Imad Karim: Das Wort zum Sonntagnachmittag

Imad KarimImad Karim.

Deutschland, das ich 40 Jahre liebte, verändert sich und es wird mir fremd. 40 Jahre lang genoss ich, von allen diesen virtuellen Göttern, Propheten, Heiligen und Halbheiligen endlich in Ruhe gelassen zu werden. Jetzt scheint es damit vorbei zu sein!

Es stimmt nichts mehr in diesem Land. Wenn sich eine Bürgerin an die Bundeskanzlerin wendet – so wie es vor einem Jahr geschah – und der ersten Frau im Staate mitteilt, sie sei besorgt, weil der Islam sich hier verbreite, antwortet die Kanzlerin, die Dame solle dieser Angst entgegenwirken und mehr in die Kirche gehen. Dass die besorgte Bürgerin vielleicht gar keine Christin, ja vielleicht Buddhistin oder Atheisten oder, oder, ist und sie sich eventuell durch unsere erste Politikerin beleidigt gefühlt haben könnte, darauf ist weder unsere Bundeskanzlerin noch die arschkriechenden Journalisten gekommen.

Seitdem sich der Islam jeden Tag mehr und mehr vom öffentlichen Raum Besitz nimmt, muss ich mich tagein tagaus mit Allah, Mohammad, Mohammadsfrauen, Mohammadspolizisten und Aiman Mazyek und anderen mir suspekt erscheinenden Erscheinungen auseinandersetzen, egal ob ich will oder nicht will.

Oft, für mich sehr oft, sehe ich auf den Straßen und öffentlichen Plätzen betende Muslime, die mit ihrem Hinknien die Reviere zu markieren und mit ihren lauten Allahu akbar-Rufen den Äther zu ersticken versuchen.

Halbverschleierte bis totalvermumte Frauen lassen mich wissen, dass sie mich durchschaut haben, nämlich dass ich ein Primat bin, der darauf wartet, diese Damen in schwarz zu bespringen, sobald ich ihre Haare oder Knie sehe.

Ich mache den Fernseher an, surfe auf den staatlichen Bildungsseiten und muss lesen, dass ich alles, was ich über den Islam, meine ursprüngliche Religion, in arabisch studierte, nicht der Wahrheit entspricht und dass die Müllers, Schmidts und andere Islamwissenschaftler über die Religion, in der ich meine Eltern bestattete, mehr als ich wissen und dass ich zu dämlich war, die Friedfertigkeit meiner einstigen Religion zu erkennen. Na ja, Arabisch ist keine leichte Sprache, aber die Müllers und Schmidts wissen es besser.

Es gibt Automesse, Möbelmesse, Baumesse, Haushaltswarenmesse, Beautymesse, Fressmesse, Erotikmesse usw. Ich frage mich, warum gibt es keine Göttermesse? Nein, ich meine nicht so eine billige Esoterikmesse, sondern richtige Göttermesse? Oder vielleicht eine Göttergipsmesse? Eine Messe, auf der ich meinen eigenen Gott aus Gips kriere. Ich will keinen jüdischen Gott, dessen Anhänger mir vielleicht in altjüdisch sagen, „du bischt nischt auscherwählt, du bleibscht draußen“ oder ein christlicher Gott, der mir sagt, „komme, höre zu, damit ich dich retten kann“ und wenn ich ihn frage, wovon oder wovor er mich retten will, dann sagt er „dass du nicht in der Hölle landest, wenn du nicht tust, was ich dir zu sagen habe“ und ich frage ihn, ob es nicht besser wäre, er würde mir die Hölle ersparen, in dem er mich in Ruhe lassen und nichts sagen würde. Dann höre ich ihn irgendwas auf aramäisch murmeln. Ich will es lieber nicht verstehen.

Ich will auch keinen Allah, der mir droht zu töten, wenn ich nichts, aber gar nichts von ihm halte. Ich habe es satt, immer von diesem Allah bedroht zu werden „ich weiß, wo dein Haus wohnt“.

Überhaupt dieser abrahamitische Gott/Allah/Jehua nervt mich mit seinen unerträglichen Launen. Ich habe nie verstanden, warum er wegen Bagatellen ausflippt, da ersäuft er die gesamte Erde, weil die Menschen böse waren und dann gibt er ihnen wieder eine neue Chance und? Sind die heute besser? Oder er genießt, wie Abraham ihm unterwürfig und bereit war, seinen Sohn Issak oder Ismail (wie die Moslems behaupten) à la ISIS zu köpfen. Dann kommt er im letzten Moment à la Hollywood und sagt dem armen traumatisierten Abraham, „ätsch, ich habe dich reingelegt, nimm ein Schaaf und lass den Jungen seinen Pimmel zum letzten Mal betrachten, bevor wir ihm ein kleines Stückchen abschneiden. Das macht Spaß!“

Kommt man zum muslimischen Allah, da hat man das Gefühl, alle Sadisten und Psychopathen, unter denen die Menschheit bisher leiden mussten, waren im Vergleich zu diesem grausamen Gott, brave (nicht sexuell missbrauchte) Chorknaben.

Mein Gott, den ich aus Gips machen würde, soll ein freier Gut-Laune-Gott sein und keinesfalls von mir abhängig sein, denn alle anderen Göttern brauchen uns Geschöpfe mehr als wir sie brauchen. Wir wissen, wir kommen und gehen, aber dieser Gott weiß, er muss bleiben und wenn die Menschen, die Tiere und die Pflanzen nicht zurückkommen, also nicht neu geboren werden, mit wem soll er kommunizieren? Mit den Steinen und dem Wasser der Ozeanen? Bei wem kann er angeben, was er alles kann? Nobody is here God!

Also bitte, wer braucht wen mehr? Deshalb sollen sich diese Götter ein wenig zurückhalten. Wir sind nicht so blöd, wie wir aussehen.

Was wollte ich eigentlich schreiben? Ich weiß nicht mehr. Oh ja, jetzt weiß ich. Ich sehe, es wird ein sonniger Nachmittag werden. Es lohnt sich, einen Spaziergang zu machen. Vielleicht begegne ich Gott am Flussufer und führe ein Vieraugengespräch. Allen schönen Sonntag.


Zum Autor: Imad Karim ist ein 1958 in Beirut geborener, arabischstämmiger Ex-Moslem. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er für deutsche Medien als Autor, Regisseur und Produzent. Der Text ist im Original auf seiner Facebook-Seite erschienen.