PI-NEWS-Interview

Sängerin Sonja James: „Danke Deutschland!“

Die im Jahr 2009 gestartete PI-Erfolgsserie „Warum ich Deutschland liebe!“ brachte schon zahlreiche Beispiele gelungener Integration von Immigranten verschiedenster Herkunft. Das zeigt: Deutschland ist weltoffen und bietet alle Chancen für Menschen, die in guter Absicht zu uns kommen. Neben den vielen Beispielen „alltäglicher“ Integrationserfolge gibt es auch herausragende Geschichten. Zum Beispiel die der bosnisch-slowenischen Sängerin Sonja James (Foto), die mit ihren Songs mit „Gänsehaut-Effekt“ verzaubert und schon als Kind an internationalen Klavierkonzerten teilnahm. Im PI-Interview beschreibt Sonja James die Faszination Deutschland, die sie aus gesicherter Existenz in Bosnien nach Deutschland brachte. Warum eine internationale Persönlichkeit mit dem Abschluss einer US-Universität Deutschland liebt: „Ich kann in Deutschland in kreativer Atmosphäre meine Musik und meine Texte schreiben, was ich will und denken, was ich will.“

PI: Warum singt eine attraktive bosnische Sängerin mit slowenischem Pass „Thank You Germany“?

Sonja James: Ich habe Anfang 2013 ohne ein Wort Deutsch meine Zelte in Bosnien abgebrochen und bin nach Deutschland gekommen. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Ich hatte einen guten Job in Sarajewo in der Wirtschaftsförderung. Ich suchte einen neuen Anfang in einem liberalen und freien Land, Luft zum Atmen. Deutschland bietet Menschen, die sich einsetzen, arbeiten, etwas geben wollen, beste Chancen. Mit meiner musikalischen Karriere war eigentlich Schluss. Ich suchte einen Cut und normalen Job, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das war ein echtes Abenteuer. Ohne die vielen tollen Menschen, die ich dabei in Kassel, Essen, Offenburg und in ganz Deutschland kennen lernen durfte, wäre das alles nicht möglich gewesen. Ich habe überall Freundschaft, Sympathie und Hilfe erfahren, spontan, nichts Aufgesetztes. Ich habe viel gelernt von dieser Nation, von ihren Menschen, die – für mich eigenartig – so wenig stolz auf ihr eigenes Land sind. Diesen Menschen wollte ich ein persönliches Dankeschön sagen, für das, was sie mir ohne Gegenleistung und Kalkül gegeben haben, daher: Thank you Germany!

PI: Wie ging das ohne deutsche Sprachkenntnisse?

Sonja James: Ich habe ein Jahr lang intensiv Deutsch gelernt an der Volkshochschule Kassel, alles andere war sekundär – bis zum Level C 1. Da ich Englisch fast wie meine Muttersprache spreche, war das ein guter Schlüssel. Ich habe niemals einen Cent deutscher Sozialleistung erhalten. In Kneipen sang ich, ein guter deutscher Freund spielte Gitarre dazu, so habe ich mich durchgeschlagen – und einen Start in einem Unternehmen gesucht. Ich hatte auch Glück, dass ich die Unterstützung von meiner Familie bekommen habe. Nach einem längeren Praktikum in einer Klinik, den Kontakt stellte ein Kasseler Bekannter her, hatte der Direktor Vertrauen und übertrug mir das internationale Patientenmanagement. Ich habe mich auf meine Art bedankt und diesen Umsatz in einem Jahr fast verdoppelt. Heute bin ich hauptberuflich für das internationale Personalrecruiting eines großen Unternehmens zuständig. Mein Weg war: Kraft, Zähigkeit, Freundlichkeit und Engagement.

PI: Warum singen Sie auf Englisch, wenn Sie jetzt Deutsch so gut beherrschen?

Sonja James: Englisch ist die Weltsprache der Musik, die Texte versteht jeder, auch Menschen außerhalb von Deutschland. Hinzu kommt, dass ich in meinen eigenen Texten poetisch noch nicht sicher mit der deutschen Sprache bin. Und ich singe meine Lieder. Aber in der Zukunft werden Sie Sonja James sicher auch auf Deutsch hören.

PI: Wo stehen Sie politisch?

