Gründe für die sinkenden AfD-Umfragewerte

In den neuesten Umfragen zur Bundestagswahl liegt die AfD mit zumeist einstelligen Werten so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr.  Einmal abgesehen von der tatsächlichen Aussagekraft sogenannter „repräsentativer Umfragen“ bleibt trotzdem festzuhalten, dass es in den letzten Wochen einen signifikanten Niedergang in diesen Prognosen gegeben hat. Vor dem Hintergrund des Flügelstreits innerhalb der AfD wird von den Gegnern Björn Höckes gerne dessen umstrittene Dresdener Rede als Hauptgrund für den Sinkflug ins Feld geführt. Die Verteidiger Höckes – wie auch er selbst in einem aktuellen Spiegel-Interview – sehen das ganz anders.  Werfen wir also zur Lösung der Frage einen genaueren Blick auf die zeitlichen Abläufe und Umfragedaten der letzten Wochen:

Dabei werden zwei für die AfD wichtige Ereignisse – die Höcke-Rede und der Beginn des auch allen anderen Parteien zusetzenden Medienhypes um den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz – der chronologischen Auflistung der Umfragewerte der wichtigsten Institute gegenüber gestellt (Quelle: www.wahlrecht.de):

(Umfragewert für AfD / Veröffentlichungsdatum / Befragungszeitraum )

EMNID: 12 % / 14.1. / 06.01.–11.01.

Höckes Dresdener Rede am  17. Januar

12 % / 21.1. / 12.01.–18.01.

11 % / 28.1. / 19.01.–25.01.

Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz am 29. Januar

11 % / 4.2. /26.01.–02.02.

10 % / 11.2. / 02.02.–08.02.

9 % / 18.2. / 09.02.–15.02.

FORSA: 12 % / 11.1. / 02.01.–06.01.

Höckes Dresdener Rede am  17. Januar

11 % / 18.1. / 09.01.–13.01.

12 % / 25.1. / 16.01.–20.01.

Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz am 29. Januar

11 % / 1.2. / 23.01.–27.01.

10 % / 8.2. / 30.01.–03.02.

9 % / 15.2. / 05.02.–10.02.

INSA: 13,5 % / 17.1. / 13.01.–16.01.

Höckes Dresdener Rede am  17. Januar

14,5 % / 23.1./ 20.01.–23.01.

Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz am 29. Januar

13,0 % / 30.1. / 27.01.–30.01.

12,0 % / 6.2. / 03.02.–06.02.

12,0 % / 13.2. / 10.02.–13.02.

INFRATEST  DIMAP: 15 % / 5.1. / 02.01.–04.01.

Höckes Dresdener Rede am  17. Januar

14 % / 27.1 / 24.01.–25.01.

Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz am 29. Januar

12 % / 2.2. / 30.01.–01.02.

FORSCHUNGSGRUPPE WAHLEN: 13 % / 13.1. / 10.01.–12.01.

Höcke’s Dresdener Rede am  17. Januar

11 % / 27.1. / 24.01.–26.01.

Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz am 29. Januar

10 % / 17.2. / 14.02.–16.02.

Eine Analyse der besonders aussagekräftigen Werte von EMNID, FORSA und INSA – weil wöchentlich gemessen – zeigt übereinstimmend folgendes Bild: Die Werte der AfD bleiben auch nach Höckes Rede und der ersten Welle der Medienskandalisierung ungefähr stabil, steigen teilweise sogar (wieder) etwas an. Erst nach Beginn des Medienhypes um den SPD-Kanzlerkandidaten Schulz beginnen die Werte für die AfD stärker zu fallen. Übrigens auch in einem Zeitraum, in der die zweite Skandalisierung der Höcke-Rede durch seine parteiinternen Gegner zunehmend an Schärfe gewinnt und in der Einleitung des Parteiausschlussverfahrens am 13. Februar gipfelt.  Bei INFRATEST DIMAP und der FORSCHUNGSGRUPPE WAHLEN, die in größeren Abständen ihre Umfragen durchführen, ergibt sich im Grunde ein ähnliches, wenn auch zeitlich nicht so aussagekräftiges Bild.

Auf diesen Fakten basierend, kann folgende Hypothese aufgestellt werden: Die Skandalisierung der Höcke-Rede durch den „Feind“ – also Medien und Altparteien – hat der AfD kaum Wähler gekostet, ja wahrscheinlich sogar zusätzliche mobilisiert. Erst die zunehmende interne Zerstrittenheit und das unsolidarische Agieren von Teilen der AfD haben dann im Zusammenspiel mit dem Medienhype um Martin Schulz signifikant Prozentpunkte gekostet.