Zwickau: Ärger für AfDler nach Dom-Gesang

Wie sagte doch unsere Bundeskanzlerin am 22. Oktober auf dem CDU-Sonderparteitag in Wittenburg? Einfach mal ein paar Liederzettel kopieren, ein Weihnachtslied singen, die eigene Kultur pflegen… Der AfD-Direktkandidat zur Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Zwickau, Benjamin J. Przybylla, nahm Merkel jetzt beim Wort, stellte sich kurz vor Weihnachten mit einem Liederzettel in den Zwickauer Dom und sang dort „Ich steh an deiner Krippen hier“ des lutherischen Theologen und Dichters Paul Gerhardt (Video oben).

Przybylla machte dabei allerdings drei Fehler: Erstens sang er, ohne einen Antrag auf alleiniges Singen in der Kirche gestellt zu haben, zweitens nahm er seinen Liedvortrag auf Video auf und veröffentlichte ihn und drittens ist er – der wohl größte Faux pas – Mitglied der AfD!

In der evangelischen Kirche Zwickau und in der Landeskirche gab es daraufhin einen Aufschrei der Empörung, wie er heftiger wohl nicht ausfallen konnte. Im Einzelnen führt die evangelische Kirche in einer Pressemitteilung folgende Kritikpunkte an Przybyllas Vortrag auf:

Ihr gesungener Weihnachtsgruß aus dem Zwickauer Dom ist bei der Nicolai-Kirchgemeinde und der evangelischen Landeskirche Sachsen auf harte Kritik und Ablehnung gestoßen. Der Sprecher der Landeskirche Matthias Oelke hat der Freien Presse folgendes mitgeteilt:

Deutlich muss gesagt werden, dass die Aufnahmen nicht mit Wissen und Genehmigung der Kirchgemeinde erfolgt sind. Als die Aufsicht auf das Treiben aufmerksam wurde, folgten die „Besucher“ nach Angabe des Pfarrers nicht der Aufforderung, die Kirche zu verlassen. [Przybylla bestreitet diese Aufforderung, Anm. PI]

Aus Sicht der Kirchgemeinde wurde das Hausrecht verletzt, denn es lag keine Genehmigung für Nutzung in diesem Sinne vor. Umso ärgerlicher ist es für die Kirchgemeinde, dass der Kirchenraum für parteipolitische Zwecke missbraucht wurde und somit der falsche Eindruck entstehen könnte, dies sei mit Wissen und Entscheidung der Kirchgemeinde geschehen. Nach unserer Auffassung könnten der Kirchgemeinde aus dieser Rechtsverletzung Schadenersatz- und Unterlassungsansprüche aus § 823 BGB zustehen, die sie aber selbst anstrengen muss.

Auch die Landeskirche sieht in dem Video einen Missbrauch des Zwickauer Domes für eine parteipolitisch motivierte Webeveranstaltung, von dem sich die Landeskirche distanziert und den sie scharf verurteilt. Bisher haben die Kandidatinnen und Kandidaten aller Parteien respektiert, dass Innenräume von Kirchen keine Kulissen für parteipolitische oder andere Werbeveranstaltungen darstellen können und darstellen dürfen. Wer sich als Politiker über die Achtung sakraler Räume hinwegsetzt, disqualifiziert sich als politische Alternative.

Dem widerspricht Przybylla in einer Stellungnahme:

Überall macht die Kirche Politik und unterstellt anderen dann, „parteipolitisch“ zu aggieren. Ein selbst gesungenes Weihnachtslied als Weihnachtsgruß in einem sozialen Medium zu teilen, hat weder etwas mit Parteipolitik noch Werbung zu tun, sondern ist zuerst eine gemeinschaftsstiftende Geste, die auch anderen Politikern gut anstünde. Solch eine Geste soll die Gemeinschaft zwischen mir, meinen Bekannten und meinen (potentiellen) Wählern stärken. Das sofort ideologisch zu interpretieren, zeugt von einer unerträglichen Politisierung der Kirchen, die sich – begonnen auf den Kirchentagen – inzwischen bis hinunter zur kleinsten Gemeinde zieht. Wenn die Kirchgemeinde meint, dass der Kirchenraum für parteipolitische Zwecke missbraucht wurde, kann ich darüber nur lachen. Das Singen von Weihnachtsliedern hat nichts mit Parteipolitik, sondern mit der deutschen christlichen Kultur und Religiösität zu tun. Gerade in der Weihnachtszeit sollte doch die Kirche zu einem friedlichen Miteinander aufrufen, weshalb ich derartige Anfeindung nicht nachvollziehen kann.

Wer sich beim Pressesprecher des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsen (EVLKS) zu dem Fall erkundigen möchte, kann dies hier tun:

EVLKS
Matthias Oelke, Pressesprecher
Lukasstraße 6
01069 Dresden
Telefon: 0351 4692-245
Telefax: 0351 4692-249
E-Mail: presse@evlks.de