Euskirchner Kinderschläger gehen straffrei aus

euskirchen_schulhofDas tägliche Entsetzen über „neue Formen der Gewalt unter Kindern und Jugendlichen“ hat jetzt auch die multikulturelle und vielfältige städtische Gesamtschule für deutsche und „neu zugewanderte Kinder“, die zehn kulturbereichernde Sprachen, aber kein Deutsch sprechen, in Euskirchen bei Bonn erreicht. Am 22. September prügelte dort ein Zwölfjähriger, wahrscheinlich unterstützt von einem Mitschüler, so auf seinen gleichaltrigen Klassenkameraden Eric S. (kl. Foto, offenbar ohne Migrationshintergrund) ein, dass dieser in die Neurologische Spezialklinik nach Köln-Merheim geflogen werden musste (PI berichtete). Während Eric auf der dortigen Intensivstation noch immer im künstlichen Koma liegt und um sein Leben ringt, können die Schläger, die ihn halb totgeprügelt haben, jetzt aufatmen: Die Ermittlungen gegen sie wurden eingestellt.

(Von Verena B., Bonn)

Auslöser der Prügelattacke, die in der 13 Uhr-Pause im Schulgebäude passierte, war das gemeinsame Spiel mit Yu-Gi-Oh-Karten, bei dem Eric ständig gewonnen haben soll. Während der Klassenkamerad brutal prügelte, schaute ein anderer Schüler zu, der angab, dass er nicht habe eingreifen können. Dieser hatte sich bei der Polizei gemeldet. Als am Montag dann der bereits unter Tatverdacht stehende Junge und der neue, gleichaltrige Zeuge angehört wurden, habe sich, so der Oberstaatsanwalt, „der Verdacht bestätigt, dass dieser ebenfalls strafunmündige Schüler auch aktiv an dem Tatgeschehen im Schulgebäude beteiligt war“.

Boulevardmedien hatten berichtet, dass der zuerst unter Tatverdacht stehende Zwölfjährige bereits polizeibekannt sei. Dem widersprach Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises Euskirchen: „Er war dem Jugendamt vorher nicht bekannt. Er ist völlig unbescholten.“

[..] Obwohl Eltern der Mitschüler in Aussagen von früheren Übergriffen der Prügler berichten, wurden die beiden bislang noch nicht polizeilich erfasst. Auch das könnte sich nun mildernd auswirken, wenn das Jugendamt über Maßnahmen berät.

„Wir stehen in Kooperation mit den Eltern der beiden. Dabei geht es um Hilfe für die Jungen”, sagte der Leiter des Amtes, Erdmann Bierdel, zu BILD. „Um eine Bestrafung muss sich die Justiz kümmern. Unsere Aufgabe ist es, den beiden zu helfen.”„Für uns ist der Fall abgeschlossen”, sagt der Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender. „Wir glauben recht sicher, dass keine weiteren Personen an der Tat beteiligt waren. Die beiden verdächtigen Jungen sind aber strafunmündig.”

„Wir stehen in Kooperation mit den Eltern der beiden. Dabei geht es um Hilfe für die Jungen”, sagte der Leiter des Amtes, Erdmann Bierdel, zu BILD. „Um eine Bestrafung muss sich die Justiz kümmern. Unsere Aufgabe ist es, den beiden zu helfen.”

Der erschütternde Fall erinnert stark an den Mordfall Niklas P. in Bonn-Bad Godesberg. Die Süddeutsche Zeitung muss natürlich ihren vergifteten Senf zu dem Fall beisteuern und spielt mal wieder den oberschlauen Volkserzieher:

Prügelattacken wie in Euskirchen lassen sich oft verhindern

Gewaltverbrechen, die von von Jugendlichen oder sogar Kindern verübt werden, machen immer wieder Schlagzeilen: In Berlin prügelten im März vier Kinder im Alter von zehn, elf, zwölf und 13 Jahren auf einen 13-jährigen Jungen ein, um ihm sein Handy abzunehmen. Sie schlugen immer weiter auf ihr Opfer ein, auch nachdem sie ihm das Handy schon entrissen hatten. Im Oktober 2014 eskalierte ein Streit zwischen einem Elf- und einem Zwölfjährigen an einer Bushaltestelle in Bad Königshofen. Der Jüngere stach mit einem Taschenmesser mehrfach auf den anderen ein. Im März 2013 griff eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen in Berlin einen 20-Jährigen an, der auf die U-Bahn wartete. Die Angreifer schlugen und traten so lange zu, bis das Opfer zusammenbrach und von der Bank fiel.

Die Zahl der Gewalttaten auf dem Schulhof geht zurück

Solche brutalen Gewalttaten sind jedoch Einzelfälle. Insgesamt hat die Gewalt auf Schulhöfen in den vergangen Jahren deutlich abgenommen, zeigt die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV): 2000 gab es noch mehr als 135.000 gewaltbedingte Schulunfälle, 2014 hingegen waren es nur noch etwas über 80.000. Das entspricht einem Rückgang von fast 40 Prozent.

Trotz der rückläufigen Zahl der Gewalttaten fordern Experten mehr Prävention, um brutale Ausschreitungen wie kürzlich in Euskirchen zu verhindern. Der Münchner Kinder- und Jugendpsychiater Adam Alfred betont: „Aggressive Verhaltensweisen kündigen sich meist lange im Voraus an.“ So reagieren etwa Kleinkinder schon unangemessen impulsiv mit Wutausbrüchen auf eher harmlose Situationen. Hier sollten die Eltern bereits mit professioneller Hilfe gegensteuern.

Sicher bekommt diese vorbildliche, bunte Schule in Euskirchen demnächst vom Innenminister den Integrationspreis – natürlich in zehn Sprachen.