit einer Kapazität von 17 Schuss bestückt werden. Sonboly hatte zwei Magazine mit sich, und da er wohl insgesamt 57 Schüsse abgegeben hat, muss er die Magazine zwischendurch per Hand nachgeladen haben.

Dies tat er vermutlich auf dem Parkdeck, da die Polizei dort eine unverschossene Patrone fand. Man geht davon aus, dass sie Ali David Sonboly herunterfiel, als er eilig neue Geschosse in seine Magazine drückte. Davor, währenddessen oder danach erfolgte wohl auch der Dialog mit dem Anwohner.

Der Täter hat laut Polizei-Angaben fünf Personen im McDonalds erschossen, zwei davor, einen vor dem Saturn und einen im Inneren des Olympia Einkaufszentrums an der Rolltreppe. 35 Menschen seien insgesamt verletzt worden, zwölf davon schwer. Bei der Flucht soll er von einer Zivilstreife gestellt worden sein, worauf sich Ali David mit der linken Hand durch einen am Kopf aufgesetzten Schuss selbst tötete. Die Zivilpolizisten hätten eine Kugel auf ihn geschossen, die ihn aber nicht traf.

Ali David Sonboly sei im Jahr 2015 für zwei Monate in einer stationären Psychiatrie untergebracht gewesen. Anschließend habe eine ambulante Behandlung erfolgt. Neben Depressionen sei es auch um eine sogenannte „soziale Phobie“ gegangen, bei der die Betroffenen Angstzustände entwickeln, wenn sie mit anderen Personen in Kontakt kommen. Bis wenige Wochen vor der Tat sei der Iraner in psychiatrischer Behandlung gewesen, ein letzter ärztlicher Kontakt habe im Juni 2016 stattgefunden. Die Abendzeitung berichtet, der Killer habe ein Manifest verfasst:

Ali S. hatte sich offenbar seit rund einem Jahr auf seine Tat vorbereitet – seit er den Tatort von Winnenden besucht hatte. Darauf deuten Dokumente hin, die auf seiner mehrere Terabyte großen Festplatte gefunden wurden.

Anders als zunächst vom LKA angegeben, fand man auf dem Computer nicht das Manifest des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik, sondern eines, das Ali S. selbst verfasst hat. Darin befasst er sich offenbar mit Amokläufen und seiner bevorstehenden Tat.

Warum der Täter ausgerechnet jetzt und ausgerechnet am OEZ sein Blutbad anrichtete, ist weiterhin unklar.

Die BZ meldet, dass sich Ali David sehr für Anders Breivik interessiert habe, der auch mit einer Glock 17 tötete. Im Internet habe sich der Iraner intensiv mit Ballerspielen beschäftigt, wobei er auch Mitspieler bedroht habe:

Der 18-Jährige soll einen Account auf der Online-Spielseite „Steam“ gehabt haben, auf der er sich immer neue Namen gab, darunter „Psycho“, „Bis ich keinen Sinn mehr sehe“ und „Godlike“, erzählte ein früherer Schulfreund des Schützen, der ihn schon seit der ersten Klasse kennt, gegenüber der B.Z. am Sonntag.

Weil er sie immer wieder bedroht habe, hätten er und die anderen ihn vor über einem Jahr aus der Gaming-Gruppe und auch aus dem Freundeskreis ausgeschlossen. Doch der Deutsch-Iraner sei immer wieder unter anderen Namen aufgetaucht. Am Tag der Tat soll er über ein Mikrofon seine früheren Mitschüler aufgefordert haben, zur McDonald’s-Filiale am OEZ zu kommen. „Ich komme euch holen und erschieße euch“, soll er gesagt haben.

Den Facebook-Account, mit dem er zum McDonalds einlud, habe er übrigens nicht „gehackt“, wie es die Polizei ursprünglich mitgeteilt hatte, sondern selber als Fake-Account veröffentlicht. Die Bild teilt mit, dass Ali David Sonboly seine Tat gut vorbereitet habe:

Der Todesschütze von München hat seine Tat über ein Jahr lang geplant. Das teilte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts, Robert Heimberger, am Sonntag in München mit. Demnach gehen die Tatvorbereitungen des 18-Jährigen bis in den Sommer 2015 zurück.
Die Waffe dafür besorgte sich der Deutsch-Iraner demnach vermutlich im sogenannten Darknet, einem verborgenen und verschlüsselten Bereich des Internets.

Die Berliner Zeitung berichtet, dass sich Ali David auch für den Amoklauf in Winnenden interessierte und sich dort auch vor Ort umgesehen habe:

Wie die SZ jetzt aber weiter berichtet, soll sich S. bei seiner Tat auch am Amoklauf von Winnenden orientiert haben. Laut Zeitung soll er selbst nach Winnenden gefahren sein, um sich dort umzusehen und Fotos zu machen. Auf einer Pressekonferenz am Sonntag hieß es außerdem, dass der Täter sich seit einem Jahr mit seiner Tat befasst hat. Nach Angaben der Ermittler hat der Täter auch intensiv gewaltverherrlichende Videospiele wie „Counterstrike” gespielt.

Über die Einzelheiten des Mobbings, das wohl Türken und Araber ihm gegenüber in der Schule durchführten, weswegen es auch offensichtlich in der Vergangenheit ein Verfahren gab, wollte der Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch in der Pressekonferenz aus Gründen des Jugendschutzes keine detaillierten Auskünfte geben.

Update – Der Spiegel meldet:

David flüchtet sich mehr und mehr in die Welt der Computerspiele. Vor allem der Ego-Shooter Counter-Strike hat es ihm angetan. Laut einem Mitspieler meldet er sich in Chats unter Namen wie „Amokläufer“ und „Hass“ an. Dort lebt er offenbar auch seine Wut auf die Türken aus. Er habe „Türkei =ISIS“ gepostet und die rechtspopulistische AFD verehrt, berichtet der Mitspieler. Im vergangenen Winter sei der Kontakt abgebrochen.