Sonja James: Ich bin Künstlerin und habe parteipolitisch keine Meinungen. Das kommt mir auch nicht zu. Aber ich habe Lebenserfahrung als Kriegskind im eingeschlossenen Tuzla in Bosnien. Wir dürfen vor Terroristen nicht zurückschrecken, unser Leben nicht ändern. Ich bin wie die anderen immer auf dem gleichen Weg zur Schule gegangen, trotz der Gefahr von Granaten und Scharfschützen. Aus Prinzip. Ich komme aus einem muslimisch-christlichen Land, wo die Religionen Kriege führten aber auch Jahrhunderte friedlich miteinander lebten. Wenn Respekt und Toleranz nicht beidseitig gelebt werden, bedeutet das am Ende Gewalt. Eine einzige Granate hat in Tuzla über 70 Jugendliche bei einem Straßenfest getötet, Moslems und Christen, auch Freunde von mir. Wer zuwandert, muss sich an die Gesetze des Gastgebers halten, vielleicht genauer als die, die da sind. Die bosnische Mentalität ist deutlich gastfreundlicher als die deutsche. Aber der Gast hat die Regeln einzuhalten. Wenn er das nicht tut, sind die Antworten eindeutig und kennen wenig Pardon.

PI: Was hat Sonja James musikalisch zu sagen?

Sonja James: Ich singe pop-soul. Das ist international, habe eine dunkle Stimme, manche sagen schwarz (lacht), Musik soll vereinen und die Seele reinigen. Ich glaube an Gott und an eine höhere Gerechtigkeit – dazu habe ich in meinem Video „On the Right Side“ etwas gesagt. Viele meiner Fans sind Moslems. Musik soll die Menschen zusammenbringen, gute Gefühle verstärken. Das ist wichtig. Denn der Mensch ist sowohl gut als auch böse, die Grenze ist schmal und Gott wacht über uns.

PI: Gibt es sowas wie „political correctness“ auch in der Musik?

Sonja James: Sicher, leider. Es gibt Künstler, die regelrecht ausgegrenzt werden. Politisch korrekte Musik ist niemals gute Musik. Musik ist Kunst und sie folgt eigenen Maßstäben. Musik muss immer frei bleiben. Sie hört sich gut an oder nicht. Wenn ich jetzt Amerika, Donald Trump und die Künstler sehe, ist das fremd für mich. Nicht weil ich ein Trump-Fan bin, sondern weil sich dort künstlerische Multimillionäre aus den besten Gegenden über einen anderen Reichen äußern. Ich war lange in den USA – hier gibt es viele wirklich arme Menschen, die vom Establishment alleine gelassen wurden. Wahrscheinlich deshalb haben die Trump gewählt. Was mich derzeit für den neuen Präsidenten einnimmt, ist, dass anscheinend alle gegen ihn sind. Ich war immer für den Underdog.

PI: Und das deutsche Auswahlsystem?

Die Musikfirmen kreieren immer schneller Künstler ohne eigenes Profil und ohne wirklich gute Stimme, die dann noch schneller in der Versenkung verschwinden. Praktisch keine Künstler, die über Deutschland hinaus eine Chance haben – wie man bei internationalen Wettbewerben immer wieder sieht.

PI: Gibt es Schnittmengen von Ihrem bürgerlichen Job zur Musik?

Sonja James: Ich suche international nach Pflegekräften und Ärzten. Menschen, die wir in Deutschland dringend brauchen und die bereit sind, ihre Heimat aufzugeben. Menschen, die hier arbeiten, uns etwas geben wollen und trotz ihres Stolzes für ihr Land hier ein neues Zuhause suchen. Auch für diese Menschen singe ich. Denen möchte ich durch meine Musik und mein Leben Mut, Wärme und eine Stimme geben.

PI: Haben Sie schon mal daran gedacht, Deutschland wieder zu verlassen? Wenn ja, in welche Richtung?

Noch nicht. Ich möchte mich hier etablieren. Und auch wenn ich international bekannt werden sollte. Deutschland ist ein gutes Zuhause. Wenn verlassen – dann nur in Richtung Wärme – Kalifornien?

PI: Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Ich liebe Deutschland, weil…“

Sonja James: … es bislang zu mir ein faires und sehr anständiges Land war und die Menschen mich so akzeptieren wie ich bin.

PI: Vielen Dank für das Gespräch, Frau James.